Das Omen- die AfD und die Öffentlich-Rechtlichen



Winter is Coming- und das wohl nicht nur in "Game of Thrones" oder zwischen Apple, den USA und China. Wir könnten jetzt wissen, ob John Snow nun tot ist oder auch nicht, das Netz ist immer voller Spoiler. Karl Marx ist auf jeden Fall tot, schon lange. Aber seine Feststellung "die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift" ist lebendig für alle Zeit.

Nun gibt es zum Glück auch viele Theorien, die völlig zu Recht und aus verschiedenen Gründen niemals "materielle Gewalt" entfalten. Andere wiederum werden Realität, obwohl sie an "den Massen" eigentlich völlig vorbei gehen. Egal wie, am Wochenende feierte die "Alternative für Deutschland" AfD ihren Bundesparteitag und Deutschlands derzeit umstrittenste Partei hat jetzt auch ein Programm. Und nun sind allerlei neue Theorien in der Welt, die die Massen ergreifen könnten.

"Normale" AfD-Theorien sind in der Regel ja dadurch gekennzeichnet, dass sie "die Massen" nicht ergreifen, sondern eher teilen- in Gegner und Befürworter, und das auch gern heftig. Jedenfalls hier in der Stadt treffen sich die Massen dann gern zu bestimmten Terminen und auch sonst ganz normale Menschen schreien sich dann gegenseitig an. Aber nun gibt es eine neue AfD-Theorie, von der ich genau weiß, dass sie nicht wenigen auf beiden Seiten der Polizei-Absperrung gefällt. Also eine, die die Massen theoretisch ergreifen könnte. Und insbesondere für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird es jetzt langsam gefährlich. Und Schuld daran hat er selbst, nicht die AfD.

Über viele Jahre hinweg wurde "Rundfunk" für uns alle immer teurer. Erst gab es die "GEZ", die kundenfreundlich Spione auf Provisionsbasis durch die Lande schickte, um nachts durch fremde Fenster nach flimmernden Bildschirmen Ausschau zu halten. Natürlich nur, um so "Empfangs"-Tatbestände bei "Nichtzahlern" festzustellen. Jetzt gibt es "Rundfunkbeitrag für alle" und kein Entrinnen für niemand. Wir alle müssen zahlen. Und immer mehr fragen: Wofür.

Natürlich gab es stets Kritiker, die auf Verschwendung und Ineffizienz, teure Sportrechte, schrecklich debile Schmonzetten, "Unterhaltungssendungen" zum Fremdschämen, fragwürdige "Nachrichten" und vielerlei sonst noch Befremdliches hinwiesen. In über Jahrzehnte sorgsam eingeübter öffentlich-rechtlicher Gutsherren-Art wurde darüber hinweg gegangen. "Wir regulieren die Welt"- und ihr zahlt, so ist noch immer das generelle Bewusstsein in den Anstalten und alles geht weiter wie bisher.

Nun ist ein AfD-Programm ja allein auch noch keine Veränderung- und das ist auch gut so. Aber es ist ein Omen. Erstmals gibt es in (immer mehr) deutschen Parlamenten eine Partei, die das "öffentlich-rechtliche System" nicht irgendwie kurieren, sondern grundsätzlich sprengen will. Denn nichts anderes bedeutet der zuerst harmlos klingende Beschluss, Rundfunkbeitrag solle nur noch der zahlen, der die Programme auch tatsächlich nutzt. Weil damit nicht wie einst Radio- und Fernsehprogramme generell, sondern explizit öffentlich-rechtliche Programme gemeint sind. Also ARD, ZDF & Co. quasi als frei wählbares Bezahlprogramm.

Das ist in etwa das Gleiche, als würde man Sprengkommandos direkt in die Rundfunkhäuser schicken. Und es ist auch genauso gemeint. Man glaube nicht an die Reformfähigkeit der Anstalten, so hört man selbst von "gemäßigten" AfD-lern. Das System brauche einen generellen Neustart. Und sehr viele da draußen, die mit AfD sonst eigentlich gar nichts zu tun haben, können da nur noch zustimmend nicken und nur sehr schwer gute Gegenargumente finden.

Dem Einzug der AfD in die Parlamente folgt aber zwangsläufig auch das Auftauchen dieser Partei in den Gremien. Jetzt habt ihr den Salat, könnte man sagen und die Quittung dafür, dass ihr nicht reformieren und Politik und Medien nicht auseinander halten könnt. Ja, bis zu einer parlamentarischen Mehrheit für die tolle AfD-Theorie ist es noch weit. Aber sie muss "die Massen" gar nicht ergreifen, um zur materiellen Gewalt zu werden. Es könnte ausreichen, wenn sie bewaffnet mit guten Argumenten langsam wie Sand ins Getriebe "des Systems" sickert.

"Wacht auf", so möchten da alle rufen, die "öffentlich-rechtliche" Programme als Ergänzung zu den Medien-Angeboten des freien Marktes für sinnvoll, ja sogar unverzichtbar halten. Liebe Intendanten und Verantwortliche, beweist den Kritikern mit eigenen Ideen und deren Umsetzung, dass ihr doch zu Reformen und Veränderungen fähig seid. Und nein, ein wenig Salbe auf die Wunden reicht da nicht aus. Ihr braucht ein grundlegend anderes Konzept - nicht für "Rundfunk", sondern für öffentlich rechtliche Medien als Dienstleister in einer neuen und digitalen Welt.

Eigentlich glaube auch ich längst nicht mehr daran, dass ihr das könnt. Aber beweist doch bitte das Gegenteil. Denn sonst wird euch bald der Teufel holen- und es ist viel weniger Zeit bis dahin, als ihr immer noch glaubt:

Kommentare

Aktuell meist gelesen: