Nur für "Millennials": YouTube geht live in der App und will mehr Eigenes

Screenshot: YouTube

"Das letzte Jahr war das beste Jahr aller Zeiten. Während die Fernsehsender Zuschauer verlieren, wachsen wir in allen Regionen- und auf jeder Art von Bildschirm." Im Anaheim Convention Center war gerade wieder "VidCon" rund um das Thema Video im Netz, natürlich auch "the biggest then ever", und die YouTube-Chefin Susan Wojcicki präsentierte sich und ihre Google-Megaplattform dort gewohnt selbstbewusst.

Als ewig nörgelndem Blogger fällt mir dazu natürlich als Erstes ein, dass das Convention Center praktisch direkt neben Minnie's Küche und ihrem ewig wieder aufblasbaren Kuchen liegt. Und dass das natürlich wiederum kein Zufall ist, denn hinter der "VidCon" stehen Disney und dessen Multichannel-Netzwerk "Maker Studios" und damit einer der wirklich großen und globalen YouTube-Player. Einer der "Mediakrafts" dieser Welt also, die YouTube und seine "Partner" erst groß machten und die einst "soziale" Plattform dann in das ultimative globale Rennen auf Klicks im Schminktipp-Werbeumfeld verwandelten.

Wahrscheinlich bin ich eben doch zu alt, um die konfuse Jagd der milliardenschweren "Marketer" nach den "Millennials" irgendwie als "das neue Fernsehen" zu begreifen. YouTube hat seine Vision für die Zukunft verloren, so hieß es hier erst vor kurzem, und die "VidCon" hat bei mir diese Meinung nur noch verstärkt. Und noch ein ultrageheimer Geheimtipp an die konfusen Werber: Vielleicht sind die "Millennials" gar nicht so anders als wir. Vielleicht sind sie einfach nur jünger.

Ja, YouTube ist als Plattform bereits riesig und wächst munter weiter. Nur: Wenn ich meinen Sperrmüll illegal am Waldrand entsorge, kommen auch sehr wahrscheinlich bald Leute und stellen noch was dazu. Der Haufen wird wachsen, bis eine höhere Gewalt, in diesem Fall vermutlich das Ordnungsamt, eingreift. So ähnlich erscheint mir derzeit YouTube. Auch im Sperrmüll-Haufen findet der eine oder andere dann vielleicht noch ein aus seiner Sicht wertvolles Stück. So wie bei YouTube. Aber der Müllberg, durch den man sich durchwühlen muss, der wird immer größer. Eigentlich ist es nur noch die unerreichte Google-Suchtechnologie, die die Plattform benutzbar hält.

Gab es zur VidCon etwas Neues von YouTube? Ja, natürlich. YouTube live kommt, erst einmal nur für die "Partner", nun auch in die App. Das, was Facebooks Live-Video kann, geht dann auch mit YouTube direkt vom Smartphone. Dumm nur, dass Google sein "Google+" immer mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit betreibt und den Live-Inhalten damit der Anschluss an eine Social-Media-Plattform über YouTube hinaus fehlt. Aber für eine zweite, kleinere Welle des "Bewegtbild-Tsunami" könnte es vielleicht reichen.

Das "Lazer Team" bekommt immer mehr Gesellschaft, die Inhalte-Produktion für "YouTube Red" wird deutlich weiter angekurbelt. Denn draußen, im "Social Web", reden auch die "Millennials" immer mehr über Netflix oder "Game of Thrones", statt über YouTuber- und da ist ein Handlungs-Bedarf. Immerhin acht neue "Originale" wurden zur VidCon angekündigt. YouTubes Eigenproduktionen stehen für mich aber zu sehr unter dem Motto "wir machen irgendwas mit berühmten YouTubern und Social Stars, nur aufwändiger und schöner, und wollen dann dafür per YouTube Red auch Geld".

Kann sein, dass die Liebe zu PewDiePie & Co. bei den Fans groß genug ist, dass das hier und da funktioniert. Kann auch sein, dass es besser wäre auf ein Jodel-Diplom zu setzen, um wirklich etwas Eigenes zu haben. Ich (na klar, zu alt) kann sicher auf das YouTube Red-Abo verzichten, wenn das Angebot jetzt irgendwann auch nach Deutschland kommt. Wer weiß, vielleicht gibt es ja bald auch ein "Game of Thrones" mit YouTubern. Bis dahin: Schaut selbst, ihr "Millennials":

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