No Country for Old Men: 10 Jahre verkauft Apple jetzt Filme bei iTunes

Foto: Apple

Wow. Kinder, wie die Zeit vergeht... Apples iTunes verkauft jetzt seit zehn Jahren Filme über das Internet. Um das Jubiläum zu feiern, hat man sich nun mit großen Hollywood-Studios zusammengetan und bietet Geburtstags-Pakete für den US-Markt an. Jeweils zehn Filme sind für insgesamt schlappe 9,99 Dollar zu haben. Aber nur an einem einzigen Tag. Da muss man schnell sein. Nichts für alte Männer. "No Country for Old Men" ist auch in einem der Pakete dabei.

Die meisten werden es längst gesehen haben: Der Spanier Javier Bardem spielt in dem nicht gerade fröhlichen Meisterwerk der Coen-Brüder ultimativ das ultimativ Böse, welches einen gnadenlos verfolgen kann, nur weil man plötzlich irgendwo zu viel Geld gefunden hat. Und früher war alles viel besser, das weiß zumindest Tommy Lee Jones als Sheriff. Und schaut dem Treiben der Jüngeren in vielen Szenen auch ultimativ mehr über die Zukunft wissend zu.

"No Country for Old Men"- genau das ist der globale digitale Markt für Filme und Blockbuster auch. Der Kampf um Preise und Inhalte ist brutal und ohne Gnade und ganz schnell ist man für immer vom Fenster weg. Das ist iTunes noch nicht, noch lange nicht- aber der Glanz des Pioniers, der vor (fast) allen anderen da war, ist irgendwie verloren gegangen. Der gnadenlose Jäger, den einst alle fürchteten, agiert heute wie die Beute mit Geldkoffer auf der Flucht. Irgendwann wird jemand in der Tür stehen und ihn bitten, eine Münze zu werfen. Wer etwas zu verlieren hat, hat schon verloren. In diesem Land herrschen die, die jagen.

Damals, vor zehn Jahren, da jagten sie noch selbst. Die Kinos, die Filmstudios, die Zuschauer- alle. Nur der dicke Kim machte Probleme. Zu dem haben sie dann alle gemeinsam den Mann mit der Münze geschickt. Die ganze Welt war voller Geldkoffer. Was ist passiert?

Erst kam Netflix mit der Idee des Abonnements und dann auch noch mit eigenen Inhalten. Dann kam Amazon und verband die Abo-Idee auf ganz neue Weise mit seinem riesigen E-Commerce-Kaufhaus. Dann kamen Millionen anderer Anbieter und hatten "No Country for Old Men" auch im Programm, gern auch noch billiger.

Ja, auch iTunes wurde technisch besser. Aber im Prinzip änderte sich: Nichts. So wurde aus dem Jäger nach und nach die Beute mit dem Geldkoffer. Und nirgendwo fand sich ein wirklich sicherer Platz.

Der Apple-TV hätte ein Ausweg sein können. Oder die eigene Produktion von Inhalten, die nur Apple auf iTunes hat. So wie man es ja bei der Musik mit dem iTunes-Festival gerade eigentlich auch wieder versucht und beim Thema Film oder Serie auch immer wieder mal schüchtern erwägt.

Aber das ist zu wenig. Für einen, der in diesem Land ein Großer ist und über alle notwendigen Ressourcen mehr als reichlich verfügt, viel zu wenig. Statt zu jagen agiert Apple weiter eher wie der Mann mit dem Geldkoffer auf der Flucht.

Apple will deshalb jetzt Netflix kaufen, so hört man es immer wieder. Vice-Chef Shane Smith hat es gerade in Edinburgh wieder gesagt. Aber das wäre kein kleines Projekt- und ein Risiko. Auch wenn der Geldkoffer nach wie vor unglaublich groß ist- es wäre allein schon durch die Dimension des Geschäfts die Idee eines Jägers. Wirf eine Münze. Kopf oder Zahl. Auch wenn da so ein Gefühl ist, das geht vielleicht jetzt nicht gut aus.

Das aber ist nicht mehr Apple. Das verlangt auch die Mentalität eines Jägers. Jemand wie Steve Jobs zum Beispiel. Der war nie mit einem Geldkoffer auf der Flucht.

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