Emmy 2016: Langeweile beim "Game of Thrones" für Serien

Kein Emmy für Robin Wright. Foto: Netflix / David Giesbrecht

Eigentlich wäre sie letzte Nacht dran gewesen. So glaubten es jedenfalls viele. Statt dessen wurde Tatiana Maslany für "Orphan Black" als "beste Schauspielerin in einer Drama-Serie" mit dem Emmy geehrt. Robin Wright wird es mit Fassung tragen. Ihr Film-Ehemann Kevin Spacey war zum vierten (!) Mal für seine Rolle in der Netflix-Serie "House of Cards" als "bester Schauspieler" nominiert, sie erst das zweite Mal. Auch Präsident Underwood wurde es wieder nicht. Für Netflix gewannen statt dessen der "Master of None" sowie Ben Mendelson für "Bloodline" einen Emmy- ein paar Tage, nachdem die Serie abgesetzt wurde.

Bei den Männern gewann Rami Malek für "Mr. Robot". Das wiederum empfanden viele als Überraschung. Wieso eigentlich? Zum 68.mal wurde in Los Angeles gestern der "Emmy" unter den Serien-Machern verteilt, und der wichtige Fernsehpreis war vor allem Eines: Langweilig.

Das ist erst einmal nicht so schlimm, denn solche Preis-Veranstaltungen sind dies eigentlich (fast) immer. Leute kriegen Preise, die Verlierer klatschen krampfhaft lächelnd, aber begeistert und dann dankt man all den unglaublichen Menschen, die dazu beigetragen haben. Schließlich sind alle Beteiligten Top-Schauspieler. Profis eben. Genau wie im Vorjahr.

Aber dieses Mal waren auch die ausgezeichneten Serien meist langweilig. Nein, das ist falsch. Richtig ausgedrückt: Es wurde ausgezeichnet, was schon immer ausgezeichnet wurde. Großartige Serien, große Schauspieler, tolle Macher, ja- aber eben immer die gleichen. Und genau das ist das Problem.

"Game of Thrones" ist der Sieger des Abends. Ohne Zweifel verdient- wie auch schon im Vorjahr. Das "House of Cards" von Netflix kriegt so gut wie nix, unverdient- genau wie im Vorjahr. Jeffrey Tambor, Jill Soloway und "Transparent" sind für Amazon erfolgreich- genau wie im Vorjahr. "Homeland" und Claire Danes sind immer nominiert, gewinnen aber seit 2013 nichts mehr. Seit dem gilt die Serie als "Islam-feindlich" und damit politisch unkorrekt. Genau wie im Vorjahr. Und so weiter und so fort.

"The Walking Dead" gewinnt nie was, es sei denn fürs Make-Up. Und das ist auch richtig, genau wie im Vorjahr. Gut gemachter Mainstream wie "Bones" gewinnt nie was. Publikums-Favoriten wie "Downton Abbey" oder "The Night Manager" gewinnen nie was. Obwohl, das ist nicht ganz richtig. Susanne Bier gewann für "The Night Manager" die "beste Regie einer kurzen Serie". Eine Frau als Regisseurin, das gilt aktuell gerade als politisch korrekt.

Und 2011, als "Downton Abbey" begann, war diese Serie bei den Emmys noch richtig erfolgreich. Die grandiose Kamerafahrt, mit der alles anfing, konnte kaum einer übersehen. Damals hielt man das Werk noch für eine "Mini-Serie" und zeichnete es auch als bestes derartiges Werk aus. Maggie Smith hat seitdem ein Abo als "beste Nebendarstellerin" und holt das Ding gar nicht mehr ab- genau wie im Vorjahr. So hätte es eine echte Dowager Countess of Grantham auch gemacht. Und Jim Carter alias Mr. Carson war nie auch nur nominiert. Blinder kann eine Jury kaum sein.

Dass Mr. Carson nie was bekommt, ist aber auch schon der einzige wirkliche "Skandal". Die Jurys für wichtige Preise werden ja immer kritisiert. Ein viel größeres Problem der diesjährigen "Emmys" ist aber: Man mag die eine oder andere Entscheidung für gut oder schlecht halten. Aber unübersehbar gute Serien, die die Jury verschmähte, sind mir nicht aufgefallen. Es gab einfach nichts Neues, das wirklich "groß" war. So wie im Vorjahr.

Naja- Vielleicht "Mr. Robot". Das war es dann aber auch. Und das ist auf die Dauer beim Programm-Bedarf für das allseits ausgerufene "goldene Zeitalter des Fernsehens" einfach zu wenig. Ob Jurys oder Serien-Macher: Alle brauchen dringend Ideen, die vor allem eins sind: Nicht wie im Vorjahr.

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