Cheers! Endlich "social" essen und betteln mit Twitch.

Screenshot: twitch.tv/sampai

Wissen Sie, was "Social Eating" ist? Nein? Jedenfalls ist es normalerweise keine Suppenküche, die Hungernde speist. Nach dem "Gangnam Style" ist "Social Eating" ein weiterer Trend, der aus dem Zukunftswunderland Korea kommt.

Ab sofort muss der Nerd von heute nicht mehr allein seine Pizza aus dem Karton essen und entweder auf sein Umfeld aus, naja, entsprechend den Vorurteilen schmuddeliger Küche, Game-Konsole und der Aufladestation für die Iphones eins bis sieben starren oder die teure Tastatur mit "Analog"-Käse einschmieren. Man lädt ganz einfach per Live-Stream seine individuellen "Freunde" dazu und schon schmeckt es doch viel besser als ganz allein. Moderne Zeiten eben. Und bei twitch.tv, dem ultimativen Gamer-Portal von Amazon, gibt es dafür jetzt sogar einen Kanal. Verzeihung, einen "Channel".

Da ist jetzt noch nicht so viel los- aber die "Großen" der Gamer-Branche wie "Sampai" bauen jetzt schon mal eine Mahlzeit in ihre in der Regel ja stundenlangen Baller-Sitzungen mit Livestream ein. In Korea sollen sich bereits Millionen zum virtuellen Gemeinschaftsessen treffen. Und Kochen ist ja ohnehin bereits ein so nicht von vornherein zu erwartendes Thema für die Twitch-Community.

Dabei ist selbst das Thema Suppenküche doch oft viel näher als man denkt. Denn wir alle kennen das Problem: Zwischen der Auflade-Station für die Iphones und der Game-Konsole gibt es oft so viel zu tun, dass die von Mutti immer wieder angemahnte Laufbahn-Karriere im öffentlichen Dienst irgendwie nicht so recht vorankommt. Denn dafür müsste man die Zeit finden, um zumindest gelegentlich aus dem Haus gehen. Und bisher konnte man alternativ höchstens YouTuber werden oder vielleicht, so ein Gerücht, einige Auserwählte seien noch als bezahlter Internet-Troll bei Putin untergekommen.

Auch dafür entwickelt Twitch jetzt zunehmend Lösungen. Eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen oder auch Kanäle mit Abonnement bietet Amazons Gamer-Plattform für manche ja schon an. Und für alle, denen auf Grund mangelnder Abonnenten oder Werbeeinnahmen der Gang zur Suppenküche droht, gibt es nun noch eine weitere Chance- Twitch bringt zu ihnen die "Cheers".

Mit "Cheers" können demnächst die Twitch-Gucker im Twitch-Chat eine "Cheer-Message" verfassen und so direkt auf den Stream reagieren, um damit ihren "Support" für den Anbieter zu bekräftigen. Dafür müssen sie zuerst bei Twitch "Bits" kaufen. Und je mehr "Bits" sie dann in eine "Cheer-Message" investieren, um so schöner wird das "Emoji", welches den "Support" dann im Chat-Ticker neben dem Video dokumentiert. Naja, wenigstens für einen Moment.

Das ist doch toll- oder? Im Prinzip funktioniert es genauso überzeugend wie der Hut von dem arbeitslosen ukrainischen Geiger auf dem Markt. Da zeigen die Leute doch dann auch direkt ihren "Support", indem sie Münzen oder gar Scheine hineinwerfen. Völlig egal, ob ihr Support bedeutet, das es gefallen hat oder ob sie nur wollen, dass der Lärm aufhört- Geld ist Geld und dann kann man essen. Nur dass Twitch natürlich, wie bei diesen Internet-Plattformen halt üblich, nicht alles an den Geiger, oder in diesem Fall Gamer, ausbezahlt  Sondern halt seine Plattform-Prozente gleich einbehält.

Aus der Sicht von Amazon oder Twitch ist das natürlich genial. Um sich selbst und den "Partner" an Werbeeinnahmen beteiligen zu können, muss man erst einmal Werbung beschaffen. Dazu braucht man neben der Reichweite auch noch einen teuren Apparat von Profis, der die Werber von der Idee überzeugt und den Kram auf einem mit ganzen Heerscharen von Konkurrenten vollgestopften Markt verkauft. Für "Cheers" dagegen braucht man nur einen Spender.

Großartig, oder? Der Gamer, der mit uns gemeinsam eine "social" Pizza isst und dabei um "Cheers" bettelt, weil es morgen sonst keine Pizza gibt, der ist gar nicht mehr so weit entfernt. Damit wir uns nicht alle gemeinsam in der Suppenküche treffen müssen, bin ich dann auch mal weg. Beim "kostenlos" online spielen muss ich gerade für meine grob gepixelte-Figur neue Schwerter kaufen. YouTube, bitte übernehmen sie.

Kommentare