"Preacher" bei Amazon- für gute Serien muss man jetzt beten.

Foto: Amazon / © Sony Pictures Television Inc. and AMC Network Entertainment LLC

"Preacher ist eines der ambitioniertesten TV-Projekte des Jahres und genau die Art von Serie, die wir unseren Prime-Mitgliedern auf der ganzen Welt zeigen wollen", meint Bard Beale, "Vice President Worldwide Television Acquisition" bei Amazon. Seit dem 30. Mai ist die erste Staffel der AMC-Serie Folge für Folge bei Amazon Prime angekommen. "Die Serie ist eine großartige Erweiterung unseres Line-ups und wir denken, dass unsere Kunden sie lieben werden", so Beale.

Natürlich muss ich das sehen. Und ja, "Preacher" ist großartig. Unterhaltsam. Herrlich geschmacklos. Nie langweilig. Und wunderbar skurril. Aber auch ein Warnzeichen. Vor allem die Streaming-Dienste aus den USA versprechen uns ja ständig das "goldene Zeitalter" des TV dank immer mehr und immer besserer Serien. Aber mehr Abonnenten und mehr Geld im System bedeuten noch lange nicht mehr und bessere Ideen.

"Preacher" wurde von Hollywoodstar Seth Rogen mit Evan Goldberg (Das ist das Ende, Superbad, Bad Neighbors) und Sam Catalin (Breaking Bad) produziert und basiert auf der gleichnamigen Comic-Book-Reihe von Garth Ennis und Steve Dillon. Die übersinnliche, verdrehte Drama-Serie mit einem guten Schuss Humor dreht sich um den west-texanischen self-made "Prediger" Jesse Custer. Dieser ist von einem mysteriösen Wesen besessen, das in ihm ungewöhnliche Kräfte freisetzt. Zusammen mit Freundin Tulip und einem heimatlosen, meist netten Vampir namens Cassidy spielen sie sich durch eine verrückte texanische Provinz-Welt, die von verschiedensten Figuren aus Himmel, Hölle und dazwischen bevölkert ist.

Mehr kann man darüber kaum sagen, wenn es nicht zu sehr spoilern soll. Nur eben: Anschauen lohnt sich. Auch wenn (oder auch weil) es etliche Szenen gibt, die mich erstaunen lasen, dass Amazon bei der Serie die Kinder-Sicherung nicht in Betrieb lässt.

Das Drehbuch von Preacher langweilt aber vor allem auch deshalb nie, weil es zu einer bestimmten Kategorie gehört. Und die würde ich überschreiben mit "völlig verrückt". Davon gibt es immer mehr. Was dagegen auch auf dem US-Markt immer mehr fehlt, sind fesselnde Geschichten mit wenigstens einer Spur Realität. Superhelden, Geister, Zombies und eben "Preacher" fluten unsere Bildschirme. Ein neues "Breaking Bad", ein neues "Homeland" oder wenigstens Nachfolger auf Augenhöhe für die von Erschöpfung gezeichneten diversen "C.S.I." allerorten ist nirgends in Sicht.

Große Ankündigungen gibt es ständig. "Quantico", "Vinyl", "Empire"- am Ende des Tages ist es "na ja". Statt dessen feiert "Star Trek" seine Wiederauferstehung. Ich hoffe, der große Name wird nicht nur noch einmal so lieblos verwurstet wie "Akte X".

Im "Hollywoodreporter" gibt es gerade eine lesenswerte Diskussion zwischen Ted Sarandos von Netflix und einigen Verantwortlichen von TV-Sendern zum Thema. "Verdammt- was wollen die da draußen eigentlich noch sehen? Und wie soll man das finanzieren?" Das Fazit: Die steigende Nachfrage verteuert das Produzieren- aber schafft nicht automatisch mehr gute Ideen. Das Flop-Risiko steigt. Und Netflix habe zwar mehr Geld, aber auch keine Lösung für das Problem.

Tja, liebe TV- und Streaming-Bosse: Ihr bekommt alle ein Millionen-Gehalt. Dafür kann man auch Lösungen erwarten- für jedes Problem. Genau dafür wird es bezahlt. Sonst hilft nur noch ein "Preacher". Schaut es euch an- am Ende des Tages ist der auch keine Lösung. Aber man kann mit ihm beten.

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