DVB-T2 wird "freenet TV"- mehr echtes HD, aber nicht ohne "plus"

Screenshot: freenet.tv

Es gibt Worte, in die ich mich einfach sofort verlieben kann. Worte wie "spektrale Effizienz" zum Beispiel. DVB-T2, das neueste neue digitale Antennenfernsehen, kommt und dessen Signal hat mehr davon als das seit Jahren von vielen unbemerkt vor sich hin sendende bisherige "Nicht-Überallfernsehen" DVB-T. Mit mehr Effizienz, das lernen wir Deutsche ja schon im Kindergarten, kann man die Welt verändern. Und mehr "spektrale Effizienz" beim neuen DVB-T2 erlaubt mehr Programme mit besseren Bildern bis hin zu nativem HD.

Dazu verbessert sich die "Robustheit" des Signals. Davor muss man keine Angst haben- man merkt es nicht, wenn man auf die Straße geht, aber der Fernseher merkt es. Und kann dadurch DVB-T2 in Zukunft vielleicht auch dort stabil empfangen, wo bisher besondere Wetterverhältnisse erforderlich waren. Aber nur, wenn es ein brandneuer Fernseher mit dem für das deutsche DVB-T2 passenden HEVC-Standard ist. Alte DVB-T- Empfänger bemerken vom neuen robusten Signal, so wie wir auf der Straße, einfach gar nichts. Alles klar?

Dann kann es ja nun losgehen. Ab dem 31. Mai haben Zuschauer in Bremen/Unterweser, Hamburg/Lübeck, Kiel, Rostock, Schwerin, Hannover/Braunschweig, Magdeburg, Berlin/Potsdam, Jena, Leipzig/Halle, Düsseldorf/Rhein/Ruhr, Köln/Bonn/Aachen, Rhein/Main, Saarbrücken, Baden-Baden, Stuttgart, Nürnberg und München/Südbayern die Möglichkeit, DVB-T2 in HD zu empfangen. Und das sogar völlig kostenlos. Okay, nur ganze sechs Programme: Das Erste, RTL, ProSieben, SAT.1, VOX und ZDF.

Aber nur bis zum Frühjahr 2017. Mit dem Start des "Regelbetriebs" von DVB-T2 HD wird es einen Mix aus rund 40 öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen geben - viele davon in 1080p50-HD. DVB-T2 wird zu "freenet TV", die öffentlich-rechtlichen Programme sollen auch weiterhin kostenfrei und unverschlüsselt zu empfangen sein, bei den Privaten aber ist dank HD+ dann Schluss mit dem "free" in "freenet TV".

Freenet? Da war doch was? Die Älteren von uns werden sich vielleicht noch erinnern. Vor langer Zeit ging man ins Internet zum "surfen", indem man ein echtes Kabel bis hin zur Telefondose verlegte. Da war aber nirgends ein "Router". Statt dessen hatte man auf seinem Computer eine "Einwahlsoftware" und wer Boris Becker nicht mochte (wer das ist, kann ich jetzt nicht auch noch erklären) benutzte oft die von Freenet. Der Rechner gab eigenartige Töne von sich, so wie ein Fax (was das ist, kann ich jetzt nicht auch noch erklären) und dann war man drin im worldweiten Web. Und jede Minute im Internet wurde dann einzeln bezahlt. Verrückt, oder?

Das Unternehmen Freenet im schönen Büdelsdorf gibt es jedenfalls immer noch. Ist jetzt sogar eine "AG" und hat kürzlich die Media Broadcast gekauft. Den Teil der Media Broadcast zumindest, der die Sender für das digitale Antennenfernsehen betreibt. Und, die wirklichen Innovationen in Deutschland kommen eben immer aus Orten wie Büdelsdorf, Freenet hat noch viel vor. Und das macht das digitale Antennenfernsehen vielleicht erstmals richtig interessant. Mehr Konkurrenz um den Empfang beim Fernsehen ist eben eine gute Sache. Und die kann nicht nur aus dem Internet kommen- auch durch die Luft können uns da interessante neue Signale robust und spektral effizient erreichen.

Denn auch der Zuschauer, der den privaten Schärfe-Aufschlag für HD an das neue "freenet.tv" herausrückt, soll dann bei DVB-T2 trotzdem immer noch deutlich weniger als zum Beispiel derzeit in der Regel für den Empfang von Kabel-TV bezahlen. Und bekommt dafür erstmals per digitaler Antenne ein (fast) vergleichbares Angebot. Mit etwas Glück sogar ein besseres Angebot. Viel echtes HD wird gesendet, wie "echt" es wird, bei wem und ab wann, das muss allerdings noch abgewartet werden.

Darüber hinaus will Freenet auf das digitale Antennenfernsehen weitere Zusatzangebote aufsetzen. "Exklusive IP-Sender" werden da versprochen, "zusätzlich" und "durch die Verknüpfung von TV und Internet". Eine "freenet TV multithek" wird es dafür geben, "das klassisches Fernsehen mit modernen umfangreichen Internetangeboten kombiniert". Wenn ich es richtig verstanden habe, dann kombiniert die "Multithek" das Prinzip des "Barker Channel" mit dem HbbTV-Angebot der Sender- und das ist gar keine schlechte Idee.

Mit dem versprochenen einstelligen monatlichen Euro-Preis, dem angekündigten HD-Angebot in dieser Sendervielfalt und Bildqualität, dazu noch die "Multithek"- so könnte "freenet TV" für die KabelTV-Anbieter in den Ballungsgebieten zur ernsthaften Konkurrenz werden.

Die "spektrale Effizienz" von DVB-T2 beherrscht theoretisch auch UHD-TV. Dann natürlich mit weniger Sendern. Das geht gar nicht. Erfahrene Zuschauer freuen sich schon auf den Kauf neuer Geräte für "DVB-T3".

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