Ein Quantum bunt: Die Fernseher zur IFA 2016

Foto: LG

Schön. Sehr schön. Und vor allem: Schön bunt. LG Electronics begrüßt seine Besucher auf der IFA 2016 mit einem beeindruckenden OLED-Tunnel. Die Installation aus 216 einzelnen 55-Zoll-Curved-Oled-Displays ist fünf Meter hoch, 7,4 Meter breit und 15 Meter lang. Auf 447.897.600 Pixeln können Messegäste das isländische Polarlicht, die Unterwasserwelt oder Bilder aus dem Weltall erleben. Klasse Idee mit großem Schauwert. Aber auch nicht mehr so ganz neu. Zur CES 2016 hatte LG eine kuppelförmige OLED-Installation gezeigt, für die die Koreaner einen "Red Dot Award" in der Kategorie "Spatial Communication" (räumliche Kommunikation) mitnehmen konnten.

Auch auf der IFA 2016 sind die Fernseher wieder größer, bunter, schärfer, kontrastreicher und intelligenter als im Vorjahr. "Was wollt ihr denn noch?!" So scheinen uns es zumindest die Jetlag-geränderten Augen der meist asiatischen Firmenvertreter zuzurufen und man ist geneigt, ihnen zuzustimmen. Wir, das satte und gelangweilte Publikum, wir wollen das Holo-Deck. Und das sofort, frei Haus und mehr als 999 Euro sollte es auf keinen Fall kosten.

LG hat tolle OLED-Fernseher mit WebOS. Samsung hat "SUHD"-TV's mit Quantum dot. Metz und Loewe haben jetzt auch OLED-Fernseher. Sharp hat "IGZO". Sony hat neue Handys- und natürlich auch wieder schöne Fernseher. Und Philips. Und Panasonic. Und... und... Und irgendein HDR haben sie bestimmt (fast) alle auch.

Okay, die global wichtigste Messe für neue TV-Geräte ist die IFA Berlin vielleicht nicht mehr. Aber schon die CES Anfang des Jahres hinterließ ein ähnliches und merkwürdiges Gefühl- am besten vielleicht beschrieben als "Langeweile auf hohem Niveau".

"Haben wir einen Innovations-Gipfel erreicht?" So beschrieb Giuseppe Rondinella in einem klugen Kommentar für "Horizont" das Problem und ja, irgend so etwas ist es wohl. Okay, nach 4K UHD könnte jetzt 8K kommen. In Japan experimentieren sie schon. Ob das menschliche Auge den Unterschied noch bemerken kann, das wissen wir nicht. Noch größer könnten die Dinger werden. Aber die Miet- und Immobilienpreise steigen und eine größere Wohnung nur für den Fernseher ist irgendwie dekadent. Noch ein viertes HDR könnte erfunden werden. Und ein wenig dünner geht auch noch- aber nicht mehr viel, sonst greift man mit dem Staubtuch durch das Display.

Sogar der Preisverfall ist mittlerweile langweiliger geworden. Im aktuellen "CEMIX" kann man ihn nicht mehr erkennen. Die Durchschnittspreise für neue TV-Geräte in Deutschland steigen leicht. Billiger werden sie wohl trotzdem. Da die gekauften Durchschnitts-Geräte größer und besser werden, gibt es wohl einfach mehr Fernseher fürs Geld als im Vorjahr.

Schön. Sehr schön. Und vor allem: Schön bunt. Ich dekadenter Konsument bin gelangweilt. Sogar Netflix hat eine geplante Technik-Präsentation abgesagt, so hört man. Aus Termingründen. Die Chefs haben keine Zeit. Ich hoffe sehr, die Gründe sind langweilig.

Wann kommt jetzt endlich mein Holo-Deck? Egal. Mein Fazit zur IFA 2016: Die TV-Gerätehersteller haben ihre Aufgabe erledigt. Warum ist es dann langweilig? Ganz einfach: Die wirklichen Reserven beim Fernseher liegen nicht in UHD, OLED, 8K oder HDR. Es ist das Programm.

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