Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im April.

Im April gibt es allerhand zu sehen- nicht nur in Downton Abbey. Foto: Amazon, ©2013 Universal Pictures Germany
Es ist an der Zeit, eine Lanze für wirklich gutes Unterhaltungs-Fernsehen zu brechen. Denn im April wird jede Menge davon über die wundersamen Wegen des Internets zu uns kommen. So wie "Downton Abbey" zum Beispiel.

Ja, das ist eine Geschichte, die im Buchladen auf den einschlägigen "Romantik-Tischen" mit Fließbandware für die moderne Frau landen würde. So wie das neue Epos vom Raumkreuzer irgendwer in der Ecke für die Jungs. Aber wie diese Serie ausgestattet, gefilmt und vor allem auch geschauspielert wurde- einfach nur wow. Ganz großes Kino. Nein, einfach großes Fernsehen, mit unendlich viel Liebe bis ins kleinste Detail für uns Zuschauer gemacht. Da erwischt man sich auch als Fan der eher männlichen Genres beim mitgucken. Staffel fünf gibt es nun im April bei Amazon Prime.

Und das ist dort nur der Anfang eines bisher beispiellosen Serien-Feuerwerks. "The Night Manager" ist ja gerade erst vor drei Tagen auf die Amazon-Plattform gekommen, also für viele sicherlich auch noch April-Programm. Die Staffel vier der Mega-Serie "Homeland" wird "Prime". Ab 11. April gibt es wöchentlich neue Folgen von "Fear the Walking Dead". Und obendrauf ist die lang erwartete zweite Staffel von Amazons großartiger Eigenproduktion "Bosch" in diesem Monat auch deutsch synchronisiert zu sehen. Die jeweils vierten Staffeln "New Girl" und "2 Broke Girls" sind da nur noch Beiwerk.

Da kann Amazon im Spielfilm-Bereich durchaus etwas kürzer treten. "Die Bestimmung - Divergent" läge im Buchladen wohl irgendwo in der Nähe der "Shannarah Chronicles". "The Purge: Anarchy" ist altersmäßig die gleiche, aber dennoch eine ganz andere Zielgruppe. Genauso wie "The Lazarus Effect". Oder "The Colony". Nach insgesamt vier (!) ungemütlichen Zukunfts-Welten brauchen dann auch die Jungs sicher etwas "Downton Abbey". Wenn nicht: Mit "Unter Beobachtung" wartet noch ein ganz gewöhnlicher Paranoia-Thriller und in "Love & Mercy" geht es um Brian Wilson von "The Beach Boys".

Bei so einer Konkurrenz muss Netflix sich tüchtig strecken und bekommt ausgerechnet in Deutschland gerade schlechte Presse. Weil in den USA die angebotene Auswahl an Serien und Filmen seit 2014 um ein Drittel geschrumpft sei. Dabei ist es dem Zuschauer doch wohl völlig egal, ob da 8.103 oder 5.532 Serien und Filme im Angebot sind. Er wird von beiden Zahlen in der Regel weniger als ein Prozent im Monat anschauen und braucht statt unübersichtlicher Massen von irgendwas doch einfach nur etwas Neues, was ihm gefällt.

Da sind die Eigenproduktionen, die Serien und Filme von Netflix und nur bei Netflix sicher das wichtigste Argument für ein Abonnement. Deshalb produziert Netflix mehr denn je und so langsam steigt auch die Zahl der "Netflix Originale", die jeden Monat im Programm ankommen. Aber wie ist es um die Qualität bestellt? Und stimmt die Zielgruppe? Langsam habe ich, zumindest was Deutschland betrifft, da so meine Zweifel.

Das kann natürlich auch an meinem verqueren Geschmack liegen. Im April gibt es bei Netflix zum Beispiel "The Ranch" als neue Serie. Was lustiges mit eingespielten Sitcom-Lachern im Hintergrund. So etwas mag ich nicht. "Lost & Found Music Studios" ist so eine Art geschauspielerte Casting-Show für Teens, die in eine Rockband wollen. Dafür bin ich zu alt. Die viel gelobte "Unbreakable Kimmy Schmidt" geht in die zweite Staffel, gehört für mich als altem Macho aber auf den Tisch für die moderne Frau. "Ajin" ist Mystery-Anime und damit auch eher eine sehr spezielle Zielgruppe. Die Serie "Kong- König der Affen" ist Zeichentrick für die Kids.

Bleibt als letztes Netflix-Original noch ein Spielfilm- "Special Correspondents". Das ist schon wieder eine Komödie. Aber wenigstens für Erwachsene und der Plot schaut gut aus. Aber wo bleibt die Action?

Dafür hat Netflix dann doch noch wenigstens ordentlich zugekauft. Die Zombie-Fans werden sich über die Serie "Z-Nation" freuen. Große Kinder wie ich über den aktuellsten "Godzilla"-Film. "Killing Them Softly" mit Brad Pitt wird es geben und weniger softly mit "Crank". Netflix hat auch ungemütliche Zukunfts-Visionen, so die großartigen "Snowpiercer" und "Moon" sowie Steven Soderbergh's "Contagion". Dazu eine Zukunft, durch die sich Jet Li prügelt- in "The One". Oder die "City of Ember".

Jede Menge gut abgelagerte Filme gibt es natürlich trotz aller Berichte immer noch im Netflix-Programm. Man kann sich Drew Barrymore als "Roller Girl" anschauen. Oder Jake Gyllenhaal auf der Suche nach dem "Zodiac"-Killer. "Die Klavierspielerin" zeigt uns, dass sogar österreichische Filme es ins Netflix-Programm schaffen können. Wie auch die gute alte DEFA mit der "Legende von Paul und Paula".

Selbst Elizabeth Taylor als "Cleopatra" wird uns offensiv angeboten oder Marlon Brando in "Die Faust im Nacken". Das sind alles sehr sehenswerte Klassiker, ja. So wie "Platoon", der "Terminator" oder "Robocop". Aber der Grund für ein Abonnement? Ja, ich mag falsch liegen. Ist eben alles Geschmackssache. Aber wenn überhaupt, dann könnte im April mich nur "Dittsche" und damit "das wirklich wahre Leben" zum Netflix-Abo locken. Die Imbiss-Philosophen sind nun schon bei "Staffel 20 bis 24"- und eben auch bei Netflix.

Na ja- im Mai wird bestimmt alles besser und Netflix wird uns Gerard Depardieu zeigen, in "Marseille". Mal sehen, ob Amazon darauf auch eine Antwort hat. Und die anderen? Watchever hat wieder Filme gekauft- diesmal von Tobis. Und Maxdome hat genau einen Knaller- aber der hat es in sich: Die Staffel eins von "Wolf Hall" ist drin im Paket. Die BBC Two-Miniserie über Cromwell mit "Homeland"-Star Damian Lewis als Heinrich der VIII. war achtmal für den "Prime Time Emmy" und dreimal für den "Golden Globe" nominiert.

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