Netflix hat mehr als 81 Millionen Abonnenten

Foto: Phil Bray / Netflix
Ja, Marco Polo kommt auch bald zurück. Die mit Spannung erwarteten Zahlen für das erste Quartal 2016 sind da und Netflix braucht deshalb nun so ein paar Karate-Ninjas gegen ahnungslose Journalisten und ängstliche Aktionäre. Die kalifornischen Streamer haben jetzt weltweit stolze 81,5 Millionen Abonnenten, das bedeutet weitere 6,7 Millionen Zuwachs in nur einem Quartal. Als Reaktion darauf stürzen die Aktienkurse trotz vorsorglichem"Slate-Event" erst einmal um 12% ab und der "Spiegel" raunt für seine Kernzielgruppe der Altphilologen mit Bundesangestelltentarif vom "Kartenhaus" Netflix.

Was ist verkehrt? Okay, nach dem weltweiten Start zur CES 2016 hätten ja theoretisch Milliarden neue Abonnenten kommen können. Reed Hastings lässt aktuell Bescheidenheit verkünden ("wir sind nur ein kleines Boot auf einem riesigen Meer" ) und für das zweite Quartal werden die Ziele ungewohnt niedrig angesetzt. Die Wachstumsziele allerdings, zusammenbrechende Kartenhäuser sieht niemand außerhalb der aus wirtschaftlichen Gründen gerade schrumpfenden "Spiegel"-Redaktion.

Netflix weist darauf hin, dass in den meisten der im Januar neu hinzugekommenen Ländern bisher ausschließlich englischsprachige Serien und Filme verfügbar seien und das Abonnement nur mit internationalen Kreditkarten bezahlt werden könne. In den kommenden Quartalen werde man kontinuierlich an mehr Inhalten auch in der jeweiligen Landessprache, lokalem Kunden-Support sowie alternativen Zahlungsmethoden arbeiten. "Wir haben jede Menge Arbeit vor uns, um Netflix Markt für Markt relevanter zu machen- aber die sich bietenden Möglichkeiten sind fantastisch".

Die zurückhaltenden Prognosen für das Wachstum der Abonnenten-Anzahl im nächsten Quartal könnten ja auch damit zu tun haben, dass Netflix in den kommenden Monaten für Alt-Abonnenten in den USA und Großbritannien die Preise auf das Niveau der "Neuankömmlinge" anheben will. In den USA genießen zur Zeit noch fast die Hälfte der Kunden das Privileg des "alten" Einstiegs-Preises. Vielleicht springt ja der eine oder andere ab, wenn es "a few dollars more" zu berappen gilt.

Ein langsameres Wachstum beim Abonnement macht die Börsianer aber immer besonders nervös, weil sie die ungelöste Frage aller Fragen umtreibt: Wann erreicht Netflix die "Reiseflughöhe"? Denn wie für jedes andere StartUp auch, welches vollkommen neue Märkte erobert, gibt es natürlich auch für Netflix irgendwann eine Wachstumsgrenze, an der das Potential für neue Kunden ausgeschöpft sein wird. Und niemand weiß im Falle von Netflix wirklich, wann dieser Punkt erreicht ist.

Aber auch wenn es mal etwas langsamer vorwärts geht und auch nicht alle neuen Netflix-Programme mehr das "House of Cards"-Niveau erreichen- die "Wachstums-Story scheint nach wie vor intakt", wie es die Börsianer formulieren würden. Die für die Verantwortlichen des "Alt-Fernsehens" gruseligste Zahl wird weiter rasant noch gruseliger: Netflix wird in diesem Jahr wirklich sechs Milliarden Dollar in neue Serien und Filme investieren. Und hat für 2017 schon einmal sieben Milliarden angekündigt.

Die Bauarbeiten am Todesstern laufen also schneller als jemals zuvor. Schon 2019, so glauben Branchen-Analysten, wird Netflix in den USA das meist genutzte TV-Angebot sein- größer als die größten TV-Networks. Und was auch geschieht- die Liebe bleibt:

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