Hosenträger-Horst und die Wucht des Wandels im ZDF-Fernsehgarten

Foto: © ZDF / Andrea Enderlein

Ach ja. Draußen scheint die Sonne, alles blüht und der Frühling ist in diesem Jahr eindeutig Premium. Zeit für den Garten. Und für die ganz harten unter uns Fernseh-Freaks gibt es wieder den ZDF-"Fernsehgarten".

"Nur wenigen Sendungen im deutschen Fernsehen ist es vergönnt, auf eine so lange Erfolgsgeschichte zurückblicken zu können. Dem 'Fernsehgarten' ist es gelungen, über drei Jahrzehnte hinweg ein Publikumsmagnet zu bleiben, für die Fernsehzuschauer zuhause und für die Gäste vor Ort gleichermaßen", so freut sich ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler.

Und auch für dieses Jahr wurden für das kulturell interessierte Publikum keine Kosten und Gebühren gescheut- die Zuschauer auf dem Mainzer Lerchenberg und vor den Bildschirmen, so verspricht uns das ZDF, erwartet eine "Fernsehgarten"-Saison mit spannenden Themen, spektakulärer Action, wertvollem Service und aktuellen Hits. Und natürlich nur unverbesserliche Spaß-Bremsen und notorisch missmutige Blogger denken bei "wertvollem Service" und Moderatorin Andrea Kiewel sofort an "Weight Watchers".

Statt dessen ist doch der Himmel blau. Unter dem Motto "Der Garten bebt" versammelten sich gleich gestern zum Saisonauftakt Gäste aus Musik und Show zur großen Open-Air-Liveshow. Mit von der Partie waren KLUBBB3, voXXclub, Feuerherz, DJ Bobo, Thomas Anders, Achim Petry, Roland Kaiser, Michael Wendler, Beatrice Egli, Vanessa Mai, Höhner, The Original Harlem Globetrotters, das Vertical Orchestra und Wolfgang Trepper. "Hosenträger-Horst" nicht. Aber sicher saß er im Publikum.

Selbst beim "jungen Publikum" lief es prächtig, so jubelt pflichtbewusst das "Branchenmagazin" DWDL. Die öffentlich-rechtliche Fernsehwelt ist in Ordnung. Und das natürlich nicht nur beim ZDF- auch der ARD-Tatort aus Münster hatte gestern verdammt gute Quoten. Denn der war mindestens genauso lustig. Zwischen Fliegenpilzen und Tango tanzenden Gerichtsmedizinern kalauerten sich Axel Prahl und Jan Josef Liefers durch den Fernsehabend. Beide sind ebenso intelligente wie großartige Schauspieler und ihnen war die Belustigung durchaus anzusehen, dass sie ähnlich wie die Darsteller im "Fernsehgarten" dafür auch noch Geld bekommen.

Heute ist nun wieder Montag und der Himmel ist immer noch blau. In Leipzig wird der berühmt-berüchtigte "Medientreffpunkt Mitteldeutschland" beginnen. Dort wird man die "Balance der neuen Vielfalt" in den Medien diskutieren. Moment, das war ja voriges Jahr. Dieses Jahr ist es "Die Wucht des Wandels".

Nein, es geht nicht um die wachsende Zahl von Rundfunkbeitrags-Verweigerern, deren Aktivisten jetzt sogar schon bereit sind, wegen 17 Euro fünfzig im Monat ins Gefängnis zu gehen. Die "klassischen Medien" seien "gefordert", darauf zu reagieren, dass sich eine Mehrheit der Deutschen "einseitig" über die Flüchtlingskrise informiert fühle. Dadurch fühlen sich die "Medien-Macher" anscheinend wuchtig gewandelt.

Naja. Draußen scheint die Sonne, alles blüht, der Frühling ist in diesem Jahr eindeutig Premium und die Flüchtlings-Krise ist jetzt irgendwie auch schon wieder lange her. Also keine Panik. Wahrscheinlich wird es wie immer- "es sind doch alles Veranstaltungen für die Provinzpolitik und -medien, damit sie mal 'frei' haben für ein paar Tage - so zur Selbstbeweihräucherung und Wichtigtuerei", wie es so schön im Vorjahr hieß.

Okay, ab und zu gibt es ein Omen. Aber der Himmel ist blau. Es wird "Fernsehgarten"-Shows zum Eurovision Song Contest, mit dem beliebten Live-TV-Flohmarkt und den "Bares für Rares"-Experten an Pfingsten geben. Ja, sogar einen "Überraschungs-Fernsehgarten". Und das ist immer noch nicht alles. Sendungen zur Fußball-EM und Olympia sind geplant, die "Mallorca-Party", das "Oktoberfest" und vieles mehr.

Für "Hosenträger-Horst" haben wir hier noch den "wertvollen" Service-Hinweis: Auch wenn es noch so schön ist- bloß nicht übernachten im Fernsehgarten. Denn die Verbraucherzentrale Bayern weist vorsorglich darauf hin, dass Gartenhäuschen, die sich zum wohnen und schlafen eignen, eventuell Rundfunkbeitrags-pflichtig sind.

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