"The Night Manager" gibt es nur bei Amazon. Warum?

Foto: Amazon, © Mitch Jenkins/The Ink Factory/AMC

"Wir machen in den letzten Jahren eher mehr Filme und Serien deutscher oder europäischer Herkunft als weniger und geben dafür weniger Geld für amerikanische Lizenzware aus." Okay. Das wird zumindest den deutschen Produzenten gut gefallen, was ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler da im Interview gesagt hat. Mehr "Ku’damm 56" soll den Rundfunkgebühren-Zahler also demnächst erwarten und eher keinen "Night Manager". Also spießige deutsche 50er Jahre-Kleinbürger in kargen Berliner Wohnzellen statt internationale Waffenhändler in angesagten Jet Set-Locations rund um die Welt.

Etwas verwundert war ich ja schon, als Amazon stolz verkünden konnte, die Serie "The Night Manager" nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von John le Carré exklusiv für seine deutschen Streaming-Kunden an Land gezogen zu haben. Denn "The Night Manager" ist so etwas wie ein Blockbuster auf dem internationalen Serien-Markt, aufwendig verfilmt mit Tom Hiddleston und "Dr. House" Hugh Laurie in den Hauptrollen und so viele Angebote dieser Qualitätsklasse gibt es da nicht. Und zum Beispiel für das ZDF-Programm hätten man das Werk als großes Highlight inszenieren können. Und noch kurioser: Auch kein anderer der großen TV-Sender griff zu.

"Guck es dir erst einmal an", sagte ich zu mir. Denn ja, viel zu oft wird in der Branche die Wetterwarnung für einen kommenden Orkan herausgegeben und dann ist es doch nur ein Pups. Ist "The Night Manager" aber nicht. Das ist großes Unterhaltungsfernsehen von Feinsten. Angenehm, stilvoll und klassisch wird da über acht Folgen hinweg le Carrés komplexer Spionage-Thriller mit großartigen Darstellern an oft ausgesucht schönen Plätzen geradezu zelebriert.

Ja, der Herr Himmler vom ZDF liegt nicht ganz verkehrt, wenn er auf seine Produktion "Ku’damm 56" ein wenig stolz ist. Ganz verkehrt liegt er aber, wenn er glaubt, das sei der zukünftige Erfolgsweg für sein Programm. "Fernsehen ist wie ein amerikanischer Toaster. Man drückt den Knopf und es taucht immer dasselbe auf." So beklagte sich einst schon Alfred Hitchcock, und genau da liegt auch der einzige Grund dafür, dass bei "Ku’damm 56" ein paar mehr Leute als sonst einschalteten. Die Geschichte war eine neue Geschichte und das kommt im deutschen Fernsehen nicht jedes Jahr vor.

Ja, es gibt jede Menge interessanter und noch unerzählter deutscher Geschichten. Und man sollte sie auch erzählen. Aber den gerade immer mehr zu beobachtenden Trend zur Flucht vor der so furchtbar globalen Welt zurück ins deutsche Spießer-Idyll zum illusionären Glück hoffentlich längst vergangener Zeiten sollte man möglichst schnell und möglichst deutlich hinterfragen. Es gibt "nichts Schöneres als Napalm bei Nacht" sagt Hugh Laurie als Bösewicht Lauries Roper in "The Night Manager" und da ist was dran.

"Game of Thrones" konnte zuletzt im deutschen Free-TV nur schauen, wer endlose Werbeblöcke bei RTL II stundenlang, bis tief in die Nacht aushielt. "The Blacklist" läuft gerade bei RTL auch nur für einige Nachteulen. Von "Hannibal" über "Homeland" bis "House of Cards" finden die werbefinanzierten deutschen TV-Sender kein wirklich funktionierendes Konzept für die großen Serien, die die Welt unterhalten. Und die öffentlich-rechtlichen TV-Chefs wollen nicht mehr raus aus ihrer piefigen Lindenstraße. Zeit zu gehen. "The Night Manager" ruft.

Schaut es Euch an auf Amazon Prime. Jedenfalls all die Zuschauer, die sich gern gut unterhalten lassen. "The Night Manager" ist die nach meiner Meinung bisher beste Fernsehserie des Jahres. Und es ist wohl ein Zeichen der Zeit, dass sie auf keinem der klassischen Fernsehsender in Deutschland zu sehen ist.

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