Winter is Coming - China nimmt Apple die iTunes weg

Apple-Store Shanghai / Pudong Foto: Apple

"Winter is Coming"- so hieß es einst im Hause Stark, wenn im "Game of Thrones" die schlechten Zeiten anbrechen. Und dann geht es auch richtig zur Sache. Morgen startet bei HBO die "Season 6" des Fantasy-Spektakels. Ist Jon Snow nun tot oder nicht? Wie ist das weitere Schicksal der noch Lebenden im grandiosen Kosmos der Charaktere um Daenerys Targaryen, Tyrion Lennister, Cersei Baratheon und Co.? Die Welt hält den Atem an. Und nur wenige Auserwählte wie US-Präsident Obama wissen es schon.

Der ewige Kampf um den eisernen Thron von Westeros fasziniert die Zuschauer rund um den Globus und ist sicher derzeit einer der erfolgreichsten Export-Artikel der US-Entertainment-Industrie, die in der Welt der Serien und Filme sicher den eisernen Thron innehat. Oder, für diese Industrie vielleicht passender, so etwas wie den goldenen Pool am Pacific Rim.

Der König Hollywood aber bekommt nun einen Herausforder. Und der spielt das "Game of Thrones" wieder mit eisernen Schwertern. Winter is Coming und die kalten Winde wehen aus ungewöhnlicher Richtung mitten hinein ins sonnige Kalifornien und wie im "Game of Thrones" ist es ein Drache, der ins Spiel um die Macht eingreift- der chinesische Drache. Der zieht gerade eine gewaltig Mauer im Internet hoch, unüberwindlich wie im Norden von Westeros, nur diesmal aus kalifornischer Sicht eben im Westen und aus Gesetzen statt Eis.

Die neuen chinesischen Regeln sind allerdings auch sehr eisig. Ohne offizielle Erlaubnis darf praktisch niemand mehr digitale Inhalte über das Internet ins chinesische Binnenland bringen. Und die Erlaubnis kostet wohl mehr als die übliche Stempelgebühr für den Zöllner. Apple berichtete in einer Präsentation für den US-Kongress kürzlich über mehr als 1000 Anfragen chinesischer Behörden nach bestimmten IP-Adressen allein im zweiten Halbjahr 2015. Sogar den Quellcode der Apple-Software sollte man herausgeben und damit praktisch die Hintertür für alles und jedes.

Wahrscheinlich in Folge dessen schließt Apple nun die iTunes-Türen in China, zumindest für Filme und Bücher, zu. In der Hoffnung, so sagt man wenigstens, sie bald wieder öffnen zu können. Dabei war es gerade die Ankunft der iTunes in China, die zum Beispiel bei Netflix die Hoffnung weckte, wirklich global expandieren zu können.

Für Apple ist das sehr bitter- China ist derzeit der größte Wachstumsmarkt für die iPhones und schließlich werden sie dort auch produziert. Man ist also fast existenziell auf ein gutes Verhältnis mit dem Land des Drachens angewiesen. Genauso ist es zunehmend in Hollywood, in China werden mehr Kinokarten für Blockbuster verkauft als irgendwo sonst. Deshalb streichelte man bisher den Drachen, um ihn zu besänftigen, wann immer es ging.

China darf Macht über US-Kinos und in Hollywood einkaufen. Eigene große Konkurrenten für US-Firmen sogar mit Dollars über die US-Börsen finanzieren. Und gleichzeitig für Google, Amazon, Facebook, Apple, Netflix und Co. weiter fröhlich den Zugang zum chinesischen Markt versperren. Und die Stars lachen dazu und finden China "amazing" und "great".

Bis jetzt. Obama ist nicht mehr lange Präsident. Der US-Kongress hört Apple nicht aus Langeweile zu. Winter is Coming. Der nächste US-Präsident könnte einer sein, der wie in Westeros ohne Bedenken die eisernen Schwerter auspackt.

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