"Amazon Video Direct": Einer für alles, alles für einen

Foto: Amazon US
Yeah- "Prime Living" in Berlin, so stellt sich Amazon wohl irgendwie die eigene Zukunft vor. So ein wenig wie Superman. Nur schneller, besser- und natürlich kostengünstiger. Und "Prime" ist für Amazon nicht nur ein Kundenbindungsprogramm, sondern so etwas wie eine grundsätzliche Firmen-Philosophie: Erster sein. Bester sein. Und vielleicht am besten der Einzige.

Für das Video-Streaming bedeutet das: Mehr Filme und Serien produzieren als Netflix. Oder wenigstens bessere. Mehr Blockbuster und Staffeln verkaufen als irgend jemand sonst. Und auch YouTube muss nicht unangreifbar sein. Bei Twitch hat Amazon ja bereits einmal demonstriert, dass man Googles Mega-Plattform auch besiegen kann. Schon seit zwei Jahren wird mit den kurzen Webvideos experimentiert. Irgendwann wurde wohl entschieden: Die Katzen-Videos brauchen wir nicht. Aber darüber hinaus am besten alles, was es an professionell produziertem Bewegtbild zu haben gibt.

Dafür gibt es ab sofort eine Art Selbstbedienungsladen bei Amazon. Filmproduzenten jeder Art und Größe können nun nicht mehr nur Drehbücher automatisiert bei den Amazon-Studios einreichen und auf einen Anruf hoffen. Sie können ebenso einfach und unkompliziert ihre bereits fertigen Werke bei Amazon veröffentlichen- so wie Amazons "Selfpublisher", die zum Entsetzen von Verlegern und Buchläden ja schon seit Jahren den Lesermarkt aufrollen.

Mit Amazon Video Direct (AVD) stehen jedenfalls den Videoanbietern jetzt "flexible Self-Service-Optionen" zur weltweiten Verbreitung ihrer Videoinhalte zur Verfügung. Wer einen Film unter die Zuschauer bringen will, kann ihn zum Beispiel in Amazons "Prime Video" ohne Zusatzkosten den Prime-Mitgliedern zeigen. Dafür gibt es von Amazon zwischen sechs und zwölf Cent pro gesehene Zuschauer-Stunde. Das klingt nicht nach viel. Aber wenn man weiß, wie viele Filme und Serien in Archiven lagern und genau null Einnahmen erzielen, ist das sogar für manches eigentlich Kino-taugliche Werk vielleicht eine Option.

Wem das nicht gefällt, der kann seinen Film auch gegen eine einmalige Leihgebühr oder einen einmaligen Kaufpreis für alle Amazon-Kunden bereitstellen. Fünfzig Prozent der Einnahmen bekommt man dafür. Auch das klingt nicht nach viel. Aber der Zugang zu den Millionen von Zuschauern auf der Plattform könnte für einige trotzdem recht lukrativ sein. In den USA kann man seine Inhalte auch schon als Abonnement im Streaming Partner Programm anbieten. Das gibt es bei uns noch nicht. Aber sicherlich bald. Genauso wie die ebenfalls in den USA schon bestehende Option der werbefinanzierten Bereitstellung für alle Amazon-Kunden.

"Wir befinden uns in fantastischen Zeiten für Kreative", freut sich Jim Freeman, Vice President von Amazon Video. "Es gibt heute mehr Verbreitungsoptionen als je zuvor. Dank Amazon Video Direct gibt es nun zum ersten Mal eine Self-Publishing-Option für professionelle Filmproduzenten, um ihre Inhalte innerhalb eines Premium-Streaming-Abonnements anzubieten. Wir freuen uns, es ihnen jetzt damit noch einfacher zu machen, ihr Publikum zu erreichen- und dass dieses Publikum jetzt noch einfacher großartige Inhalte finden kann."

Genau das ist der Punkt. Dass Amazons Publikum jetzt bald noch viel mehr Inhalte finden kann. So entsteht eine Amazon-Plattform für alles- Kino, Fernsehen, mit Eintritt, Free-TV oder Abonnement- egal. Und auch Live-Events sind da gewiss gar nicht mehr fern. Alle Programme, egal von wem und für wen, könnten so unter "das Amazon" zusammenwachsen.

Amazon motiviert Anbieter zusätzlich jeden Monat mit einem "AVD Stars-Programm"- da gibt es Bonuszahlungen aus einem mit einer Million Dollar dotierten Fonds für die erfolgreichsten Videos bei Amazon Video Direct. Grundlage für die Ausschüttung seien die Top 100 AVD-Titel in Prime Video, wie viele Kunden diese Videos angesehen haben, wie lange sie zugesehen haben, wie gut die Videos von Kunden bewertet wurden, die von den Videos erwirtschafteten Einnahmen und weitere Faktoren, so Amazon.

"Es ist großartig, eine Auswahl unserer Premium-Serien, darunter auch die Emmy-nominierte Serie Vanity, bei einem der besten werbefreien Abo-Dienste zur Verfügung stellen zu können", sagt Mia Goldwyn, Chief Content Officer von StyleHaul. "Wir sind überzeugt, dass Amazon Prime-Mitglieder unser Angebot lieben und sich von den Mode- und Beauty-Looks unserer Marke inspirieren lassen werden." Bei YouTube, wo das wegweisende Werk des mittlerweile zu RTL gehörenden Netzwerks bisher exklusiv lief, hält sich die Liebe aber sicherlich in Grenzen.

Auch erste Filmstudios sind schon bei Amazon an Bord: "Als ein weltweit führendes, unabhängig betriebenes Filmunternehmen sind wir glücklich, unsere Filme jetzt Amazon-Kunden in der ganzen Welt zugänglich machen zu dürfen", so Peter Goldwyn, Präsident von Samuel Goldwyn Films. "Mit Amazon Video Direct haben wir die Kontrolle, um einzigartige Distributions-Strategien zu entwickeln, welche die dynamische Art und Weise reflektieren, wie unser Publikum Filme entdeckt. Wir können reibungslos alle unsere Filme wie Hyena Road, Somm: into the Bottle, Havana Motor Club genau dann und dort zur Verfügung stellen, wo unsere Zuschauer die Inhalte abrufen möchten. Bei Amazon Prime haben wir ein Zuhause für Filme wie The Benefactor mit Richard Gere und Takeshi Miikes Yakuza Apocalypse gefunden."

Yeah- "Yakuza Apocalypse". Manch Amazon-Konkurrent könnte bald meinen, er sei mittendrin:

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