Video-Streaming: In Deutschland eine Revolution in Zeitlupe ?

Grafik: Bitkom

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Bitkom Research hat im Auftrag des Digitalverbands Bitkom 1007 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt. 77 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren schauen danach Filme, TV-Sendungen oder andere Videos als Stream im Internet. Das "neue Fernsehen" hat gewonnen. Oder?

Naja. Vor zwei Jahren waren es 73 Prozent. Es gibt also ein Wachstum, aber zum Beispiel bei Pokémon Go sieht Wachstum irgendwie anders aus. Ich würde das so interpretieren: Okay, drei Viertel der Deutschen sind "drin". Aber ein Viertel leistet hinhaltenden Widerstand. Und es soll sogar noch etliche mit Röhrenfernseher und analogem Empfang geben.

"Anders als früher werden Fernsehen, Filme oder Serien heute orts- und zeitunabhängig konsumiert", so kommentiert Timm Lutter, Bitkom-Experte für Consumer Electronics & Digital Media, die Zahlen. "Video-Streaming-Dienste ermöglichen den Verbrauchern, selbst zu entscheiden, wann, wo und wie sie sich Filme, TV-Serien oder andere Videos anschauen."

Ja klar, anders als ganz früher ist es schon. Aber nicht so viel anders als vor zwei Jahren. 60 Prozent der Internetnutzer gehen auf Webseiten und Mediatheken der TV-Sender, bei denen bereits im Fernsehen gezeigte Sendungen abrufbar sind. Vor zwei Jahren waren es 46%. 39 statt 37 Prozent schauen jetzt TV-Programme live im Internet. Gut die Hälfte (56 Prozent) nutzt Video-Portale wie Youtube, Vimeo oder Vevo- die kamen vor zwei Jahren auch schon auf "gut die Hälfte", und zwar 53%.

Bemerkenswert, so Bitkom, sei der Nutzeranstieg bei speziellen Video-Portalen, die Filme und Serien auf Abruf anbieten: Ein Viertel (25 Prozent) nutzen aktuell Portale wie Amazon Video, Apple iTunes, Google Play, Maxdome, Netflix, Sky Go oder Watchever, die ja in der Regel kostenpflichtig sind. Zum Vergleich: 2015 waren es 22 Prozent, 2014 erst 19 Prozent. 70 Prozent davon kaufen oder leihen im kostenpflichtigen Einzelabruf, 41 Prozent haben ein Abonnement.

"Einige Portale sind nicht länger nur Anbieter, sondern produzieren eigene Filme, Serien oder Dokumentationen. Das kommt bei den Nutzern an", so Timm Lutter. Ja. Bei mir auf jeden Fall. Nur sind die 41 Prozent Abonnenten ja 41 Prozent von den 25 Prozent. Und auch die sind, wenn ich das richtig verstehe, von den 77%. Und zwar der Internetnutzer, nicht aller Deutschen.

Mit Studien ist es ja so eine Sache. Aber da sind noch Reserven. Da geht noch was. Vielleicht sollte Netflix virtuelle Pokémon im Account verstecken...

Kommentare

Aktuell meist gelesen: