Kein Mitleid mit Jan Böhmermann

Foto: © ZDF / Ben Knabe
So ist es immer im Leben. Man hat so einen tollen Plan und dann kommt alles ganz anders. Netz-TV zum Beispiel wollte nie einen Beitrag über Phänomene wie Jan Böhmermann schreiben. Der braucht das nicht. Er ist bei Twittsnap, Facechat und Whatsimmer so gut mit seinen zahlreichen Connections vernetzt, dass er selbst ohne zahlenmäßig noch fehlerfrei messbare Einschaltquote mit Sicherheit auch morgen noch berühmt sein wird.

Fast genauso geht es dem ZDF. Genauer gesagt, genauso wie in der Sache mit dem Plan. "Neo Magazin Royale mit Jan Böhmermann meldet sich mit verlängerter Sendezeit von 45 Minuten zurück aus der Winterpause", so war der Plan laut Presseankündigung. Und dass Jan Böhmermann unter anderem Fettes Brot, Sarah Wiener, Anne Will und Heinz Strunk als Gäste im Studio erwartet. Von einem Erdogan war nirgends die Rede. Jetzt haben sie den Salat. Nicht, weil der türkische Präsident etwa unangemeldet gekommen wäre. Sondern weil Jan Böhmermann ihm ein Gedicht widmete.

Angela Merkel empfand Böhmermann dann als "bewusst verletzend". Oliver Welke nannte dies wiederum "einen großen Fehler, der ihr hoffentlich leid tut". ZDF-Intendant Thomas Bellut versichert, die Sendung "entsprach nicht den Vorstellungen, die wir vom Programm haben". Das "Comedy-Duo Mundstuhl" droht laut Focus mit einem "Komiker-Aufstand". Dummerweise habe ich vergessen, wer das ist. Und Dieter Hallervorden schrieb sofort ein Solidaritäts-Gedicht.

Dabei wollte Jan Böhmermann doch eigentlich nur den NDR-Kollegen von "extra3" helfen. Jetzt nennt es die "Tagesschau" eine "Staatsaffäre". Und eine Online-Petition gibt es dazu natürlich auch. Und das alles deshalb, weil Jan Böhmermann einmal den unkundigen Norddeutschen beispielhaft erklären wollte, was man über Herrn Erdogan sagen darf und was nicht.

Recep Tayyip Erdogan will auch gar nichts Böses. Er möchte bloß genau diese Frage jetzt juristisch endgültig geklärt haben. So wie das kleinen Blogs in diesem Land jeden Tag ergeht, die solche Gedichte über irgendeinen Herrn mit Anwälten veröffentlichen und die sich dann den teuren Vorwurf der "Unprofessionalität" statt eines Solidaritäts-Gedichts anhören dürfen. Okay, Erdogan ist auch sehr konservativ. Und anatolisch. Manchmal nennt man ihn "Sultan". Kann sein, dass seine Vorstellungen vom Strafmaß für Böhmermann im Falle des Schuldspruchs leicht von den hiesigen Vorstellungen abweichen.

Natürlich hätte er auch auf dem üblichen Weg eine Programm-Beschwerde beim ZDF einreichen können. Aber in Anbetracht dessen, was früher ein echter Sultan getan hätte, benimmt sich Herr Erdogan doch bis jetzt in Sachen "Neo Magazin Royale" immer noch sehr zivilisiert.

Wer in diesem Zusammenhang von "Pressefreiheit" redet, möge einen Moment folgendes bedenken: Was würde mit Böhmermann passieren, wenn man in seinem "Gedicht" den Namen des deutschen Präsidenten einsetzen würde? Würde man das als "Satire" betrachten und abhaken? Wohl nicht. Denn selbst ganz normale Menschen wie wir, die keine "juristischen Personen" sind wie ein Staatsoberhaupt, könnten beim vorliegenden Sachverhalt mit guten Aussichten auf Erfolg klagen. Und wer den Social Media-Clown Jan Böhmermann jetzt in eine Reihe mit Journalisten stellt, die in der Türkei für Herrn Erdogan missfallende Nachrichten büßen, beleidigt diese auf die schlimmst mögliche Weise.

Nein, da ist kein "Satiriker" am Werk. Erdogan ist halt nur ein Türke und derzeit bei uns berechtigt unpopulär. Und das ZDF gibt da jemandem eine eigenes "Magazin Royale", der kühl kalkuliert und ohne jede Bedenken fremde Staatspräsidenten grenzenlos beleidigt. Dies macht Böhmermann nur aus einem einzigen Grund: Weil dies so prima Futter für seine Twittsnap, Facechat und Whatsimmer-Connections ist. Merkel, Bellut und wir alle sollen nun den türkischen Zorn tapfer zurückweisen, nur damit der große Jan Böhmermann bei Twitter wieder ein Stück berühmter und wichtiger werden kann.

Ich habe kein Mitleid mit Jan Böhmermann. Obwohl, wenn ihn die falschen Türken im Dunklen erwischen... Das hat er dann doch nicht verdient. Aber er hat ja Polizei:

Kommentare

  1. Auch wenn man kein Fan von diesem Sultan ist, ist dieses "Gedicht" einfach nur geschmacklos. Böhmermanns Populismus hat der deutschen Politik geschadet und wir Steuerzahler dürfen die Suppe mal wieder auslöffeln.

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