Claus Klebers "Schöne neue Welt": Die ZDF-Oberfläche des Silicon Valley

Foto: © ZDF / Martin Ehleben

Als deutscher Journalist hat man es geschafft, wenn man Claus Kleber heißt. Als "Erster Moderator" des "heute-journals", so das ZDF, trägt Kleber "bei der inhaltlichen und kon­zep­tionellen Weiterentwicklung besondere Ver­antwortung". Dann darf man auch "große Dokumentationen" machen- zu Themen, die einen auch selbst interessieren. Themen, die Claus Kleber selbst Spaß machen und die er für wichtig und bedeutend hält.

Dunja Hayali zum Beispiel, die das ZDF-Morgenmagazin moderiert, darf deshalb in Nepal mit bunt-exotischen Menschen bunt-exotische Feste feiern. Und Claus Kleber kann auf Dienstreise in die "Schöne neue Welt" und nachschauen, "wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt". Da kann man schon einmal ein wenig neidisch sein. Egal ob Facebook, Netflix oder Google- sie alle kommen ja aus dieser etwas merkwürdigen Gegend und so ist das Silicon Valley auch immer irgendwie ein NetzTV-Thema. Meist natürlich als "dunkle Bedrohung", die unsere schöne und heile deutsche TV-Welt der Fernsehgärten und bodenständigen Landpolizisten irgendwie gefährdet.

Na klar, das muss ich sehen. Auch wenn eine "große Dokumentation" eines "ersten Moderators mit besonderer Verantwortung" im ZDF auch nur den Sendeplatz für Schlafgestörte und Nachteulen um 23.30 Uhr bekommt. Und ja, es war irgendwie auch interessant. Auch wenn die "journalistische Leistung" der Doku-Macher Claus Kleber und Angela Andersen im wesentlichen aus dem immerwährendem Staunen über das "unglaubliche Tempo" einer ominösen "Entwicklung" sowie der stets über allem schwebenden Frage "darf man das?" bestand.

Denn das ZDF ist im Silicon Valley zumindest bei den Presse-Verantwortlichen durchaus als großer und bedeutender deutscher Fernsehsender bekannt, und das öffnet Türen. Zum Beispiel zu Interviews mit hochkarätigen Leuten wie dem Chef des "Google X-Labors" Astro Teller, die dann auch für Silicon Valley-Verhältnisse ungewöhnliche Sätze von sich geben. Also Sätze ohne die beiden wichtigsten Valley-Worte "amazing" und "exciting", ja sogar mit einem richtigen Inhalt. Wenn man bei Google direkt für Sergej Brin und Larry Page deren "Moonshot"-Projekte entwickelt, dann hat man sicher gut zu tun und kann sich vielleicht höchstens um eine von tausend Journalisten-Anfragen im Monat selbst kümmern.

Also eigentlich beste Voraussetzungen für eine wirklich "große Dokumentation". Geliefert wird statt dessen ein nettes Urlaubs-Video mit schönen Bildern aus dem kalifornischen High-Tech-Vergnügungspark und die feste innere öffentlich-rechtliche Überzeugung, dass wir in Europa es besser machen. Weil "wir erst nachdenken" und dann tun. Und dazu dann eben das einzig Interessante, die Aussagen der handelnden Amerikaner (oder ausgewanderten Deutschen) vor Ort.

Okay, wir wissen jetzt, dass es irgendwie Kacke ist, Uber-Fahrer zu sein. Und alles sich "so schnell" verändert. Und dass das alles für uns irgendwie "bedeutend" ist. Was es bedeutet, wissen wir nicht. "Oberflächig", so hätten einst meine gestrengen Lehrer geurteilt. Und: "Drei Minus, setzen".

Das kann man so machen, wenn man "erster Moderator" und öffentlich-rechtlich ist. Das (verdammt gute) Gehalt kommt pünktlich- dem Rundfunkbeitrag sei Dank. Man kann als privilegierter Zuschauer die Entwicklung bestaunen und stolz darauf sein, dass "wir erst nachdenken", bevor wir tun.

Claus Kleber muss nicht darüber nachdenken, was anschließend passiert, wenn die deutschen Autofabriken das Rennen um das Auto der Zukunft verlieren. Auch nicht darüber, was es für hiesige Produzenten bedeutet, wenn deutsche Abonnement-Gebühren für das neue Fernsehen on demand fast ausschließlich direkt über den Atlantik gehen. Der Rundfunkbeitrag ist sicher. Niemand muss grübeln, was hier vielleicht anders werden muss. Wer es nicht ins "System" und bis zum "ersten Moderator" schafft, kann ja Uber-Fahrer werden oder billiger als Chinesen oder Roboter tolle Smartphones zusammenschrauben.

Das kann man so machen. Und es ist vielleicht gar nicht verkehrt, denn viele Zuschauer wollen es vielleicht gar nicht so genau wissen und freuen sich über ein nettes Urlaubs-Video mit schönen Bildern aus dem kalifornischen High-Tech-Vergnügungspark.

Aber nicht mehr lange. Denn es ist gar nichts mehr sicher. Nicht einmal der Rundfunkbeitrag. Trotzdem sollte man sich das einmal anschauen. Noch ist es in der ZDF-Mediathek, aber bald kann es wohl weg.

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