Kritiker oder Zuschauer- wer gewinnt Amazons Pilot Season?

Foto: Amazon

"Die beiden Adam Sandler-Filme waren zur Premiere auf Platz eins in jedem einzelnen Land bei Netflix- überall auf der Welt." So beantwortete Ted Sarandos, Content-Chef bei Netflix, kürzlich in einer Diskussion beim "Hollywood-Reporter" die Kritiker-Frage zur Qualität dieser Filme. Und weiter: "'The Do-Over' ist nahezu überall immer noch in den Top 10. Das war ein sehr erfolgreiches Geschäft und er dreht mit 'Sandy Wexler' ja noch einen weiteren. Was global auf Netflix am besten funktioniert, das ist Adam Sandler".

Kritiker leben in einer Art Filterblase. Wer drin ist, findet etwas gut oder schlecht und man bestätigt sich gegenseitig darin. Wer erfolgreich sein will im Film- und Serien-Geschäft, der muss nicht nur auf Kritiker, sondern auch auf das Publikum hören. Es liebt, warum auch immer, Adam Sandler. Auch wenn sein Kino-Stern den Zenit doch mittlerweile überschritten haben dürfte. Dafür lief "Deadpool" in diesem Jahr im Kino sensationell. Das hat die Kritiker auch überrascht. Weil sie eben keine Teenager mehr sind.

Kritiker lieben dagegen fast immer Woody Allen. Oder Jill Soloway's "Transparent" bei Amazon. Das Publikum eher nicht. Adam Sandler holt Zuschauer. Die Favoriten der Kritiker holen Preise. Renommierte Auszeichnungen sind auch für Streaming-Dienste und ihr Image eine großartige Sache. Vor allem Amazon tut sehr viel dafür. Aber am Ende des Streaming-Tages zählen die Abonnenten und Zuschauer. Und deshalb ist die aktuelle Pilot-Saison bei Amazon so interessant.

Denn da gibt es eine Produktion von Jill Soloway und eine mit Jean-Claude Van Damme. Wie gesagt, Kritiker lieben Soloway. Und hassen Van Damme. Was jetzt gerade passiert, ist herrlich voraussehbar: Kritiker finden den Amazon-Piloten mit Van Damme entbehrlich. Den von Soloway nicht. Und das Publikum, so zeigen es zumindest die Sterne von Amazon, sieht das Ganze genau umgekehrt.

Wie wird sich Amazon nun entscheiden? Ich plädiere dafür, die Kritiker mal kritisieren zu lassen und auf das Publikum zu hören. Denn Van Damme ist als "Jean-Claude Van Johnson" erstmals in seiner Karriere sogar wirklich lustig. Im Gegensatz zu "Deadpool" habe ich sogar ein paar mal gelacht. Auch ich bin eben kein Teenager mehr. Und die Grundidee der Serie ist hinreißend gut.

"I Love Dick" von Jill Soloway ist dagegen die Adaption eines gleichnamigen "Kult-Romans", der als "das wichtigste Buch über Männer und Frauen des letzten Jahrhunderts" bezeichnet wurde. Wahrscheinlich von Kritikern. Und das war es dann aber auch. Okay, Kevin Bacon spielt mit. Aber von dem hat Amazon Prime auch das frühe Werk "Tremors - Im Land der Raketenwürmer". Schon da fand ich ihn besser.

Ich bin gespannt, wie das ausgeht. Bis dahin gucke ich nochmal, um die Kritiker zu ärgern, Adam Sandler und "The Ridiculous 6".

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