Kein lockeres Binge-Watching: Jesse Pinkman auf "The Path" bei Amazon

Foto: Amazon / © NBC Universal All Rights Reserved

Da wir gerade beim Thema Serien sind: Welche Serien sollte man derzeit gesehen haben? "The Path" zum Beispiel, so finde ich. "The Path" ist ab heute geöffnet bei Amazon Prime und es ist eine fürs Streaming produzierte Serie. Es ist aber kein "Amazon Original". Auch kein "Netflix Original", sondern ein "Hulu". Auch dieser US-Streamingdienst produziert mittlerweile hochkarätige Serien nur für sich. Und da Hulu in Deutschland nicht "sendet", bekam Amazon den Zuschlag.

Hochkarätig ist die Serie auf jeden Fall. Neben Aaron Paul, der es mit seiner grandiosen Leistung selbst verschuldet hat, für alle und noch für lange Zeit Jesse Pinkman zu bleiben, ist da auch noch Michelle Monaghan und Hugh Dancy. In einer Serie für Hulu. Das ist schon etwa so, als würde Wismut Aue mit drei Nationalspielern in die neue Saison der zweiten Bundesliga starten.

Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Video Deutschland, beherrscht jedenfalls auch das Marketing: "The Path ist die neueste Ergänzung in einer Reihe lang erwarteter neuer Serien, die in diesem Jahr exklusiv bei Amazon Prime Video starten werden. Nach einem Sommer voller fantastischer Serien wie Preacher, Mr. Robot und The Girlfriend Experience und vor dem Start der mit Spannung erwarteten Show The Grand Tour und der Rückkehr von Hitserien wie The Man in the High Castle, sind die zehn Episoden von The Path im nächsten Monat die perfekte Binge-Watching-Möglichkeit exklusiv für Prime-Mitglieder." Wow. Die Worte "exklusiv" und fünf weitere Amazon-Programme grammatikalisch halbwegs korrekt in schlappen zwei Sätzen.

Und Binge-Watching? Wohl nicht. "The Path" ist doch eher schwere Kost. Die "provokative" Serie, wie Amazon das nennt, erzählt von der "unbekannten und mysteriösen Welt" der sektenhaften "Meyerism-Bewegung" im Bundesstaat New York. Aaron Paul ist Eddie Lane, der seinen Glauben in den sogenannten "Meyerism" in Frage zu stellen beginnt, als er von einer spirituellen Auszeit zurückkehrt. Seine Frau Sarah (Michelle Monaghan) dagegen ist der Religion zutiefst ergeben und spielt in der Gruppe eine wichtige Rolle. Hugh Dancy übernimmt die Rolle des Calvin Roberts, des charismatischen, inoffiziellen Anführers der "Meyerism-Bewegung".

Die Serie ist gut- keine Frage. Ebenso Aaron Paul, der wieder einen ähnlich hin- und hergerissenen Charakter wie Jesse Pinkman spielen kann. Und das Thema ist ja auch hochaktuell. Die fiktive "Meyerism"-Bewegung will bei ihren Mitgliedern Wissen und Persönlichkeit durch Glauben und Gehorsam ersetzen. Sind wir heutzutage nicht alle immer mehr von den verschiedensten "Meyerism"-Bewegungen umstellt?

Deshalb: Betretet "The Path" nicht unbedingt mit Binge-Watching. Aber verpasst ihn nicht. Denn die Serie ist gut- keine Frage. Ich zum Beispiel gebe dem kleinen Jungen in mir erst einmal noch ein paar Folgen "Agents of S.H.I.E.L.D." Die sind in der zweiten Staffel auch richtig gut- man weiß vorher nie so recht, wie es ausgeht. Und man muss nicht so viel nachdenken wie auf "The Path".

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