Alle lieben Amazons "Transparent" - nur nicht die Zuschauer

Foto: Amazon

Vielleicht braucht die Familie Pfefferman erstmals etwas Trost und Zuspruch. Denn eigentlich ist doch alles so toll. Von "Golden Globe" bis "Emmy" lieben einfach alle "Transparent", die ebenso eigenwillige wie großartige "Amazon Original"-Serie um Maura, die früher einmal Mort war und die von Jeffrey Tambor sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Version so einfühlsam wie urkomisch gespielt, nein eigentlich vor der Kamera gelebt wird. Da ist es nur logisch, dass Amazon gerade bereits die vierte Staffel bei den bewährten Erfolgsproduzenten bestellt hat.

"Die Qualität von Fernsehproduktionen erstürmt neue Gipfel. Dabei zeichnet sich Transparent nach wie vor für die Tiefe seiner Charakterdarstellung, sein einfühlsames Storytelling und seine grenzenlose kreative Risikobereitschaft aus", so Joe Lewis, Chef von "Half Hour TV" bei den Amazon Studios. "Wir sind dankbar, dass die Zuschauer die Pfefferman-Familie so enthusiastisch in ihr Herz geschlossen haben und freuen uns, das nächste Kapitel ihrer Geschichte jetzt aufzuschlagen."

Interessant, dass es jetzt in den Amazon Studios eine Abteilung für "Half Hour TV" gibt. Aber haben die Zuschauer die Pfefferman-Familie wirklich "enthusiastisch in ihr Herz geschlossen"? Wie Variety meldet, hat das "Symphony"-Orakel bei den US-Zuschauern nachgemessen- und festgestellt: Nö.

Nun sind die Symphonie-Zahlen, die durch in Wohnungen hinein lauschende Apps ermittelt werden, vielleicht nicht ganz so zuverlässig wie die TV-Quoten, die wir kennen. Aber interessant sind sie schon. Und wenn Amazon selbst auf "Top-Serien, enthalten in Prime" hinweist, dann ist von den "Amazon Originals" fast immer nur Bosch zuverlässig dabei.

Jedenfalls haben nach Meinung des Start-Ups gerade einmal 1,49 Millionen US-Amerikaner in der berühmten Zielgruppe der 18 bis 49-jährigen Zuschauer sich die zweite Staffel "Transparent" in den ersten 35 Tagen nach der Premiere angeschaut. Das ist weit weniger als zum Beispiel die 3,44 Millionen, die sich für Amazons "The Man in the High Castle" interessierten. Und im Vergleich zu den besten Netflix-Serien sieht es noch viel schlimmer aus.

Auch bei Netflix hatten es allerdings die Programme, die die Kritiker lieben, normalerweise nicht leicht. Aber immerhin gut 9 Millionen strömen da immer noch ins "House of Cards". Und mit der Wiederbelebung der Traditions-Sitcom "Fuller House" hatte Netflix im Zeitraum sogar einen echten Quoten-Hit: Fast 22 Millionen US-Amerikaner in der Zielgruppe schauten sich das an.

Nun sind solche Vergleiche immer schwierig. Netflix hat 46 Millionen US-Abonnenten, Amazon rückt die Zahl der Prime-Nutzer nicht heraus. Nach Schätzungen sollen es aber 54 Millionen sein. Allerdings gibt es in den USA vielleicht auch viele, die nur "Prime" einkaufen und den Streaming-Dienst gar nicht nutzen.

Auf jeden Fall muss Amazon aufpassen, mit seinen Eigenproduktionen nicht in der ArteTV-Nische zu landen. Also alle finden das Programm toll, aber nur wenige schauen zu. Neben schönem Programm für Eliten braucht Erfolg auch ein Angebot für die breite Masse des Publikums. Beim Einkauf ist Amazon für seine Prime-Kunden da ja verdammt gut unterwegs. Die eigene Produktion benötigt irgendwann ebenfalls einen Zuschauer-Erfolg.

In der Zielgruppe konnte "Trasparent" gerade einmal die in den USA als "Amazon Original" laufende britische Sitcom "Catastrophe" knapp überflügeln. Aber bei den Gesamtzuschauern zog selbst die "Catastrophe" noch besser als die Pfeffermans.

Auf jeden Fall stehen bei Amazon ja noch einige große Hoffnungen kurz vor dem Start. Noch sind die fehlenden Zuschauer für "Transparent" deshalb keine "Catastrophe".

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