Watchever geht. Geht noch was in Europa?



Nicht jeder Film und nicht jede Serie hat ein Happy End. Scheint so, als gelte das auch für Watchever. Offizielle Nachrichten gibt es zwar noch immer nicht vom deutschen VoD-Portal des französischen Medienkonzerns Vivendi- aber mehr und mehr seriöse Quellen melden: Am Jahresende ist Schluss.

Das ist schade. Denn Watchever war zumindest am Anfang durchaus auf der Höhe der Zeit. Auch wenn es lange her ist, immerhin schon drei Jahre und damit nach digitaler Zeitrechnung Epochen, dass ein Watchever-Geschäftsführer von 5000 Neukunden am Tag und über die bevorstehende Eigenproduktion von Serien fabulierte.

Exklusive und großartige europäische Serienproduktionen aus dem Hause Vivendi gab es damals bei Watchever zu bestaunen und alles, was man mit einem offenkundig großzügig bemessenen Einkaufsbudget auf dem US-Markt bekommen konnte. Mit einem ebenfalls sehr großen Werbebudget wurde der Dienst auf den deutschen Markt gedrückt. Dann kam Amazon. Dann kam Netflix. Maxdome war immer schon da. Ein Rezept gegen diese anscheinend übermächtige Konkurrenz hat Watchever nicht gefunden.

Das Einkaufsbudget wurde dann wohl knapper. Was blieb, waren Kooperationen wie mit dem ZDF oder auch nur noch der Versuch, vorhandenes Programm einfach neu zu sortieren. Zuletzt suchte man die Zukunft in Nischen. Offenkundig wurde sie dort nicht gefunden. Nun ist wohl Schluss in Deutschland und Vivendi denkt laut "DWDL" über etwas Neues nach- in Frankreich.

So wird das nichts in Europa. So werden wir auf dem Streaming-Markt als Abspiel-Kolonie der US-Giganten und der kommenden neuen Giganten aus dem Osten enden. Es wird in Zukunft sehr wahrscheinlich keine bedeutende VoD-Plattform "für Deutschland" geben. Auch keine "für Frankreich".

Die Fernsehsender machen ihr eigenes Ding und setzen mit eigenen Inhalten auf ihre Mediatheken und mehr und mehr auch ihre eigenen Streaming-Portale, die ihre eingeführten Marken ins Netz verlängern. Auf der anderen Seite stehen die Giganten aus Hollywood und demnächst wohl auch aus Asien. Dazwischen wird wohl jeder Versuch des Wettbewerbs "für Deutschland" und wohl auch "für Frankreich" zerrieben. Es gibt schlicht und einfach keine ausreichende Kundenbasis für ein wettbewerbsfähiges Geschäft.

Europa fehlt ein Medien-Konzern oder auch ein anderer finanzstarker Investor, der zumindest die großen europäischen Länder auf einer Plattform vereint. Und auf diesem Weg große europäische Serien und Filme zu den europäischen Streaming-Abonnenten bringt. Ja, Rupert Murdoch bringt uns das italienische "Gomorrah" mit Sky. Netflix bringt uns nach "Marseille". Und Amazon sogar die "Bullyparade". Aber die Entscheider über diese Produktionen und damit das Wichtigste sitzen immer mehr ganz woanders.

Ja, so ein europäische Projekt ist schwierig. Unterschiedliche Kulturen und so, das höre ich sie schon sagen. Netflix aber produziert in Kolumbien, Japan, Südkorea, Argentinien, USA, Frankreich genauso wie derzeit auch in Deutschland. Und baut mit diesen noch viel unterschiedlicheren Kulturen sein "global TV". In Europa haben sie dafür nur Ausreden. Hey, sogar die Bulgaren haben gute Serien zu bieten. Und aus Skandinavien hatten wir gerade erst ein großartiges Beispiel für genau dieses Problem. Wieso lenkt niemand die vorhandenen Milliarden an heimatlosem Risikokapital in ein solches Projekt?

Schon irgendwie prophetisch, welchen Film die Watchever-Leute da zuletzt per Trailer beworben haben:

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