"Mr. Robot" oder "Narcos": Die Sprach-Revolution braucht einen Anführer

Mr. Robot. Foto: Amazon / © 2015 Universal Pictures Germany. All Rights Reserved.

Mr. Robot ist wieder da. Wie schön. Ja, schon länger. Aber jetzt auch in Deutsch bei Amazon Prime. "So etwas musst Du doch im englischen Original gucken", höre ich dann oft. Das ist schlicht und ergreifend Quatsch. Ja, für einige wenige mag das stimmen. Aber viel öfter hört man diese Sprüche von Möchtegern-Jetsettern und albernen Posern, die mit ihren Fremdsprachen-Kenntnissen prahlen wollen.

Englisch verstehen und sprechen ist eine Sache. Sich eine gute Geschichte in Serie erzählen zu lassen, eine ganz andere. Fernsehen ist ein Leanback-Medium. Ich will in die Welt des "Mr. Robot" eintauchen. Sie soll mich aus dem Hier und Jetzt in ein neues Universum führen und mich für eine Weile gefangen nehmen. Was hat er gesagt? Schon, wenn ich nur kurz darüber nachdenken muss, ist dieser Effekt gestört. Beim Lesen von Untertiteln ist es völlig vorbei. So funktioniert das nicht. Die Verfechter der "Originale" sind bestenfalls ahnungslos. Kommen sie aus der Branche, sind sie dagegen meist etwas viel Schlimmeres: Controller halt, die nach Vorwänden zum Kosten sparen suchen- also die natürlichen Todfeinde jeglicher Kreativität.

Ja, Synchronisation ist eine schwierige Geschichte. Ich leide auch fast schon körperliche Schmerzen bei deutschen öffentlich rechtlichen Serien, in denen thailändische Marktfrauen Deutsch mit seltsamen Akzenten sprechen oder gar Buschmänner im Süden Afrikas mit ebenso gütigen wie blonden deutschen Hausfrauen "Dialoge" führen, die völlig zu Recht so nie zuvor ein Mensch gehört hat. Aber das ist nicht die Schuld der Synchronisation. Ja, schlechte Synchronisation kann einer Serie schaden. Gar nicht so selten aber, wenn tolle Profis am Werk sind, kann sie sogar ein wenig verbessern. Aus einem "SchleFaZ" wird aber so oder so kein Sieger auf großen Filmfestivals.

Mr. Robot auf Deutsch ist nun da und ich kann ihn in Ruhe genießen, ohne über andere Dinge nachdenken zu müssen. Die Revolution braucht einen Anführer- und beim Synchronisieren sollte es nicht Amazon, sondern Netflix sein.

Denn die "Narcos" von Netflix sind die Serie, von der ich immer wieder höre, dass viele sie aus Sprachgründen nicht bis zum Ende schauen. Netflix will das Fernsehen globalisieren und macht Ernst damit. Also sprechen die Drogen-Barone viel Spanisch- und da sind auch die Verfechter der "Originale" plötzlich ganz still. Wie aber synchronisiert man eine zweisprachige Serie richtig? So wie die öffentlich-rechtlichen Traumschiffe aus Deutschland?

Jetzt wage ich mal eine kühne Prognose- und sage ja. Denn genau so, wie aus dem "SchleFaZ" durch Synchronisation keine Perle wird, würde aus den "Narcos" deshalb kein Schrott. Netflix muss die Revolution anführen.

Polen und die Türkei bekommen gerade von Netflix eigene "Kanäle" in ihrer Heimatsprache. So wird es immer weiter gehen. Das Netflix-Konzept beruht darauf, dass irgendwann alle weltweit alles von allen sehen. Richtig erfolgreich wird es aber erst dann werden, wenn mexikanische Telenovelas in Zukunft bei Bedarf auch türkisch oder polnisch sprechen, statt nur zu schreiben. Wenn Gerard Depardieu in "Marseille" plötzlich japanisch redet, nur weil einer in Tokio das guckt. Nein, die erste deutsche Netflix-Serie muss deshalb nicht "Finster" statt "Dark" heißen. Aber sie sollte in Rio portugiesisch können.

Das ist eine aus heutiger Sicht noch fast unlösbare Aufgabe. Aber Netflix macht sich über das Problem ja schon ziemlich viele Gedanken- bis hin zu der Frage, wie man eine "Late Nigt"-Talk-Show global wirklich benutzbar macht.

Wird also irgendwann in Hollywood ein gigantischer Netflix-Turm von Babylon voller Synchronisations-Studios stehen? Wohl eher nicht. Mr. Robot könnte die Lösung für die Zukunft bringen. Die zu uns sprechende künstliche Intelligenz aus der Cloud steht erst am Anfang. Irgendwann könnte sie auch Film-Dialoge in allen Sprachen beherrschen. Dann wäre es nur noch ein sehr großer Schritt weiter zur dramaturgisch echten und automatisierten Synchronisation.

Das ist aus heutiger Sicht noch eine fast unlösbare Aufgabe. Die Revolution braucht einen Anführer. Mr. Robot, bitte übernehmen sie. Und jetzt kein uahhahahaha..

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