Netflix stoppt die "Bloodline" - warum?

Sissy Spacek ist Sally Rayburn in "Bloodline" Foto: Netflix / Saeed Adyani

Schlechte Nachrichten auch für Sissy Spacek. Sie spielt für Netflix in "Bloodline" das weibliche Familien-Oberhaupt der Rayburns. "Bloodline", so meldet es der "Hollywood Reporter", wird bei Netflix nach Staffel drei abgesetzt. Sissy Spacek wird es mit Fassung tragen und nicht noch einmal zur "Carrie" werden. Nein, nicht die Carrie. Die richtig gruselige, die Sissy Spacek vor vierzig Jahren mal war. Auch deshalb gehört sie zu den lebenden Hollywood-Legenden. Sie wird andere Angebote haben. Und wenn sie ihr nicht gefallen, was soll's- sie hat ihren Stern auf dem Boulevard.

Und überhaupt. Serien kommen, Serien gehen. Aber die Absetzung von "Bloodline" ist in mehrerer Hinsicht interessant. Nicht nur, weil in Hollywood gerade im Vorfeld der "Emmy"-Verleihung die Diskussion um Netflix, dessen für die alteingesessenen Studio-Bosse und Agenten sehr gewöhnungsbedürftigen neuartigen Regeln sowie die Auswirkungen eines Produktions-Budgets von 6000mal eine Million Dollar in nur einem Jahr wieder hochkocht. Gewöhnungsbedürftig ist sicher auch, dass "Bloodline" ja gerade erst im Mai um eine dritte Staffel verlängert wurde, mit der Aussicht, dass danach noch lange nicht Schluss sei. Nun wird die dritte Staffel sogar noch von dreizehn auf zehn Folgen gekürzt.

Irgendwie komisch. Netflix-untypisch. "Bloodline" gehört zwar nicht zu den ganz großen Netflix-Produktionen, kann aber dennoch auf recht gute Zuschauer-Noten verweisen. Und Netflix hat eigentlich bisher nur selten eine Serie beendet. Die Macher, so hört man, hatten das Material für mehr "Bloodline" längst im Schreibtisch. Eigentlich fanden mit "Lilyhammer" und "Hemlock Grove" bisher gerade mal zwei "Netflix-Originale" zu einem Ende.

Irgendwie komisch. Netflix-untypisch. Absetzungen sind kein Marketing-Thema wie Premieren oder neu bestellte Staffeln. Netflix kommentiert solche Dinge in der Regel nicht. Auch nicht die Frage, was das Ganze denn mit Fördermitteln zu tun hat. Fördermittel? Hääh? Für Serien im Fernsehen? Gibt es so etwas nicht nur im rundfunkregulierten Deutschland?

Von wegen. Florida, wo die Rayburns zu Hause sind, hatte ein üppiges Programm für Steuer-Subventionen aus dem Jahr 2010. 300 Millionen Dollar waren drin- und "Bloodline" hat für die ersten Staffeln davon wohl ordentlich was abbekommen. Nun ist der schöne Steuer-Topf leer und wird derzeit nicht wieder nachgefüllt.

Irgendwie ist diese ganze weite Welt wohl auch nur irgendein Deutschland. David Caruso, der blonde Chef von "C.S.I. Miami", ist jetzt übrigens "Miteigentümer eines Möbel- und Bekleidungsgeschäftes". Nein, kein Film. Auch keine Serie. Echtes Leben. In Florida. Das eine hat mit dem anderen sicher auch gar nichts zu tun. Denn "Bones" will ja nun bald auch ihren Seziertisch räumen. Die Serie ist nach wie vor ziemlich erfolgreich. Und alle Beteiligten versichern, es ginge nicht um Geld. Obwohl.. War da nicht was mit einer Gewinnbeteiligung? Na ja. Das eine, so versichern alle Beteiligten, hat mit dem anderen gar nichts zu tun.

Serien kommen, Serien sterben. Für das "warum" bräuchte man so eine Art C.S.I. und irre Experten, die einfach alles herausfinden. Wäre das nicht eine spannende Serien-Idee? David Caruso und FBI-Agent Seeley Booth könnten gemeinsam im Außen-Einsatz Verdächtige aufspüren und streng verhören. "Bones" könnte mit ihrem Experten-Team statt gruseliger menschlicher Überreste E-Mail-Fragmente und geheime Kamera- und Tonaufzeichnungen von Hintergrundgesprächen in kalifornischen Edel-Restaurants analysieren. Und Sissy Spacek würde dann für die Fans der abgesetzten Serien als "Carrie" in dunklen Nächten die schuldigen Studio- und TV-Bosse besuchen. "Akte Y- die Serien-Avengers" wäre mein Arbeitstitel. Sollte ich mir das patentieren lassen?

Fragen über Fragen... Hat Kolumbien eigentlich noch Fördermittel? Egal. Letztendlich geht es bei Netflix immer nur um die Wünsche der Zuschauer und die Freiheit der Kreativen. Pablo Escobar (Achtung, Spoiler!) ist am Ende der zweiten Staffel tot. Dennoch geht "Narcos" bei Netflix demnächst mit sogar zwei neuen Staffeln weiter...

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