Google, enttäuschte Aktionäre und die Zukunft der TV-Werbung

Foto: Google
Schon wieder diese Börsianer. Bei den Quartalszahlen von Netflix gefiel ihnen das zweite Quartal nicht- also das, was die Algorithmus-Astrologen für die unmittelbare Zukunft prophezeien. Bei Google gefiel ihnen jetzt sogar das erste Quartal nicht. Also das, was schon stattgefunden hat.

Das ist das Quartal, in dem die Einnahmen von Google gegenüber dem Vorjahr um 17% wuchsen. Ein Jahr zuvor wurde 12% Wachstum vermeldet. 7,50 harte US-Dollar Gewinn blieben übrig- pro Aktie. Im Vorjahr waren es 6,57 Dollar. Die Google-Aktie rutschte daraufhin nachbörslich ab, die "Anleger waren enttäuscht". Sie hatten 7,96 Dollar "erwartet". Oder auch von "Analysten" aufschwatzen lassen.

Was für eine seltsame Welt. Wie seltsam diese ist, das zeigt eine ganz andere Entwicklung- die Entwicklung der Preise für die Werbung, dem eigentlichen Hauptgeschäft von Google. Anzeigen bei Google waren durchschnittlich um satte 9% billiger als im Vorjahr. Die Quartalsergebnisse wurden dadurch erreicht, dass Google fast 30% mehr Anzeigen auslieferte.

Wie viele TV-Werbespots darunter waren- wir wissen es nicht. Aber Google ist seit Jahren auch in diesem Markt unterwegs. So können die Werber ihre TV-Werbespots bei YouTube ganz einfach und unkompliziert über DoubleClick schalten- und dies funktioniert nicht wie beim "alten TV", sondern direkt, unkompliziert und nach dem Auktions-Prinzip, genau so wie bei den bekannten Adwords-Anzeigen für die Suchmaschine.

"Die YouTube-Einnahmen wachsen kontinuierlich in sehr beachtlichen Raten", so die Finanz-Chefin der Google-Holding "Alphabet" Ruth Porat. Das neue Abonnement-Angebot "YouTube Red" wird dafür wohl kaum die Ursache sein. YouTube Red wird zwar "sehr gut angenommen", wie Google CEO Sundar Pichai auf Nachfrage versicherte. Aber die Kundenbasis dürfte noch ziemlich schwach sein.

Die mit Abstand wichtigste aller Werbeformen ist und bleibt der TV-Werbespot. Und auch wenn Google mit Aussagen über Geld gern etwas wolkig bleibt: Es ist vielleicht schwieriger und langsamer als gedacht, aber mit dem Boom der Online-Videos gelingt es zunehmend, Werbeetats, die früher beim klassischen TV-Sender gelandet wären, in die großen Taschen von Google umzuleiten.

Und so langsam baut man im Silicon Valley nun an den Tools für einen entscheidenden Angriff. In den USA wird man bei Google demnächst auch ganz normale TV-Sendungen in der Suchmaschine finden. Wer nach einer Serie sucht, der bekommt neben den bisherigen Informationen dazu dann auch die, wer es streamt. Und sogar wer es sendet- und wann. Vielleicht finden ja dann auch Zuschauer zu Homeland nachts bei Sat.1. Das sind keine guten Nachrichten für die spezialisierten Suchmaschinen oder Programmzeitschriften.

Googles DoubleClick will dabei natürlich auch "helfen". Den Fernsehsendern zum Beispiel, mit seinem neuen Tool "for Publisher" mit dem schönen Titel "Dynamic Ad Insertion". Immerhin sind schon namhafte Partner wie AMC in den USA oder Globo in Südamerika an Bord. Oder auch Kabel-Anbieter wie Cablevision. Dann können die Werber mit ihren TV-Spots bald so schön individuell jeden Zuschauer erreichen. Egal ob über das Smartphone und YouTube, die Google-Suchmaschine, die Set-Top-Box oder den intelligenten Fernseher. Und dann im Auktions-Verfahren die von den "normalen" Google-Anzeigen bekannte Preisentwicklung einleiten....

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