Sehr schade: Amazon schließt das "Alpha House"

Foto: Amazon

Fast ein ganzes Jahr lang gab es nichts als Vermutungen und Gerüchte. Jetzt ist es irgendwie offiziell- wenn auch noch immer nicht so ganz endgültig. Das "Alpha House" bei Amazon bleibt aber zumindest vorerst geschlossen.

In den USA läuft gerade die Sommertour der "Television Critics Association" (TCA) und alle wichtigen Verantwortlichen werden wieder von der Presse "gegrillt". Und die Kritiker waren ein wenig sauer, weil Amazon so lange keine Fragen zur beim Publikum offenkundig beliebten Politiker-WG wirklich beantwortete. "Ich mag es, mir alle Optionen offen zu halten, aber ich verstehe, was Sie meinen", so Roy Price, Chef der Amazon-Studios, in seiner Fragestunde. "Alpha House" sei für Amazon "keine aktuelle Show", so Price. Aber die Senatoren aus Washington D.C. könnten zurückkehren, "wenn aktuelle politische Ereignisse dies erfordern oder neue Stars dazu kommen".

In der PR-Welt der neuen Streaming-Giganten ist immer Sonnenschein. Das es schwierig sein könnte, einen Star wie John Goodman terminlich und finanziell an Bord zu halten oder dass er gar lieber etwas anderes machen könnte- kein Thema. Wir wissen es also nicht. Aber Goodman ist gerade sehr gut mit "Größerem" beschäftigt. So sorgte er statt bei Amazon Prime neulich zur "Comic Con" in San Diego für bestes Entertainment.

Denn aktuell spielt er gerade eine Hauptrolle im für nächstes Frühjahr zu erwartenden Kino-Blockbuster "Kong: Skull Island". Auf die nicht ganz ernst gemeinte Publikums-Frage dort hinsichtlich der Zusammenarbeit mit einem so großen Filmstar antwortete er mit völlig ernster Miene: "Sie müssen ihn immer mit Kong oder Mr. Kong ansprechen. Niemals dürfen Sie ihn mit seinem Vornamen rufen, er heißt Leo", so Goodman. "Wenn es aber hart auf hart kommt, dann ist er ein höllisch guter Schauspieler. Er packt es. Deshalb hat er auch das Recht, etwas verschroben zu sein. Er war immer 20 Minuten zu spät zum Make-Up, aber nie betrunken am Set. Sie könnten Geschichten hören über das Mitfahren auf dem Dach von Taxis oder gecharterte Boote, die auf die Firma fallen, aber er hat sich als prima Kerl erwiesen. Er drückt sich nicht, wenn er gebraucht wird. Er drückt sich vor gar nichts."

Egal ob Amazon, Netflix oder YouTube- von den Auftritten der Verantwortlichen zur TCA kann man das so nicht durchgehend behaupten. Es ist halt PR. Man drückt sich vor klaren Antworten, wo immer es geht. Viel wirklich Neues haben die Frager jedenfalls nicht herausbekommen. Insbesondere vor mit der herkömmlichen "TV-Quote" direkt vergleichbaren Zuschauerzahlen wollen sich die Streamer auf jeden Fall drücken.

Die seien nicht so relevant bei Amazon, so Price- und nur einer von vielen Faktoren, die zur Entscheidung führten, ob eine Serie weiter geht oder auch nicht. Welcher Faktor gegen mehr "Alpha House" sprach, blieb unerwähnt. Ted Sarandos von Netflix spottet sogar über das Thema. Eine von zwei Firmen, die Netflix-"Quoten" ermitteln, hätte für "Orange is the new Black" doppelt so viele Zuschauer ermittelt wie die andere. Was stimmt, sagte er nicht. Aber Netflix fände alle ermittelten Zahlen großartig.

Sogar YouTube war erstmals bei der TCA dabei. Das ist interessant- denn damit zählt die Plattform jetzt auch zum "Fernsehen". Zum Thema "Quoten" sagte Susanne Daniels, zuständig für "YouTube Originals": "Ich denke, ein genaueres System ist notwendig. Ich war nie zufrieden mit den Zahlen von Nielsen, als ich noch beim Fernsehen war. Ich glaube nicht an ein wirklich funktionierendes System für alles. Wir dagegen können exakt messen, was die Zuschauer tun. Ich glaube nicht, etwas könnte genauer sein als das, was wir für YouTube berichten."

Was gab es sonst noch Neues? Die zweite Staffel von Amazons Renner "The Man in the High Castle" wird Ende des Jahres fertig. Mit "Good Girls Revolt" kommt demnächst einer der Sieger der vorjährigen Pilot-Season. "Crisis in Six Scenes" heißt Amazons Serie made by Woody Allen ab Ende September. Roy Price hätte gern noch mehr von der nicht unumstrittenen Filmemacher-Legende. Wenn er denn will und kann. Mehr "Transparent", "Mozart" und "Red Oaks". Und mit "Goliath" eine neue Anwalts-Serie als "Amazon Original".

Netflix "könnte sich vorstellen", dass "Stranger Things" weiter geht. Dass Chelsea Handler im zweiten Jahr "noch" besser wird. Dass das Marvel-Univrsum bei Netflix flott weiter expandiert. Insbesondere sei aber "Familien-Programm" in diesem Jahr der Schwerpunkt mit fast 40 neuen Produktionen bis zum Jahresende.

YouTube setzt neben seinen "Stars" für "Red" dagegen auf Science Fiction- demnächst auch düster mit "The Thinning". Und natürlich lustig mit "Lazer Team 2".

Ich aber werde das "Alpha House" vermissen. Und vielleicht im neuen Jahr mal ins Kino gehen- aber eher weniger wegen dem neuen Kong "von den Machern von Godzilla". Sondern weil ich diesen "Fred Feuerstein" irgendwie einfach sehr mag.

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