Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im Juni.

Foto: Netflix
Echte Samurai reden nicht viel. Wir Filmfans wissen es spätestens, seit dem Tom Cruise den letzten getroffen hat. Vermutlich deshalb gibt es noch nirgendwo einen Trailer für die erste japanische Netflix-Serie zu sehen, die uns nun im Juni erwartet. Der deutschen Öffentlichkeit wird vor dem japanischen Filmfestival am Wochenende in Frankfurt nichts von der Adaption von Naoki Matayoshis preisgekröntem Erfolgsroman gezeigt. Es geht um Komiker, so viel sei verraten- aber es ist ein Drama.

Die Premiere von "Hibana: Spark", so heißt das Werk, als "globales Netflix Original" zeigt die Strategie von Netflix- und den Schaden, den die Regulierungsträume ahnungsloser EU-Bürokraten anrichten könnten. 20 Prozent Netflix sollen künftig aus Europa kommen. Was ist, wenn Japan auch seine Quote fordert? Und Argentinien, wo Netflix gerade mit der Produktion einer Serie begonnen hat? Und Indonesien? Indien? Irgendwann China? Russland? Da ist der Punkt schnell absehbar, an dem bereits mehr als 100 Prozent des Netflix-Angebotes noch vor der Produktion verteilt sind.

Was wäre die Folge? Mehr europäische Produktionen? Eher nicht. Netflix wird sein Globalisierungs-Konzept nicht für die EU über den Haufen werfen. Es ist das Konzept, das den weltweiten Erfolg sichern soll. Was bleibt dann? Ganz einfach: An den 80 Prozent arbeiten, nicht an den 20. Also: Reduziere das internationale Angebot für die Europäer so weit, bis es passt. Wie bei den berühmt-berüchtigten krummen Gurken ist die EU wieder einmal dabei, ihre eigenen Konsumenten ins Knie zu schießen.

Aber zurück zum Programm. Für die Fans von Netflix ist sicher die Staffel vier von "OITNB" das Highlight. Für die Nichtfans: "Orange is the New Black" heißt die Serie, handelt von oft recht rustikalen Damen im Gefängnis und das Ganze ist großartige Comedy und Drama zugleich. Die zweite Staffel des MTV-Horrors "Scream" ist schon ab 31. Mai im Angebot und läuft bei uns auch als "Netflix Original". Für die Kids wird mit "Voltron" ein Anime-Klassiker neu belebt. Bo Burnham macht uns mit Comedy happy und mit "The Fundamentals of Caring" gibt es einen Netflix-Spielfim. Die Rechte für das Roadmovie hatte sich Netflix im Januar zum Sundance Film Festival gesichert. Und am 30. Juni startet die "Netflix Original"-Serie "A very secret Service". Entsprechend dem Titel ist nichts Genaueres bekannt.

Natürlich gibt es auch ein paar weitere Filme. Auch vom Sundance Film Festival kommt "Jobs - Die Erfolgsstory von Steve Jobs". Diesmal ist Ashton Kutcher der von so vielen vermisste Apple-Chef. Ich würde eher die Film-Version mit Michael Fassbender vermissen. Mit "Victoria" gibt es etwas Deutsches für die Euro-Quote. Der Film besteht aus einer einzigen Kameraeinstellung von 140 Minuten ohne Schnitt. Das zu beobachten ist aber auch schon der Hauptinhalt. Und noch mehr aus unserem schönen Land: "Die geliebten Schwestern" kamen sogar von Lengenfeld. Das ist hier um die Ecke und geliebt hat sie Friedrich Schiller. "Today's Special" ist ein wunderschöner Film über das indische Essen und "The Eichmann Show" ist ein BBC-Film zum Titel-Thema.

Für alle, die wie ich im Kopf kleine Jungs geblieben sind, hat Netflix die "Guardians of the Galaxy". Und ein paar schöne Klassiker empfehlen die Streamer stets auch. "Die glorreichen Sieben" möchte ich der Netflix-Generation ans Herz legen, die davon bestimmt noch nie gehört hat. Okay, Hollywood macht heute bessere Bilder. Aber nie mehr danach wurde zu so einer Film-Musik geritten.

Amazon setzt im Juni seine erfolgreiche Strategie der "Exklusiv"-Einkäufe weiter fort. Dass die "Vikings" ihre neuen Staffeln zuerst bei Amazon zeigen, ist mittlerweile fast schon normal. Die vierte feiert ab 15. Juni Deutschland-Premiere bei Prime. Schon ab Ende Mai gibt es ein weiteres Bonbon vom Lieblingspartner AMC. Der "Preacher" predigt dann bei Amazon in Serie. Dominic Cooper spielt neben Joe Gilgun und Ruth Negga die Hauptrolle in der von Seth Rogen nach der gleichnamigen Comic-Vorlage von Garth Ennis und Steve Dillon produzierten Horror-Dramaserie um den Prediger Jesse Custer aus West-Texas.

Und es geht exklusiv weiter. "12 Monkeys" gibt es jetzt auch als Serie, ohne Bruce Willis und Brad Pitt, dafür ab 15. Juni bei Amazon. Nicht exklusiv, aber bemerkenswert: "Empire" kommt zu Prime. Die ersten sechs Staffeln von "Royal Pains". Staffel eins bis fünf vom "Warehouse 13" und mehr "Defiance". Sowie, last but not least und bestimmt nicht wegen der "Euro-Quote": Das "deutsche Breaking Bad" vom ZDF mit Bastian Pastewka in "Morgen hör ich auf".

Auch die Amazon-Spielfilme sind noch nicht im Sommerloch. "Mission Impossible: Rogue Nation" ist da sicher der Blockbuster. "Dracula Untold" ist für alle, die auch morgen noch gern fest zubeißen wollen. American Hustle" hat Drama, "Ashby" auch Liebe und "We Are Your Friends" viel Musik. Interessant und ungewöhnlich ist "Leviathan". Der ist sehr russisch, war immerhin als bester fremdsprachiger Film Oscar-nominiert und spielt im rauen russischen Osten kurz vor Alaska.

Bei dem Angebot darf es im Juni ruhig auch einmal regnen.

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