Netflix erobert die Primetime- im französischen Fernsehen

Foto: Netflix / David Koskas
"Die spinnen, die Römer!" Vergiss es, Asterix. Ihr Gallier seid selbst in letzter Zeit etwas komisch im Kopf. Bei den "Sch'tis" hoch im Norden kommt der Postbote, hat keine Post und will dafür was trinken. Obelix ist aus Steuergründen jetzt Russe, fällt in Paris aber trotzdem gern noch besoffen vom Roller. Und der größte französische Fernsehsender sendet zur Primetime jetzt Netflix. Vielleicht sollte man den Zaubertrank von Miraculix mal auf seltsame neue Bestandteile überprüfen. Aber, egal was die Franzosen auch machen: Es sieht in der Regel eleganter aus, schmeckt besser und ist auch lustiger als Böhmermann.

Ja, wirklich, der größte französische Fernsehsender TF1 sendet am 12. Mai im Abendprogramm Netflix. Genauer gesagt, die ersten zwei Folgen der neuen "Netflix Original"-Serie "Marseille" mit Obelix Gerard Depardieu in der Hauptrolle. Und jetzt kommt der Clou: Nach zwei Folgen "Marseille" ist Schluss auf TF1- wer wissen will, wer am Ende Bürgermeister ist, muss bei Netflix schauen, wo alle acht Folgen ab 5. Mai zum "Bingewatching" bereitstehen. Im Prinzip läuft da also im Haupt-Abendprogramm Content-Marketing für Netflix in Überlänge.

"Wir freuen uns sehr, mit TF1 bei der Präsentation der ersten beiden Episoden von 'Marseille', der ersten französischen Original-Serie von Netflix, zusammen zu arbeiten". Sagt Erik Barmack, "Vize Präsident für internationale Netflix-Serien". Das glaube ich gern. Und freue mich, dass die "internationalen Netflix-Serien" jetzt sogar einen "Vize-Präsidenten" haben.

Wer bei dem Geschäft an wen was zahlt, das wird aber nicht bekannt gegeben. Aber wäre ich Netflix-Chef Reed Hastings, dann würde ich den Zuständigen für diesen Marketing-Deal zumindest zum "Mitarbeiter des Monats" befördern. Vielleicht sogar des Jahres- aber man weiß ja nie, was noch kommt. Mit so einer Werbung kann auf jeden Fall kein "Slate-Event" mithalten.

Vielleicht laufen ja auch bei ARD und ZDF bald Folgen von Netflix-Serien im Abendprogramm. Mit der Abmoderation "wie es ausgeht erfahren Sie bei Netflix- wir schalten nun um zu Anne Will". Oder so. Spätestens dann, wenn die erste deutsche Netflix-Serie fertig ist. Und wir haben ja auch noch Amazon und die "Bullyparade". Die könnte ProSieben zeigen, so 30 Minuten, statt "Two and a Half Men". Und die Zuschauer dann zu Amazon schicken. Wirklich gute Deals, wir wissen es, stehen nicht im Lehrbuch und machen tun sie die, die sich auskennen. Deswegen zurück nach Marseille:

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