Überzeugt in der Praxis: Mehr Live dank HbbTV verbessert Olympia

Foto: IRT

Manchmal muss man die eigene Sicht der Dinge auch korrigieren. Oder zumindest etwas. Jedenfalls haben mich HbbTV und der dazugehörige "Red Button" bisher nicht so recht überzeugt. Die ursprüngliche Idee dahinter war mir einfach zu deutsch, zu europäisch- die Idee, dem Zuschauer durch eine Art "betreutes Internet-TV" ein etwas smarteres Fernsehen zu bieten, ihn aber dennoch so weit wie irgend möglich bei den bisherigen "Sendern" und von der wilden Welt der Konkurrenzangebote aus dem Internet fernzuhalten.

Dann verging die Zeit. Während manch großer Name aus Kalifornien zum Thema Internetfernsehen absolut nichts auf die Reihe bekam - ganz einfach, weil die Fähigkeit fehlte, Dinge auch einmal neu zu denken - ging die Arbeit bei den HbbTV-Machern wie dem Münchner Institut für Rundfunktechnik kontinuierlich weiter. Mittlerweile ist HbbTV sogar im einst skeptischen Großbritannien angekommen. Und hat die reale Chance, sich als ein offener Standard für smartes TV weltweit durchzusetzen.

Es sind weniger die obskuren Ideen von Landesmedienanstalten, die HbbTV so erfolgreich vorantreiben. Auch nicht, dass es auf diesem Weg bei RTL kostenlose Spielfilme zu sehen gibt oder andere gar schon mit UHDTV experimentierten. Schon gar nicht, dass die Werber wieder einmal zu den ersten gehören, die die Möglichkeiten von HbbTV entdecken. Nein, ich bin nur im praktischen Gebrauch zu überzeugen. Gerade ist Olympiade in Rio. Und genau dort haben mich ARD, ZDF und HbbTV zusammen zum ersten Mal wirklich begeistert.

Denn wir Olympia-Fans kennen das Problem doch alle: Das redaktionell gestaltete Einheitsprogramm ist keine zeitgemäße Antwort auf unsere Zuschauer-Bedürfnisse. Gerade hat man sich beim Beach-Volleyball in eine spannende Partie vertieft und schon wollen die zum Dressurreiten umschalten- oder so. In Rio ist alles anders. Dank HbbTV kann man bei ARD und ZDF die meiste Zeit zwischen mehren Live-Kanälen wechseln.

Okay, die Bilder der per "Red Button" erreichbaren Alternativen sind im Vergleich zum "richtigen" Sender noch etwas matschig. Ziemlich komprimiert, ja- aber eben schon eine brauchbare Alternative. Und sei es nur zur Selbstverteidigung gegen unvermeidliche Studio-"Experten" oder eben (Entschuldigung an die Fans) gegen Dressurreiten. Und funktionieren tut das Zapping über den "Red Button" bestechend einfach und problemlos. Zu den Alternativen "live" genauso wie zu den verpassten Entscheidungen on demand.

Die HbbTV-Technik bekommt ja gerade auch noch ein 2.0 und damit sehr viele neue Möglichkeiten und Verbesserungen. Und könnte, wenn es so weiter geht, tatsächlich eine bedeutende Rolle beim zukünftigen Fernsehen spielen. Hehe- eine Technik aus Europa. Sogar Dienste wie Netflix oder Amazon Video könnten theoretisch mit HbbTV 2.0 wohl smarte Fernseher erreichen. Was die Welt der Hersteller-Betriebssysteme oder der Sticks und Würfel ganz schön verändern könnte.

Wenn man die Möglichkeiten entdeckt. Dinge auch einmal neu denkt. Und kontinuierlich weiterarbeitet wie bisher. Wer es genau wissen will: Den Stand der Dinge auf wissenschaftlich gibt es hier:

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