Lächeln auf Bali: Netflix wirbt um Asien

Foto: Ayana Resort und Spa, Bali

Es hat sicher gute Gründe, warum die gerade stattfindende "APOS"-Konferenz in Indonesien sich als "Asiens wichtigstes Event" der Telekommunikations-, Medien und Entertainment-Industrie bezeichnen kann. Zum Beispiel den, dass sie nicht in der echten asiatischen Realität von Indonesiens 30 Millionen Einwohner-Metropole Jakarta stattfindet, sondern in ausgesucht edlen Resorts, wie dem Ayana in Bali.

Warum auch immer, zur "APOS" schauen auch hochkarätige Entscheider wie "DreamWorks"-Chef Jeffrey Katzenberg oder Weltverbesserer wie "Vice"-Boss Shane Smith gern einmal für einen kurzen Bühnen-Auftritt vorbei. Sie treffen dort auf die Newcomer aus China, wie zum Beispiel Ma Guoli oder Yu Hang von "Le Sports". Kennen Sie nicht? Macht nichts. Wird man noch von hören. Mit vielen frischen Milliarden, unter anderem von Wanda und Alibaba-Gründer Jack Ma, mischt "Le Sports" gerade den asiatischen Markt mit dem Live-Streaming von Sport-Events auf.

Wer bis zum Schluss bleibt, und das werden nicht wenige sein, der kann die sicherlich harten drei Konferenz-Tage heute Abend ab 22 Uhr Ortszeit gemeinsam mit den Konkurrenten und einem schönen Cocktail in lauwarmer Meeres-Brise ausklingen lassen- auf Einladung der "Game of Thrones"- Macher von HBO. Denn auch die wollen natürlich auf diesen Markt, irgendwie. Auch wenn die asiatischen 30-Millionen-Metropolen wie Jakarta nicht das Traumziel für Konferenzteilnehmer sind- für Streaming-Anbieter sind sie es schon.

Nirgendwo sonst als in den asiatischen Metropol-Regionen gibt es mehr schnelle Glasfaser-Anschlüsse ins Internet und nirgendwo sonst werden täglich mehr neu verlegt. Da locken die Streaming-Abonnenten der Zukunft. Da wollen sie alle hin. Aber das Geschäft für die US-Größen ist schwierig am anderen Ende des "Pacific Rim".

Deshalb sind es natürlich nicht die Cocktails in lauwarmer Meeres-Brise, die gleich zwei höchstkarätige Netflixe zur APOS-Konferenz nach Indonesien locken. Leider gibt es -völlig unverständlich- für die Konferenz keine Presse-Einladungen für Blogger aus Deutschland. So muss sich Netz-TV leider, leider auf "Variety" verlassen, um zu wissen, was CEO Reed Hastings und Content-Chef Ted Sarandos dort zu sagen hatten. Das ist schade. Aber wenigstens interessant.

Trotz allem ist Netflix immer noch optimistisch, Asien irgendwie erobern zu können. Auch wenn die Tore der chinesische Mauer gerade immer fester verschlossen werden. Oder das größte Telekom-Unternehmen im Konferenz-Land Indonesien, "Telkom Indonesia", Netflix kurz nach der "globalen Expansion" wieder aus seinen Glasfasern geworfen hat. Die Filme und Serien von Netflix seien zu "racy" für die Einheimischen, so hieß es. Zu scharf ist da wohl die beste Übersetzung- egal ob politisch, sexuell oder gewalttätig- zu scharf in allem.

"Einige Internet-Anbieter blockieren uns", so Reed Hastings. "In Indonesien ist es der größte Anbieter." Trotzdem schaue Netflix weiterhin optimistisch auf den indonesischen Markt. "Es könnte eine enormer Markt für uns sein. Wir werden auch weiterhin in Indonesien investieren." Und dies träfe auf den gesamten asiatischen Markt zu. So gäbe es Netflix erst in 21 Sprachen und man investiere weiterhin in Content sowie Partnerschaften mit Infrastruktur-Anbietern. Aktuell gäbe es zum Beispiel noch keine Netflix-Version in vietnamesisch, Thai oder auf kambodschanisch.

"Wir entwickeln die lokale Produktion in Asien sehr viel schneller als in anderen Gebieten", so ergänzte Content-Chef Ted Sarandos. Dass Angelina Jolie für Netflix in Kambodscha "First They Killed My Father" dreht oder der koreanische Regisseur Bong Joon-Ho an "Okja" arbeitet, wird die Indonesier aber sicher nicht umgestimmt haben. Selbst Gerard Depardieu und "Marseille" wurde den Asiaten angepriesen- einige wird es bestimmt interessieren, und genau dies ist ja das globale Konzept von Netflix.

"Ich sage zu Ted, er soll mehr Geld ausgeben", so Hastings. "Wir werden das Geld beschaffen. Wir werden mehr Geld ausgeben. Negativer Cashflow ist ein Zeichen von großem Wachstum und dass wir große Projekte gefunden haben, um zu investieren." So baut man einen Todesstern schneller- auf Kredit. Hätte Darth Vader es gewusst, dann wären die StarWars vielleicht anders ausgegangen.

Und wenn China sich weiterhin ziert- Asien ist auch außerhalb der Mauer noch groß. "Wir hoffen, fantastische Bollywood-Filme zu produzieren, die die ganze Welt sehen will- noch nicht im nächsten Jahr, aber in zwei oder drei Jahren", so Hastings. "Wir sehen das als einen Beitrag zu dieser Form der Filmkunst."

Na dann. Zurück zur harten Arbeit an der Eroberung der Weltherrschaft:

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