Betrifft ARD, ZDF und uns alle: Der Böhmermann-Burnout.

Foto: © ZDF / Ben Knabe

Jan Böhmermann gibt auf. "Ich habe auf den Scheiß keinen Bock mehr! Ich brauche INSPIRATION um mich herum, ich mache KUNST! SO GEHT DAS NICHT MEHR! Die Bedingungen im Neo Magazin sind schon lange katastrophal, so werden wir nicht besser! Wir haben einen Auftrag! Aber so??!??" So beginnt ein denkwürdiger Facebook-Post vom einzigen international beachteten deutschen "Late Night"-Star, und die Geschichte hat es in sich. Dahinter steckt mehr. Viel mehr, wie Netz-TV aus gewöhnlich mehr oder weniger gut unterrichteten Kreisen erfahren haben will.

Denn Horst Seehofer, also die CSU, will ARD und ZDF zusammenlegen. Ein Sender reicht, so heißt es- "wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte." Und wie immer in der großen Politik verbergen sich hinter solch ersten öffentlichen Äußerungen natürlich längst detaillierte und akribisch ausgearbeitete Pläne.

Wir sind schließlich ein sozialpolitisch verantwortliches Land. Zahllose Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze bei ARD und ZDF und halten für uns täglich ihr Gesicht aus dem Bildschirm. Und es gibt noch viel mehr Menschen auf den Fluren, von denen niemand so genau weiß, was sie tun. Aber sie alle erfüllen gewiss einen bedeutenden Auftrag. Und müssen deshalb bei der kommenden Zusammenlegung auch alle irgendwie versorgt werden.

Jan Böhmermann, so hört man, hat gelegentlich wichtige Menschen verärgert. So etwas hat in solch Krisensituationen Folgen. Ersten Gerüchten zufolge soll er nach der Zusammenlegung statt der erhofften Moderation einer Samstagabend-Show zukünftig als Integrationsberater für minderjährige syrische Flüchtlinge in der Lindenstraße arbeiten. Aber auch in vielen anderen Bereichen sind große und kleine persönliche Dramen zu erwarten.

Selbst an den geplanten gewaltigen Kosteneinsparungen wird gezweifelt. So wird das neue und echt digitale Studio der künftigen Hauptnachrichtensendung "heutzutage" nicht vor 2036 fertig. Das Team der "Rosenheim-Cops" erwägt einen Hungerstreik. Okay, da gibt es Reserven. Aber es wäre sehr gemein, sie nur deshalb zu entlassen, weil man bei München so leicht was Neues findet und die Leute von "Notruf Hafenkante" mit ihrem komischen Dialekt zukünftig im idyllischen Voralpenland ermitteln sollen. Und kein Mensch weiß, was aus den zahllosen seltsamen Menschen werden soll, die es gewohnt sind viel Geld damit zu verdienen, zusammen mit ausgesucht noch seltsameren Menschen jeden Abend im Fernsehen über wirklich seltsame Dinge zu streiten.

Selbst gegen die einleuchtende Idee, bei der nächsten Fußball-WM jeden zweiten Übertragungstag ausfallen zu lassen, gibt es Einwände. Und wenn die vom ZDF-Fernsehgarten erfahren, dass sie zukünftig auf Tour gehen sollen über die Landesgartenschauen im Outback des MDR-Sendegebietes, dann gibt es gewiss auch einen Aufstand. Und was wird eigentlich aus Pierre Sanoussi-Bliss ?

Jan Böhmermann wird ja gelegentlich vorgeworfen, nur "heiße Luft" zu produzieren. Das ist ungerecht. Man sollte nicht alle Beiträge allzu ernst nehmen- auch nicht die von Netz-TV. Genauso ist es wohl mit Politikern. Böse Menschen behaupten, die CSU käme auf solche Ideen, weil in der Hauptstadt des privaten Rundfunks manchem manche Entwicklung nicht passt. Andere wiederum sagen, das wäre alles nur "heiße Luft".

Denn irgendeine Realisierungschance hat der CSU-Vorschlag wohl nicht. Etwa so wie der regelmäßig wie ein Komet am Himmel erscheinende Vorschlag zur Abschaffung der Rundfunkgebühren.

Welche detaillierten und akribisch ausgearbeiteten Pläne sich hinter solchen Vorschlägen verbergen? Keine Ahnung. Vielleicht gar keine. Ein Beitrag zur Eröffnung der dringend notwendigen Diskussion über einen zukunftsfähigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind sie jedenfalls nicht.

Herr Böhmermann, bitte übernehmen Sie.

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