"Cordcutting"- jetzt auch auf Deutsch und mit "waipu.tv"

Foto: Exaring AG

Eine "disruptive Next-Generation-TV-Plattform". Aha, "disruptiv". "Next Generation". App. Gähn. Kann weg. Moment mal- eigenes 12.000 km Glasfaser-Backbone-Netz? In Deutschland? Wie viele Glasfaser-Kilometer hat eigentlich die Telekom? Mein Interesse ist geweckt. Und "Exaring AG" habe ich doch schon mal irgendwo gehört. Ach ja- als Freenet Media Broadcast für DVB-T2 erwarb. Zu dieser Zeit haben sie auch 25% der Exaring-Aktien übernommen.

Nun gibt es von der Exaring AG etwas wirklich Neues und es heißt "waipu.tv". Bei uns kosten Kabel-TV-Anschlüsse mit ausreichend Programmen ja nun nicht gleich mal so um die hundert Dollar wie in den USA. Deshalb sind die "Cordcutter" nicht so ein großes Thema und uns gehen leider auch jede Menge wirklich lustige Business-Geschichten verloren. Aber wenn "waipu" auch nur halbwegs hält, was es verspricht, dann haben sowohl der klassische Kabel-TV-Anschluss als auch das Entertain-Fernsehen der Telekom jetzt einen kleinen "Disruptor" vor der Tür. Und die unmittelbaren Konkurrenten wie Magine und Zattoo sowieso.

Für das "innovative TV-Erlebnis" benötigt der Nutzer, so lernen wir, lediglich sein Smartphone und einen Breitband-Internetanschluss, der in der Regel vorhanden ist. Ja. Meistens von der Telekom oder eben einem Kabel-TV-Anbieter. Also mit dem kompletten "Cordcutting" wird es schon einmal nichts. Dann braucht man natürlich einen Fernseher und etwas, was die Bilder der App vom Smartphone dorthin bringt. Einen Chromecast zum Beispiel. Dann lassen sich bereits jetzt über 50 Fernsehsender - ab Anfang 2017 mehr als 100 - live empfangen, viele davon in HD.

Also jetzt mal nachrechnen: Die App gibt es kostenlos für Android und iOS und die öffentlich-rechtlichen Sender gibt es for free. Das Basis-Paket kostet 4,99 Euro im Monat, dann hat man auch die Privatsender und zusätzlich noch 10 Stunden Aufnahmespeicher für einen virtuellen Videorecorder in der Cloud zum später gucken. Aber noch kein HD. Das rundum glücklich-Paket mit HD und mobil gucken für unterwegs kostet 14,99 Euro. Im Vergleich zu herkömmlichem Kabel-TV zuzüglich HDplus oder Telekom Entertain gar nicht so schlecht.

Man kann 30 Tage kostenlos testen und monatlich kündigen. Und von 4KUHD über Gaming online oder gar Virtual Reality verspricht man bei "waipu" für die Zukunft noch mehr. Das eigene Glasfaser-Netz soll nicht nur stabilen Internet-Empfang auch in Spitzenzeiten gewährleisten, indem es "waipu" um die überlasteten Knotenpunkte "herumleitet". Es hat auch noch Kapazität für Ideen für mehr.

Wo ist der Haken? Tja. Fernsehempfang mit IP ermöglicht adressierbare Werbung. Es ist halt Internet. Und in einem geschlossenen System, in dem der Anbieter vom Kunden noch mehr weiß als nur die IP, da funktioniert das noch besser. Exaring hat schon extra einen "Vermarkter" gegründet. Bevor jetzt aber wieder der Aufschrei losgeht: Das ist alles noch gar nichts gegen dass, was zum Beispiel Amazon vorhat.

Ich empfehle daher: "Waipu" kommt aus dem japanischen und bedeutet "wischen". Also wischen wir das jetzt mal weg, so wie in der App. Rechnen wir statt dessen, ob es sich für uns als Kunden rechnet. Und dann ist das Ergebnis unterm Strich gar nicht so schlecht.

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