Bosch hat seine zweite Staffel- und etwas sehr seltenes

Foto: Amazon
Achtung, Spoiler: Dieses Mal ist LAPD-Detektiv Hieronymus Bosch am Ende der Staffel nicht suspendiert. Und ja, es ist nur ein Krimi. Aber diese "Amazon Original"-Serie nach den Romanen von Michael Connelly ist besonders. Und die nun auch deutsch synchronisiert verfügbare zweite Staffel zeigt das noch mehr als der ja ebenfalls bereits bemerkenswert gut gelungene Auftakt.

Dabei gibt es eigentlich längst viel zu viele Krimis. Allein im ZDF waren 2015 insgesamt 437 Filme und Serienepisoden zu sehen, in denen irgendein Polizist (oder gern auch eine Polizistin) irgendwas ermittelte. In der Regel natürlich irgendeinen Mörder. Und in der Regel billig und talentfrei geschrieben und gefilmt- Massenware zum Totschlagen überflüssiger Zeit oder zum gepflegten Fernsehschlaf im bequemen Sessel. Wer braucht da zu all den Sokos, CSI's und familiär gescheiterten Frauen-Kommissaren noch einen Mordermittler in Los Angeles?

Ganz einfach: Alle, die schon einmal da waren. Und die, welche die "Stadt der Engel" noch nicht kennen. Diese Stadt hat eine Aura. Ein spezielles Gefühl, eine bestimmte Musik. Schwer zu beschreiben. Wim Wenders hat es in "Stadt der Engel" versucht, ist aber gescheitert. Roman Polanski's "Chinatown" war vielleicht der beste Versuch- bis Bosch kam. Amazons "Bosch" ist mehr als eine Krimi-Serie. Man bekommt ein Gefühl für die Seele dieser faszinierenden Stadt.

Keine Ahnung was das ist. Denn L.A, ist eigentlich nichts anderes als eine riesige Ansammlung paralleler Straßen im Schachbrettmuster, durchzogen von vielspurigen Highways. Und unendlich viele mehr oder weniger schäbige, meist hässliche Zweckbauten. San Francisco ist schöner- ist aber nur eine Stadt. Es fehlt dieses irgendwie mystische Gefühl. Man spürt es, wenn man auf dem Santa Monica Boulevard Richtung Pazifik fährt. Oder durch den Laurel-Canyon kurvt. Oder eben beim Bingewatching der zweiten Staffel von "Bosch".

Vielleicht spinne ich ja auch oder habe einen L.A.-Tick. Die eigenartige Magie dieser Stadt fühlen aber viele. Und kurioserweise ist es ausgerechnet die Red-Arrow-Tochter Fabrik Entertainment, der es gelungen ist, das stimmig und perfekt in einer Fernsehserie einzufangen. Und damit letztendlich ProSiebenSat1. So etwas ist selten und kostbar.

Titus Welliver und Co. gehen jetzt in die Produktion der dritten Staffel. Alles andere wäre auch völlig unverständlich. Und ich habe das dunkle Gefühl, dass (Achtung, Spoiler) die Geschichte von Seven of Nine vom Raumschiff Voyager alias Jeri Ryan als Veronica Allen noch lange nicht auserzählt ist.

Also: Unbedingt anschauen. Und wer das "L.A.-Feeling" nicht spüren kann- mit Musik geht es noch besser. Ich muss nur die Augen schließen und dann fahre ich wieder in der Abendsonne auf dem Santa Monica Boulevard Richtung Meer- immer wenn ich das da höre:

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