Schrei nach Aufmerksamkeit: Vice-Chef Shane Smith spricht in Edinburgh

Screenshot: Twitter / Shane Smith

So much fun. Yeah! Shane Smith, charismatischer Vice-Boss und aussichtsreicher Bewerber um den Titel "visionäres globales Branchen-Großmaul" hat die Keynote gerockt. Oder genauer: Die "James MacTaggart Memorial Lecture" des Edinburgh International Television Festivals. Die Lektion ist renommiert und wichtig. "Gib den Menschen was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form in der sie es wollen - zu einem vernünftigen Preis." Mit dieser für die TV-Welt wohl fundamental neuen Idee hatte Kevin Spacey zu seiner "Lecture" 2013 die gesamte globale TV-Branche verblüfft.

Shane Smith reicht das nicht aus. Nicht weniger als eine "rasende Konsolidierung" prophezeite er den großen TV-Konzernen. Oder eben "Mainstream Media", wie er es sagen würde. Ein "Blutbad" durch Übernahmen und Aufkäufe werde in den nächsten zwölf Monaten über die globale TV-Welt kommen. Und er nannte dabei große Namen wie Apple, Fox, Time Warner, Netflix und Viacom. "Aus den großen fünf werden drei werden. Apple hat ein Angebot für Time Warner gemacht. Sie wollen auch Netflix kaufen. Und wenn Viacom seine Shakespeare'sche Implosion weiterführt- es ist mir eine Ehre, das zu sehen- dann wird jeder hingehen und sich einen Teil herausbrechen."

Okay, über Apple, Time Warner und Netflix gab es Gerüchte. Und wo Rauch ist, da ist auch Feuer- sagen jedenfalls die alten Indianer-Häuptlinge. Die wissen aber auch, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde.

Das Auditorium der "Lecture" wurde sicher gut unterhalten. Aber inwieweit es Shane Smith noch ernst nimmt, bleibt erst einmal unbeantwortet. Er habe gerade ein Angebot angenommen, BBC-Chef zu werden und werde jetzt das Programm mit kinderfressenden kannibalischen Warlords füllen sowie Koch-Shows aus Nordkorea mit Kim Jong-Il als Gastgeber, so witzelte er zu Beginn.

"So viel Spaß"- so kommentierte er auch selbst auf Twitter sein Referat. Aber es war wohl weniger eine Weiterbildung für die Zuhörer als ein Schrei nach Aufmerksamkeit- Aufmerksamkeit für Vice im Allgemeinen und Shane Smith im Besonderen.

Denn ja, es gärt bei den "alten" Medien und auch das nächste Jahr wird gewiss viele Veränderungen bringen. Aber es gärt auch bei "Vice". Sicher weniger, weil Vice für RTL II auf dem unbedeutenden deutschen Markt kein Erfolg war. Sondern weil die globale Eroberung der klassischen Glotze mit "Viceland" auch kein Quotenbringer zu werden scheint. "Viceland" bringt mehr junge Zuschauer vor den Fernseher, ja- aber nicht annähernd so viel, wie es ältere Zuschauer vertreibt.

Damit funktioniert aber das klassische Modell der Werbefinanzierung nicht mehr. Der erhoffte Geldsegen aus Werbe-Milliarden für die "Nachrichten-Revolution" bleibt aus. Und die Licht-Gestalt Shane Smith, die bisher unangreifbar von Erfolg zu Erfolg eilte, bekommt Misserfolgs-Kratzer.

Was dann bleibt? Die Suche nach neuer Aufmerksamkeit. Verkaufen kann er ja- wie kein Zweiter.

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