Am Ende des Booms? Netflix erfüllt nicht alle Erwartungen.

Das "House of Cards" in Staffel vier. Foto: Netflix / David Giesbrecht

Eigentlich habe ich es fünf Stunden früher gewusst. Vielleicht hätte man mit Wetten auf den Kursverfall der Aktie viel Geld an der Börse verdienen können. Denn fünf Stunden vor den aktuellen Netflix-Zahlen gab es ein schönes Kaninchen- direkt aus dem Weltraum. Es hat nicht geholfen. Um volle 15 Prozent stürzte die Netflix-Aktie als Reaktion auf die aktuellen Quartalszahlen erst einmal ab.

Im zweiten Quartal 2016 stieg die Zahl der Netflix-Abonnenten deutlich langsamer als erwartet. Dass es in den USA in diesem Quartal schwierig werden würde, war keine so große Überraschung. Dort wird Netflix gerade für viele Alt-Abonnenten teurer, da ihre Tarife auf das aktuelle Netflix-Preismodell angehoben werden. Dass aber kurz nach der globalen Expansion auch das Auslandsgeschäft von Netflix nicht so boomt wie erhofft, war für einige wohl eine böse Überraschung.

Dabei gibt es noch keinen wirklichen Grund zur Besorgnis. Netflix wächst langsamer als geplant, ja- aber es wächst. Stolze 83 Millionen Abonnenten hat Netflix nun. Das sind 1,7 Millionen mehr als drei Monate zuvor. Geplant war aber ein Wachstum um 2,5 Millionen. Und im Vergleichszeitraum des Vorjahres fand man noch ohne wirklich globale Expansion stolze 3,3 Millionen frische Netflixe.

In der eigenwilligen Welt der StartUp-Ökonomie ist langsameres Wachstum ein großes Problem. Reed Hastings und seine Mitstreiter verbreiten dennoch nicht grundlos weiter großen Optimismus für die Zukunft von Netflix. Aber für die, die genau hinhören, wird die größere Vorsicht bei den Statements auch ebenso deutlich. Und manchmal ist es auch schon etwas verkrampft. Die Helden wirken müde und irgendwie urlaubsreif. Hastings, der noch vor einem Jahr fröhlich allen Fernsehsendern prophezeite, sie würden genauso verschwinden wie die Festnetz-Telefone, schreibt jetzt in seinem "Brief an die Aktionäre": Netflix "plane nicht die Ablösung der lokalen Fernsehsender mit einheimischen Inhalten in jedem einzelnen Land der Welt".

Auch im Bereich des "Contents" kann man in die Aussagen der Verantwortlichen manches hinein interpretieren. Nicht nur, dass globale Expansion schwieriger ist als gedacht. Man kann auch darauf achten, was erwähnt wird und was nicht. Dass "OINTB" und Adam Sandler bei Netflix gut laufen, ist allgemein bekannt. Um manch anderes einst großen Projekt ist es aber bedenklich still. So sind die Zweifel am Erfolg einer "Talkshow für die Welt" mit Chelsea Handler wohl möglicherweise berechtigt.

Demnächst geht Netflix ja auch in Richtungen wie Game-Show beziehungsweise Scripted Reality mit dem "Ultimate Beastmaster". Danach wird man vielleicht mehr darüber wissen, ob die Welt einen globalen Fernsehsender überhaupt will- oder vielleicht doch eher nur die Filme und Serien.

Die Marketing-Kooperationen mit Fernsehsendern, wie zum Beispiel in Frankreich mit "Marseille"- sie wurden im "Brief an die Aktionäre" erwähnt. Aber nicht ohne den Hinweis, dass dies nicht ganz ungefährlich sei. Denn auf diesem Weg käme ja auch Netflix-Originalware auf die Antennen der Konkurrenz.

Was bleibt? Es bleibt spannend. Ach ja- und das Kaninchen. "‘Star Trek’ zählt zu den größten Serien der Fernsehgeschichte und wir freuen uns sehr darüber, mit CBS zusammen zu arbeiten. So bringen wir diese großartige Serie zurück zu den Trekkies dieser Welt", sagt Sean Carey, Vizepräsident von Netflix Global Television. "Das neueste Kapitel der Geschichte verspricht die bisherigen Abenteuer fortzusetzen und wird die Fans mit Sicherheit begeistern - überall dort, wo Netflix zugänglich ist."

Na ja. Er sagt das in einer Netflix-Pressemitteilung einige Stunden vor der Veröffentlichung der börsenrelevanten Quartalsergebnisse. Und Netflix bekommt den "StarTrek" auch nur außerhalb der USA und Kanada. Denn dort benutzt CBS die ab Anfang 2017 laufende Fortsetzung der legendären Serie zur Stärkung des eigenen Streaming-Angebotes gegen die Konkurrenz. Also vor allem Netflix. Für den "Rest" der Welt wird sie aber exklusiv Netflix bekommen. Und auch alle alten Folgen online stellen.

"Der Start der neuen ‘Star Trek’-Reihe wird ein großartiges globales TV-Event werden", so Armando Nuñez, Präsident und CEO von CBS Studios International. "‘Star Trek’ ist seit langem ein weltweites Phänomen. Diese internationale Partnerschaft wird es Fans auf der ganzen Welt, die bereits seit über einem Jahrzehnt auf eine Fortsetzung hoffen, ermöglichen, jede Folge gleichzeitig mit den US-amerikanischen Zuschauern zu sehen. Dank unserer erstklassigen Partner bei Netflix wird die neue Star Trek-Reihe sicherlich weltweit auf große Begeisterung stoßen."

Bei manch einem wiederum vielleicht nicht. Aber die haben auch ein wirklich großes Ding kurz vor dem Start. Demnächst dazu mehr. Und noch etwas Video on Demand (oder Fernsehen?) für alle Netflix Aktionäre:

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