Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im Juli.

Foto: Phil Bray/Netflix
Gerade läuft die Fußball-EM. Die Stadt wird immer leerer- es ist Urlaubszeit. Und bald ist Olympiade in Rio. Wenn gerade kein Sport stattfindet oder der merkwürdige britische Humor für sommerliche Unterhaltung sorgt, dann geht man derzeit wohl besser zum Grillen in den Garten. Denn im Fernsehen laufen auf allen Programmen die Konserven. Und damit Serien, Dokumentationen und Filme, die meistens eines gemeinsam haben: Das haben wir schon öfters gesehen. Und in der Regel dabei keinerlei Gründe entdeckt, sich das vielleicht noch einmal anschauen zu müssen.

Ob es nun Zufall ist oder ein Plan: Die Streaming-Anbieter geben sich im Juli redlich Mühe, ihre Chance zu nutzen und der durchweg schwachen TV-Konkurrenz weitere Zuschauer abzujagen. Denn hier gibt es noch Neues zu sehen und gar nicht so wenig.

Netflix eröffnet den Juli mit der Staffel 2 von "Marco Polo". Das äußerst aufwendige Martial Arts und Asia-Spektakel mit den exotischen Bildern und Landschaften (natürlich auch in UHD/HDR) wurde nach den wenig begeisterten Kritiken an Staffel 1 noch einmal gründlich überarbeitet und aufgepeppt. Die nicht durchweg überzeugende Besetzung bekam mit Michelle Yeoh ganz großes Kino als Verstärkung dazu. Das wird spannend. So wie vielleicht auch "Marcella", die bei uns ebenfalls als "Netflix Original" zu sehen sein wird und in London Serienmörder jagt.

"Between" startet mit seiner Staffel 2 und der von mir ewig unverstandene "Bojack Horseman" geht nun schon in die dritte Runde. "Good Morning Call" ist Netflix-Romantik aus Japan. Und Mitte Juli gibt es sogar noch ein weiteres, mit Spannung erwartetes "Original": "Stranger Things" ist Mystery für die junge Zielgruppe und unter anderem mit Johnny Depps schillernder Ex-Freundin Winona Ryder hochkarätig besetzt.

Gleich drei neue Spielfime gibt es als "Netflix Original". "Brahman Naman" ist so etwas wie lustiges Bollywood, "Tallulah" ein auch lustiges US-Independent-Drama und in "Rebirth" geht es um einen Selbsthilfekurs, der, so "Variety", furchtbar danebengeht.  Und es gibt jetzt auch die "Netflix Original Animes"- mit "Kuromokuro" und "Magi: Die Abenteuer von Sindbad" gehen gleich zwei davon mit einer ersten Staffel an den Start.

Dazu wurden auch frische Spielfilme eingekauft. So gibt es etwas Horror mit "The Invitation" oder "Holidays", genauso wie frische Science Fiction mit "The Signal" oder simple Action mit "Gridlocked". Oder mit "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nicht zu fragen wagten" den jungen Woody Allen, der danach mehr als vierzig Jahre weiterdrehte und trotz großer Bemühungen nie wieder so lustig wurde. Und noch jede Menge weitere gut abgelagerte Klassiker wie "Oceans" elf und zwölf oder "Donnie Brasco". Oder dicker Brachialhumor mit Melissa McCarthy in "Tammy".

Die "Gilmore Girls" kommen zurück- ja, wirklich. Als Mini-Serie demnächst auf Netflix. Deshalb gibt es die alten Staffeln eins bis sieben schon einmal zum Aufwärmen. "Bates Motel" öffnet für Staffel drei seine Zimmer und mit der "Lazy Companie" kommt meine Lieblingsserie von RTL Nitro zu Netflix. US-Soldaten, die durch Dummheit den Sieg im zweiten Weltkrieg gefährden, in einer französischen Comedy- was für eine Plot-Idee. Mit "The Code" erreicht sogar aus Australien eine gute Serie das bunte Programm.

Hehe- das ist kein Sommerloch- das ist eine Sommer-Programmoffensive. Kann Amazons Prime-Abo da mithalten? Im Prinzip ja. Nur eben im Stil von Amazon- also sehr anders. Und auch das Programmvorschau-Konzept wird schwieriger, denn die Deals werden immer kurzfristiger. Bereits seit 27. Juni sind alle 13 Episoden von "The Girlfriend Experience" bei Amazon online, also seit dem Tag, als der Rechte-Deal mit Starz bekannt wurde. Elvis Presleys Enkelin Riley Keough spielt darin die Praktikantin einer renommierten Anwaltskanzlei, welche sich von der provokativen Welt der Luxus-Callgirls angezogen fühlt. Der Serie eilt große Begeisterung der Kritiker voraus und kein geringerer als Steven Soderbergh ist der "Executive Producer".

Der nächste interessante Deal folgt gleich hinterher: Von Fox kommt "Lucifer" höchstpersönlich als "Amazon Exclusives"-Serie zu uns. Tom Ellis spielt die Hauptrolle in "Lucifer" als der Teufel selbst, der, gelangweilt und unzufrieden als Fürst der Finsternis, seinen Thron aufgibt und nach Los Angeles zieht. Dort nutzt er seine Kräfte, um dem LAPD zu helfen und Kriminelle zu bestrafen.

"Heroes Reburn" holt Amazon von NBC zu uns und "The Strain" von FX Network. Wobei diese beiden in Deutschland natürlich bereits zu sehen waren. Wirklich Exklusiv hat Amazon aber "Rogue", auch da kommen ein paar neue Folgen dazu.

Da fällt es vielleicht gar nicht auf, dass gar nichts Neues aus der eigenen Amazon-Produktion kommt. Na ja. Als "Pilot Season" kann man gerade wählen, ob man "The Last Tycoon" oder "The Interestings" haben will. Auf die Gewinner des Vorjahres warten wir aber noch.

"Star Trek" wird in diesem Jahr 50. Ja, 50. Unglaublich. Captain Kirk und Mr. Spock gingen 1966 das erste Mal auf Reise in die unendlichen Weiten der Galaxie. Das ist 23 Jahre früher, als Anton Yelchin geboren wurde, der nun auch schon wieder tot ist und demnächst hier



zum letzten Mal den Mr. Chekov spielt. R.I.P., Mr. Yelchin- eine unglaubliche Fangemeinde wird Sie vermissen und sich vielleicht bei Amazon Prime die Vorgänger anschauen. Dort kann man sogar noch die erste, im US-Fernsehen am 8. September 1966 gesendete Folge "Das Letzte seiner Art" finden. Einfach herrlich, wie die Helden der Zukunft dort noch durch sagenhaft billige Papp-Kulissen stapfen. Wohl niemand hätte damals geahnt, was einmal daraus werden kann.

Amazon Prime bietet zum Jubiläum insgesamt elf "Star Trek"-Spielfilme aus den Jahren 1979 bis 2009- darunter auch die grandiose Premiere der verjüngten Mannschaft um Chris Pine oder Zachary Quinto und mit Anton Yelchin.

Sind auch nicht-Trekkies unter den NetzTV-Lesern? Okay. Bei Prime gibt es im Juli auch noch "The Gift", "Dumm und Dümmer", "Sin City 2", "American Hustle", "Die Boxtrolls" und "Denk wie ein Mann 2" neu im Angebot.

Ich aber gehe jetzt in die unendlichen Weiten der Galaxie. Denn die uralten "Star Trek"-Folgen bei Amazon sind anscheinend ihrem Wert entsprechend liebevoll digital aufbereitet worden. Das heißt, man kann sie dort in einer Qualität anschauen, wie die meisten sie wohl nie zuvor gesehen haben. Was für ein Spaß. Okay, man sieht dann, dass die Mannschafts-Pullover der Enterprise-Crew aus billigem Polyester waren. Und auf dem Flur des Raumschiffes ist an der Wand ein ganz normaler Feuerwehr-Hydrant. Kamera-Fahrten wurden sparsam eingesetzt und erfolgten wohl auf eilig und provisorisch im Studio verlegten und dementsprechend ruckeligen Schienen. Aber genau das ist doch der Spaß beim Anschauen. Ich bin dann mal weg...

Bis dahin etwas vielleicht noch Aufregenderes:

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