"Dazn" wechselt "BILDplus" bei der Fußball-Bundesliga aus

Screenshot: dazn.com
Manchmal bräuchte man auch als Blogger so eine Art Recherche-Team. Aus der Fußball-Bundesliga bei BILD oder BILDplus war ja nicht so recht was geworden. Jedenfalls nicht die Internet-Zeitungsabo-Verkaufsmaschine für "BILDplus", die sich der Axel Springer Verlag einst vom Kauf der teuren Rechte für bewegte Bundesliga-Bilder im Internet wohl erhofft hatte.

Nun hat die Bundesliga ihre Rechte gerade wieder neu vergeben. Eigentlich bleibt fast alles wie immer. Nur teurer, natürlich. Also Sky hat die Bundesliga live und Samstag Abend ist Sportschau bei der ARD. Amazon wird demnächst seine Prime-Kunden mit Bundesliga-Radioübertragungen erfreuen. Das könnte noch interessant werden. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das gute alte Radio stirbt - auch wenn manche es immer noch nicht glauben wollen. Die Internetvideo-Rechte für die Bundesliga wurden ebenfalls wieder teurer, natürlich.

Ein höheres Gebot als bisher wollte der Springer-Verlag aber nicht abgeben. Das wäre "wirtschaftlich unvernünftig". Wirtschaftlich unvernünftig genug, es trotzdem zu tun, war eine "Perform Group" aus London. Und spätestens hier wäre ein Recherche-Team nicht schlecht. Denn: Wer zur Hölle ist das und was haben die vor?

Die mittlerweile wirklich bedenkliche Krise des deutschen Journalismus zeigt sich nicht nur darin, dass auch Bundesliga-Bilder als Zugabe den Verkauf von Internet-Abos für meist durchgehend qualitativ minderwertige Produkte nicht mehr wirklich voranbringen. Es gibt anscheinend auch niemanden mehr, der so interessante Fragen nachrecherchiert.

Dabei gibt es doch auch im Zeitalter der Kostensenker zumindest noch Wikipedia und das Internet. Wikipedia vermerkt, dass die "Perform Group" seit zwei Jahren nicht mehr an der Londoner Börse gelistet ist, weil "Access Industries" die Mehrheit übernahm. "Access Industries" wiederum sei die Beteiligungsgesellschaft des schillernden exilrussischen Multimilliardärs Leonard Blavatnik. Der wiederum ist ganz groß im Geschäft mit russischem Öl, Aluminium, extremst überteuerten Edel-Immobilien in London oder New York- und manchmal ist er sogar auch Arthouse-Filmproduzent. Er gilt als einer der reichsten Männer der Welt und kann sich also vermutlich auch "wirtschaftlich unvernünftige" Dinge leisten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Blavatnik nur beabsichtigt, der Fußball-Bundesliga mehr Geld für finanzielle Chancengleichheit mit den Vereinen der englischen Premier-League zukommen zu lassen. Deutsche Medien interessierten sich nach dem Zuschlag für die Bundesliga-Rechte jedenfalls nur noch für die Frage, wie denn die Perform Group die dafür aufgewendeten ungeheuerlichen Summen wohl auf dem ewig klammen deutschen Medienmarkt zu refinanzieren gedenke.

Nun ja- die Antwort ist jetzt da. Obwohl ich mir bei Mr. Blavatnik auch vorstellen könnte, dass er ganz einfach eine Idee zur Zukunft des Fernsehens hat und sich einen Platz an der Sonne auf diesem Zukunftsmarkt erkaufen will. Dass er einfach mal investiert, weil er erstens das Geld hat und zweitens an diese Idee glaubt. Völlig verrückt, oder? Ja- aber manche Milliardäre machen so etwas.

Jedenfalls heißt die Antwort "Dazn". Was ist dazn? Das kann ich mir da natürlich nicht verkneifen. "Dazn revolutioniert Sportübertragungen über das Internet. Verbraucher werden endlich in der Lage sein, ihren Lieblingssport live und on demand zu genießen - geräteübergreifend, ohne überteuerte Pakete und ohne lange Vertragslaufzeiten", so Simon Denyer, CEO der Perform Group. Und ohne Marketing-Sprech: Dazn ist wohl einfach die OTT-Plattform für Smart-TV, Smartphone, Tablet und Computer, die Springer nach dem Rechte-Erwerb für die Refinanzierung hätte bauen sollen- wenn sie sich denn von der fixen Zeitungsleute-Idee hätten lösen können, attraktive Video-Inhalte im Internet seien nur eine "Ergänzung" für irgendwelches Geschreibsel.

Mit "Dazn" versucht es die "Perform Group" nun richtig und hat zu den Bundesliga-Bildern noch einiges dazu. Neben europäischem Top-Fußball gibt es die US-Sportligen wie NBA und NFL sowie Tennis, Handball, Eishockey, Darts und mehr. Hauptattraktion sind sicher die Live-Spiele der Premier League, La Liga, Serie A und Ligue 1, die Mitglieder bereits ab diesem Sommer dort anschauen können, Der Zugriff auf die Highlights aller Spiele der Bundesliga und der 2. Bundesliga ab 2017 ist dann eine prima Ergänzung.

Über die Preise ist noch nichts bekannt. Ausgewählte Inhalte soll es sogar in 4K Ultra HD geben, schon in diesem Sommer soll es auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz losgehen. Willkommen im deutschen "NewTV"-Fernsehmarkt, Mr. Blavatnik. Da gibt es, fußballerisch ausgedrückt, sehr viel freie Räume für Leute, die etwas tun. Und: Tschüss, Springer.

Ach so: Den Film da hat Leonard Blavatnik wohl mitfinanziert. Obwohl da bestimmt niemand eine Idee für die Refinanzierung haben wird. Vielleicht einfach nur so, zum Spaß. Verrückt, oder?

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