Amazons Kino-Pläne tragen die Handschrift von Bezos

Foto: Amazon US

1999 war er für "Time" die "Person des Jahres". Das ist ja nun auch schon wieder 17 Jahre her- für das digitale Zeitalter also mindestens schon mehrere Epochen. Jeff Bezos aber ist immer noch Amazon-Chef und es hat sich gelohnt. Er kann sich jetzt auch teure Hobbys leisten. Zum Beispiel eine eigene große Zeitung. Oder mit echten Weltraum-Raketen spielen, wovon sicher jeder Mann mal als Junge geträumt hat. Und wenn es noch einen größeren Jungs-Traum gibt als die Eroberung des Weltalls, dann ist das die Ankunft in Hollywood und die Erschaffung eigener Fantasie-Universen für Kino und TV.

Gerade rätseln wieder alle. Amazon bietet für sein Prime-Videopaket jetzt auch ein monatlich zahlbares Abonnement nur für das Streaming von Serien und Filmen an- ohne die sonstigen "Prime"-Zusatzleistungen rund um den E-Commerce. Ein "Angriff auf Netflix" sei das, so wird vermutet. Ja, kann sein. Vom Preis her lohnt es sich für die Kunden nicht. Aber der eine oder andere Netflix-Kunde schaut dann vielleicht mal für einen Monat vorbei, weil er sich eine Serie wie "Bosch" anschauen will, die es nur bei Amazon gibt. Und bleibt dann vielleicht hängen.

Aber immer mehr habe ich den deutlichen Eindruck, Amazon will mit seinen Serien und Filmen gar nicht unbedingt zuerst Netflix besiegen, dann die Welt erobern und damit viel Geld verdienen. Es scheint eher so, als würde ein Programm erschaffen, das Jeff Bezos sich selbst und für die Welt wünscht. Und wenn das dann die Welt erobert und viel Geld verdient, um so besser. Vielleicht sollte Bezos jetzt Hollywoods "Person des Jahres" werden.

Denn ein rein kommerziell orientierter Streaming-Dienst würde Programme wie "The New Yorker Presents" niemals machen. Oder Woody Allen praktisch Blanko-Schecks für noch gar nicht erfundene Serien und Filme ausstellen. So Ungewöhnliches wie "Transparent" oder Risikoreiches und Teures wie "The Man in the High Castle" wirklich realisieren. Und auch nicht so intensiv nach neuen Geschichten abseits des Erprobten suchen.

Ja, Netflix macht das auch, aber nur vorsichtig. Das große Geld fließt nach "House of Cards" in Bewährtes, was geht. Sitcom, natürlich. Oder Comic-Helden von Marvel. Und alle Geschichten, die großartige Bilder versprechen.

Bob Berney ist Marketing-Chef der Amazon-Studios und damit einer derjenigen, der diese Bezos-Strategie umsetzen sollen. Und die "CinemaCon" ist die offizielle Konferenz der "National Association of Theatre Owners", also der Kinobesitzer in den USA. Vor gut einer Woche traf man sich dazu wieder in Las Vegas- und Bob Berneys Präsentation für Amazon war die, die auffiel im sonstigen und immer gleichen Reigen der lustigen Comedy-Stars und Superhelden in bombastischer Computer-Animation.

Lustig war Berney auch- aber die Herzen der Kinobesitzer gewann er vor allem damit: "Alle Filme, die wir ankaufen oder produzieren, werden im Kino Premiere feiern und von aggressiven Marketing-Kampagnen begleitet, um Zuschauer in ihre Theater zu bringen". Und für die letzten Zweifler hatte er einen Gag: "Experimente mit der Popcorn-Auslieferung per Drohne planen wir auch".

Ja, die Streaming-Kunden von Amazon sollen die kommenden Kino-Filme aus den Jeff Bezos-Studios natürlich auch bevorzugt zu sehen bekommen. Aber nicht so schnell, dass das die Kino-Verwertung stört. Damit fährt Amazon eine deutlich andere Kino-Strategie als Netflix. Der Jungs-Traum soll wahr werden. Jeff Bezos will wirklich in Hollywood ankommen.

Dazu kommt, dass das Amazon-Kinoprogramm noch stärker auf klassische "Independent"-Filme fokussiert ist, die aber nicht am Publikum vorbei produziert werden sollen. So wird es demnächst "Cafe Society" von Woody Allen von Amazon geben. Oder den Star des letzten "Sundance" Film-Festivals, "Manchester by the Sea". Oder auch "The Neon Demon". Die Kinobesitzer wird es freuen. Und bestimmt auch viele Zuschauer.

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