Vielleicht bald verboten: Die Tagesschau-App

Screenshot: YouTube/Tagesschau

Das Video unten ist von 2010, also nicht mehr ganz frisch. Und da es um eine App geht, ist es damit praktisch aus einer technisch längst vergangenen Zeit. Es geht um die Tagesschau-App, die gibt es wirklich schon seit 2010. Und seit 2011 ist sie praktisch ununterbrochen vor Gericht.

Die Tagesschau-App steht in Deutschland unter dem Verdacht, illegal zu sein. Obwohl sie zwar manchmal traurige, aber nie zu freizügige und nur die grausamen Bilder der Realität sowie die dazugehörigen Texte hinaus in die Welt trägt. Selbst das Urheberrecht wird strikt eingehalten. Sie steht aber unter dem schwerwiegenden Verdacht, "presseähnlich" zu sein. Ende 2013 wurde die suspekte App bereits einmal vor Gericht freigesprochen. Jetzt sieht es so aus, als würde sie im Revisionsverfahren als schuldig verurteilt. Für Apps gelten bei uns keine Menschenrechte. Der Tagesschau-App droht ein vorläufiges Todesurteil.

Geklagt gegen die App haben deutsche Zeitungsverleger. Die kostenlose App sei Wettbewerbsverzerrung, da durch Rundfunkbeiträge finanziert. Insbesondere deshalb, da sie zu viele Texte und Fotos enthalte und zu wenig "sendungsbegleitend" sei. Damit sei sie "presseähnlich"- und presseähnliche Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind nach dem Rundfunkstaatsvertrag verboten.

Das Oberlandesgericht in Köln glaubt nun wohl im zweiten Versuch, das könnte so stimmen. Und liegt damit wohl auch nicht ganz falsch. Denn ein Gericht kann sich nur mit vorliegenden Fakten und Beweisen beschäftigen und überprüfen, ob die unzähligen Paragraphen der geltenden deutschen Gesetze das so erlauben oder auch nicht. Die grundsätzliche Frage, ob wir in Deutschland noch alle Tassen im Schrank haben, ist dabei nicht von Bedeutung.

Denn die Tagesschau ist nicht nur irgendeine App, sondern die wichtigste TV-Nachrichtensendung unseres Landes. Und eine Nachrichtensendung ohne App ist ja nun heutzutage irgendwie so etwas wie ein Reporter ohne Mikrofon. Die potentiellen Empfänger sitzen auch in Deutschland längst nicht mehr in muffigen "Lindenstraßen"-Wohnküchen und hören Radio per "Mittelwelle". Sondern laufen gerade in Massen mit "Smartphones" durch die Gegend und suchen niedliche Monster. Und Nachrichten machen nur Sinn, wenn sie die Menschen auch tatsächlich erreichen.

Wie bizarr das deutsche, von "Rundfunkstaatsverträgen" gesetzlich geregelte Medienwesen der "Sender", des "Rundfunks", der "Telemedien" und der "Presse" mittlerweile auf Ausländer wirken muss, vermag ich mir kaum vorzustellen. Apps, Social Media und dieses ganze Teufelszeug aus diesem Internet sind schließlich selbst in Afrika oder auch Grönland einfach so ganz normal. Nur in Deutschland klagen die Zeitungen gegen eine Nachrichten-App der öffentlich-rechtlichen "Sender". Also die Zeitungen, in denen gerade noch stand, Tagesschau und Co. würden uns nicht zeitgemäß informieren.

Ob es Information oder Desinformation ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Aber der an diesem Streit nicht ganz unbeteiligte Springer-Verlag schreibt in der "Welt", "warum der Streit um die Tagesschau-App nötig ist". Denn eines steht fest: Populär ist er nicht. Und nein, liebe Verleger, er ist auch nicht "nötig".

Dringend notwendig wäre statt dessen ein offener Streit darüber, wie deutsche Medien in Zukunft funktionieren sollen. Was wir als öffentlich-rechtlichen Medien per "Rundfunkbeitrag" finanzieren wollen und was nicht. "Sender", "Rundfunk" oder auch das Bedrucken toter Bäume dagegen sollten uns nicht mehr interessieren- das sind in einer digitalen Zeit nur noch schnell an Bedeutung verlierende Tools zur technischen Verbreitung von Information und Unterhaltung hinaus in die Welt.

Und wenn wir dann wissen, was für öffentlich-rechtliche Medien wir wollen, dann sollten wir diese gut ausstatten und arbeiten lassen. Und zwar mit allen brauchbaren Tools auf der Höhe der Zeit.

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