ARD, ZDF, RTL & Co.: Mediatheken sollen "netflixiger" werden

Screenshot: ZDF Mediathek

Siehe da: Nicht nur Netz-TV ist es aufgefallen, dass Olympia online eine tolle Sache ist. Bald geht die Flamme in Rio nun wieder aus und es gibt erste Erfolgsbilanzen. Die "Event-Livestreams" zum Beispiel, also die zusätzlichen Livestreams, die das ZDF per HbbTV oder direkt online zu einzelnen Sportarten anbietet, generieren an den ZDF-Olympiatagen durchschnittlich 655 Tausend "Sichtungen". Die bisher höchste Tagesnutzung wurde am 9. August mit einer vollen Million erreicht.

Aber auch insgesamt läuft es bei Olympia online vom ZDF. Bis einschließlich 16. August 2016 wurden durchschnittlich 2,76 Millionen Visits pro Tag registriert - im Vergleich zum Zeitraum vor den Olympischen Spielen eine Steigerung um 48 Prozent. Der bisher höchste Wert wurde am 15. August (Leichtathletik) mit 3,73 Millionen Visits generiert.

"Mit Rio ist bei vielen Zuschauern angekommen, dass sie online ihr eigener Olympia-Programmchef sind. Online ist für viele der direkte Weg zur Sportart ihres Interesses, zu Ereignissen, die sie verpasst haben, oder zum Schauplatz Rio de Janeiro. Online ist mit Rio nicht mehr nur 'nice to have', sondern ein wesentliches Medium, um Olympia den Zuschauern nahe zu bringen". kommentiert ZDF-Chefredakteur Peter Frey den Erfolg.

Und nicht nur das. Auch bei den Verantwortlichen in den TV-Sendern scheint sich langsam herumzusprechen, dass Streaming und das Internet "ein wesentliches Medium" sind, um ihre Programme auch insgesamt den Zuschauern nahe zu bringen. Na ja, nicht alle. Offiziell wird immer noch überall verkündet, die Leute sehen mehr denn je "linear" Fernsehen. Oder zumindest genau so viel wie früher.

Ich habe da so meine Zweifel. Niemand in meinem Umfeld kann über eine plötzliche Zunahme seiner persönlichen Freizeit berichten. Eher höre ich Gegenteiliges von immer mehr Überstunden. Aber erstaunlich viele berichten von tollen Serien bei Amazon oder Netflix. Aber na ja. Vielleicht stellen sie ja einen Zweitfernseher auf, um die Quotenmessung der GfK nicht zu verwirren.

Ist auch egal. Daniel Bouhs hat jedenfalls für die "Taz" herausgefunden, dass ZDF und ARD eine "Personalisierung" ihrer Mediatheken planen. Auch beim "Now TV" der RTL Group werkelt man an dem Thema. Bei ProSiebenSat.1 hat Bouhs erfahren, dass Maxdome gute Erfahrungen mit seiner Redaktion gemacht hat. So empfohlene Inhalte würden 70 Prozent mehr angeschaut.

Alle hätten es gern etwas "netflixiger". Natürlich nur unter strikter Berücksichtigung des Datenschutzes. Das wiederum klingt nach einer echt deutschen Lösung. Auf die Person zugeschnittene Vorschläge ohne auf die Person zugeschnittene Daten. Eine Art mediathekische Glaskugel sozusagen. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt.

Ich glaube, der wundersame Algorithmus von Netflix oder auch Amazon wird oft überbewertet. Entscheidend für den Nutzer sind zuerst die Inhalte. Um an neueste "Game of Thrones"-Folgen zu kommen, gehen manche Zuschauer über Streaming-Wege, die sich öffentlich-rechtliche Verantwortliche zum Glück gar nicht vorstellen können. Erst danach kommt das Finden von neuen Programmen. Da gibt es bei allen Arten von Mediatheken allerdings wirklich noch viel zu tun.

Die zusätzlichen Live-Streams bei Olympia über HbbTV waren da eine gute Idee. Aber man muss eben Inhalte haben- und auf Olympia ist nicht für immer und ewig Verlass. Und wenn es zu wenig attraktive Inhalte gibt, die meistens auch nur wie ein Komet für wenige Tage am Himmel zu sehen sind, ist dies vielleicht das größere Problem.

Also: Mehr und Besseres produzieren. Und länger, am besten dauerhaft, verfügbar machen. Dann klappts schon mit dem Zuschauer. Ja, ich weiß. Recht und Rechte und so. Aber ein Olympiasieg ist auch nicht so einfach. Man muss daran arbeiten. Auf den Zuschauer aber ist dann bestimmt Verlass. Wer wirklich finden will, überwindet auch Hindernisse...

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