Dr. Strange, Neandertaler und die Agents of S.H.I.E.L.D.

Screenshot: Facebook / Agents of S.H.I.E.L.D.

Jetzt wird es für alle Freunde des "Qualitäts-Fernsehens" ganz bitter. Das "Game of Thrones" als aktuell größte Serie aller Zeiten ist ja, so hört man, in absehbarer Zeit vielleicht entschieden. Die Zuschauer könnten sich eigentlich dann wieder auf die Programme konzentrieren, die die Kritiker so lieben. Qualität eben. Politisch korrektes. Etwas, was uns in diesen so schweren Zeiten weiterbildet, weiterhilft und zu besseren Menschen in einer besseren Zukunft macht.

Ich wage mal die Prognose: Daraus wird nichts. Sollte der Herrscher über Westeros irgendwann endgültig feststehen, dann wird der Thron für die Serie aller Serien am wahrscheinlichsten an ein Werk aus dem Marvel-Universum gehen.

"Die Realität, die du kennst, ist nur eine von vielen", so lernt es demnächst "Dr. Strange" im Kino, wo Marvel die Herrschaft über die Leinwände längst weltweit übernommen hat. Aber das "Marvel Cinematic Universe" ist so unendlich groß, dass Sonnen und Planeten auch noch für ein "Marvel TV Universe" ausreichen, welches geradezu in Lichtgeschwindigkeit expandiert.

257.000 Aufrufe, 22.000 Kommentare. Das ist die Bilanz eines kleinen, unscheinbaren Live-Videos bei Facebook in den ersten paar Stunden. Da gibt es nichts Besonderes zu sehen. Nur, dass ein paar "echte" Agents of S.H.I.E.L.D. dort "live aus dem Hauptquartier" Fragen der Fans kurz vor der Premiere von Staffel vier der Serie im US-Fernsehen beantworten. Die Zahlen werden noch steigen. Und die "Agents" sind ja nur ein Planet von vielen in der expandierenden Galaxie.

Bei Netflix geht Ende des Monats "Luke Cage" an den Start. Andere, wie "Jessica Jones" und "Daredevil", sind dort längst unterwegs. "Iron Fist" ist in Arbeit. Amazon hält sich da noch zurück. Aber man kann bei Prime neben den Agents of S.H.I.E.L.D. auch "Agent Carter" sehen.

Masse ist nicht schon Klasse, werden die Kritiker anmerken. Das stimmt. Aber der Erfolg des "Universe" hat auch weitere Folgen. Als alles anfing mit diesem "Comic-Zeug", da hielten sich viele Stars und Drehbuch-Autoren noch vornehm zurück. Man fürchtete um seinen Ruf, wenn man bei diesem "Kinderkram" mitmachte. Heute sind die Besten der Besten bei Marvel dabei und drängeln sich an den Start. Die Helden der Zukunft entstehen hier. Und sie werden besser.

In Deutschland hatte gestern RTL II "Neandertaler" zu bieten. Das ist ein wirklich interessanter Versuch. Hat wohl nicht funktioniert. Die erhoffte Quote blieb aus. Einige sagen, selbst die "Neandertaler" mussten jetzt unbedingt auch noch politisch korrekt sein, und das funktioniere nun mal nicht. Andere sagen, sie hätten es schon vorher gewusst. Glaube ich nicht.

Ab und zu einen Serien-Versuch auf irgendeinem Sender, der sonst etwas ganz anderes bringt- das reicht eben nicht. Film-Universen sind die Zukunft. Auch für Serien. "Versuche" bekommt ein Großteil des Publikums gar nicht mehr mit. Die Älteren bleiben dann schlafend im Sessel bei ARD und ZDF sitzen. Und die Jüngeren sind per Stream in ihren Universen unterwegs.

Sogar Benedict Cumberbatch geht jetzt als "Dr. Strange" bei Marvel an Bord. Irgendwann ist es wie in so einem Comic. Es gibt kein Entrinnen. Da wirken übernatürliche Kräfte. Und da findet sich auch kein Ausweg. Denn alle guten Drehbuchautoren und Darsteller sind weg und beschäftigt. Da, wo die Helden der Zukunft entstehen. Zum Beispiel bei Marvel.

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