Zensur? YouTuber ohne Werbung- die #YouTubeIsOverParty



Das war eine ziemliche Aufregung letzte Woche. Los ging das Ganze wie fast immer natürlich drüben, im Land des Silicon Valley. Unter dem griffigen Hashtag #YouTubeIsOverParty kam die Geschichte aber auch schnell bis zu uns ins etwas rückständigere Europa. Dabei habe sich doch gar nichts verändert- man würde die YouTuber jetzt nur etwas besser informieren, wie YouTube sofort eilig versicherte. Bei einer "Is Over Party" war man dort wohl nicht amüsiert.

Philip DeFranco war es, der die Party ins Rollen brachte. Als YouTuber mit mehr als 4,5 Millionen Abonnenten und 1,6 Milliarden Video-Abrufen hat er die richtige Plattform dafür. Er hatte entdeckt, dass einige seiner Videos durch YouTube "demonetarisiert" wurden  Und das gefiel ihm gar nicht. Keine Werbung- kein Geld für den YouTuber. Und noch viel schlimmer: Der Grund für das Problem bei den Videos war deren Inhalt.

YouTube verkauft immer mehr Werbespots an die Wirtschaft, ja- aber am von Anfang an bestehenden Grundproblem hat sich nichts geändert. Die erzielten Preise für die Spots können den "Partnern" nicht annähernd die Erlöse bieten, die beim "Old TV" immer noch üblich sind.

Befragt man die Werber, so hört man oft die Klage über das "Umfeld" für die "gesendeten" Spots. Wer bei YouTube Werbespots schaltet, weiß nicht so genau, vor welchem Video seine edle Marke dann beworben wird. Das können nach wie vor die klassischen Katzen sein, blödelnde Teenager, politisch schwieriges, sexuell anstößiges oder auch professionell gemachtes TV. Und noch tausendfach anderes mehr.

Mit den Werber-Tools von YouTube könnte jeder Werbetreibende auch exakt festlegen, vor welchen Videos seine Spots laufen und wo. Das aber ist den Agenturen in der Regel zu mühsam. Sie legen Regionen, grobe Themen oder "Sendezeiten" fest und überlassen den Rest dem "Algorithmus". Und zahlen gern geringere Preise- wegen dem "Umfeld".

YouTube will nun mit der "Demonetarisierung" bestimmter Videos das "Umfeld" für die Werber verbessern. In der Hoffnung auf höhere Preise. Statt dessen gibt es nun erst einmal einen "Shitstorm" durch die YouTuber.

"Das Unterbinden der Monetarisierung ist eine Form der Zensur", so Philip DeFranco in einem extra zum Thema aufgenommenen Video. Und er hat damit gar nicht mal unrecht. Denn Zensur muss ja nicht unbedingt das Verbot eines missliebigen Werkes bedeuten. Es kann durchaus ausreichen, den Autor einfach durch Entzug von Einkommen in seiner Existenz zu bedrohen. Und wenn man sich die Kriterien von YouTube durchliest, was alles an Inhalten "werbeunfreundlich" ist- da wird es für etliche YouTuber zum Beispiel im Bereich Comedy schon ziemlich eng.

Aber es gilt im Bereich der Werbung - und dort mehr als irgendwo sonst - der ewige Grundsatz "wer zahlt, schafft an". Die Inhalte sind frei, ja- aber die Werber auch. Nur ein Prozent der Videos betreffe das Problem, so YouTube. Tss... tss...

Das Problem verdient auf jeden Fall weitere Beobachtung. DeFrancos Beschwerde-Video hat mittlerweile über 4 Millionen Abrufe. Und es hat Werbung.

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