Bald verboten? Das UKW-Radio ohne "DAB+".



"1986", so lernen wir bei Wikipedia, "wurde auf der Europäischen Ministerkonferenz in Stockholm entschieden, im EUREKA-Projekt 147 ein digitales Hörfunksystem zu entwickeln. Deutschland übernahm dabei die Federführung." Und weiter: "Aufgabenstellung und Anforderungen an das System DAB wurden maßgeblich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland geprägt."

1986 ?? Wow. Na ja. Anfang dieses Jahrtausends kamen dann in größerer Anzahl "DAB+"-Radios in die Läden. Wir schreiben das Jahr 2016. Die Sternzeit ist nah. Vielleicht gibt es bald Tricorder. Viele Millionen wurden seitdem in Deutschland für die Weiterentwicklung, Subventionierung und Werbekampagnen für DAB+ ausgegeben. Mit dem Ergebnis, dass nach dem dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten aktuell stolze 12,6 Prozent der deutschen Haushalte irgendein Gerät besitzen, mit dem sie Radio per DAB+ empfangen könnten.

Das soll uns jetzt allen Ernstes noch als Erfolg verkauft werden. "Das Digitalradio ist keine Vision mehr, sondern längst in der Realität angekommen", so Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, auf dem Digitalradiotag der Medienanstalten auf der IFA in Berlin.

Dabei liegen die Vorteile der Technik klar auf der Hand. In Europa ist man längst weiter. Die Umstellung von UKW auf den neuen digitalen Standard ist in vollem Gange. Im Land der "Federführung" geht wie in so vielen anderen Bereichen auch dagegen nix voran. Woran liegt das?

Ganz einfach: Im förderalistischen, durch Staatskanzleien und Medienanstalten geprägten deutschen Medienwesen ist anscheinend keiner mehr dazu fähig, solche Fragen auch einmal von der Kundenseite aus zu betrachten. Brauche ich das? Fragt jedenfalls der Radiohörer. Der Radiohörer, der sich gerade auch fragt, ob er Radio überhaupt noch braucht. Der Radiohörer, der "die aktuellen Hits" zur überwiegenden Mehrheit auf scheppernder chinesischer Billigplaste als Hintergrundrauschen hört und so den Qualitätsunterschied zwischen UKW und DAB+ ohnehin nicht bemerken kann.

UKW reicht aus. Wozu etwas Neues? Gar Teureres? Nö. Genau hier hätte eine überzeugende Medienpolitik Antworten gefunden. Ebenso leisteten und leisten die vielen privaten Radiosender in Deutschland stets hinhaltenden Widerstand. Wozu investieren, dachten wohl deren oft von den seltsamen Rendite-Vorstellungen der (mit-) besitzenden Zeitungsverleger geleiteten Chefs. Und genau hier hätte eine überzeugende Medienpolitik gehandelt. So aber ging Jahr um Jahr ins Land, aber nichts ging so recht vorwärts.

Jetzt kommt das, was in lebensunfähigen Staatswirtschaften immer kommt: Der Bundesrat will den Verkauf von reinen UKW-Radios verbieten. Denn statt Kunden sind wir doch nur dummer Pöbel, der die Vorteile der wegweisenden Entscheidungen der genialen Verantwortlichen nicht begreift. Der "Multinormchip" soll nun die Rettung bringen. Also Radios, die sowohl als auch können, UKW wie auch DAB+. Damit man die UKW-Frequenzen endlich irgendwann abschalten und anderen Zwecken zuführen kann.

Das ist erst einmal nicht verkehrt. Nur: Es macht die Geräte teurer. Und ist nichts anderes als ein Beleg für das Totalversagen der Verantwortlichen. Statt marktwirtschaftlichem Denken (attraktive Angebote schaffen und die Kunden vom Preis/Leistungsverhältnis zu überzeugen) regiert der Geist der "Regulierung". Mit Verboten, gleich welcher Art, wird man die viel größeren Herausforderungen der kommenden neuen globalen Medien, die auf der künstlich intelligenten Cloud aufbauen, jedenfalls niemals bewältigen.

Hier noch etwas Weiterbildung für unsere Medienpolitik und deren "Anstalten". Von ihren Brüdern im Geiste. Ist lange her. Und sehr passend zum Entwicklungsstand der Institutionen- mit "Mittelwellen"-Rauschen:

Kommentare

Aktuell meist gelesen: