Amazon hatte "Prime Day". Hört ihr das "Echo" ?

Foto: Amazon US

Die Franzosen, ja- die sind auf der Höhe der Zeit. Amazon feierte in dieser Woche seinen "Prime Day" mit exklusiven Sonderangeboten für die "Prime"-Kunden in aller Welt. Natürlich "the biggest ever" und der meist verkaufte Artikel in Frankreich war "Game of Thrones". Naja, die Staffeln eins bis vier- auf DVD. Vielleicht ist Streaming ja doch überbewertet.

Die Deutschen dagegen leben eindeutig hinter dem Mond. Meist verkaufter "Prime"-Artikel hierzulande war die Bratpfanne eines, dieser Blog ist ohne Schleichwerbung, also eines bekannten britischen TV-Kochs. Spätestens jetzt werden mir die ersten die Geschichte mit dem Sack Reis aus China erzählen. In den USA wurden übrigens zum Prime Day 215.000 (!) Exemplare eines Schnellkochtopfs zum gut dreistelligen Dollar-Preis verkauft. Wahrscheinlich "Made in China". Und mehr als 14.000 Lenovo-Laptops. Noch wahrscheinlicher "Made in China".

Natürlich war ich auch zum "Prime Day" bei Amazon unterwegs. Ich brauche einen neuen Laptop. So recht fündig wurde ich nicht. Es gab sehr günstige Angebote, ja. Aber die schienen mir technisch nicht auf der Höhe der Zeit. Also ging ich wieder hinaus aus dem größten Internet-Laden der Welt. Danach war praktisch das gesamte World Wide Web in Amazon-Hand. Ich hatte nur noch die Wahl zwischen Adblocker und dem Betrachten von Laptops- egal wo. Auch Amazons Werbe-Budget für den "Prime Day" war wohl "the biggest ever".

Spätestens hier wird es auch für "Netz TV" interessant. Denn geradezu tektonische Veränderungen der Branche kündigen sich an. Nicht, weil Amazon weltweit auch 90.000 Fernseher allein zum "Prime Day" vertickt hat. Das ist nur ein weiteres beispiel für die Dimension der Veranstaltung. Auch nicht, weil "zweieinhalb mal so viel FireTV-Geräte" wie zum letztjährigen Prime Day verkauft wurden und auch nicht, weil der FireTV-Stick mal wieder das meist verkaufte "Amazon Gerät" war. Die wirklichen Veränderungen kommen aus der Amazon Cloud.

Manchmal erscheint mir diese "künstliche Intelligenz" ja noch total überbewertet. Auf meinem "SmartTV" zum Beispiel kann ich Amazon zerstören, indem ich auf meinem alten Laptop einen Film ausleihe und ihn dann auf dem Fernseher anschauen will. Wahrscheinlich ein Bug im Zusammenwirken der Cloud mit der nicht ganz frischen SmartTV-Plattform. Erst wenn der auf dem Laptop geliehen Film aus der Bibliothek raus ist, egal wie, funktioniert Amazon Video wieder. Ob das noch repariert wird, ist zweifelhaft. Aber ich kann mir ja einen neuen Fernseher oder eben was von "FireTV" kaufen.

"The biggest day ever" war der Prime Day übrigens auch für "Amazon Echo". Natürlich nur in den USA- ob und wann das neue Amazon-Wunder nach Deutschland kommt, dazu gibt es bisher nur Gerüchte. Noch rettet uns der "Datenschutz" vor "Alexa". Sie wissen schon, die Geschichte mit den Windeln. In jeder einzelnen Sekunde des "Prime Day", so meldet Amazon, orderten Kunden durchschnittlich ein "Alexa-exklusives Angebot" per Sprachbefehl, statt per Tastatur.

In diese wunderbare Prime-Welt muss man dann auch diese Nachricht einordnen: Amazon teste "personalisierte Werbespots", so hört man aus Großbritannien. Damit ist nicht nur die schon absehbare Entwicklung gemeint, dass dieser furchtbare "Check24"-Mann einen überall umtanzt, sobald man sich irgendwo für Reisen interessiert hat. Nein, mir wird womöglich genau der von mir vor kurzem betrachtete Laptop in bewegten Bildern vorgeführt werden und Alexas sanfte Stimme wird mir aus der Cloud vorsäuseln, dass er exklusiv für mich und nur jetzt volle fünf Euro billiger ist.

"Das ist etwas, womit wir nur in einem sehr kleinen Umfang experimentieren", so Graeme Smith, Geschäftsführer von Amazons Software-Entwicklungszentrum in Edinburgh, gegenüber der BBC. Ja. So fängt es immer an. Einst wohl auch mit dem "Prime" und dem "Day". "Wir haben sie (die Spots) da draußen und ich kann ihnen nicht mehr Einzelheiten darüber mitteilen, aber potentiell kann dort, wo sie ein Video sehen, möglicherweise auch eine personalisierte Video-Anzeige laufen- überall im Internet. Diese Technologie steht erst am Anfang, doch es ist etwas, was uns wirklich begeistert- mit einer Vielzahl möglicher Anwendungen."

Oh, ja. Amazon hat nicht nur Echo, sondern seit gestern auch wieder mehr von "Mr. Robot". Egal ob Handel, Fernsehsender oder sonstige Medien: Hört gut zu. "Kontrolle ist eine Illusion. Eine Revolution braucht einen Führer."

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