Skype via Smart-TV: Kein Anschluss unter dieser Nummer

Die Windows 10 - Welt Foto: Microsoft
Ich bin einfach nicht modern. Deshalb, ich gebe es zu, entsteht dieser Beitrag gerade in unromantischer Home-Office-Atmosphäre mit Hilfe von Windows 10 und Filter-Kaffee. Echte Blogger dagegen, ich weiß es, tippen jetzt überall auf der Welt in Trend-Cafes ihre Ideen zu einem Latte irgendwas voll schöner Industrie-Aromen und Zucker glücklich in ihren Mac.

Bevor ich mit dem Beitag anfangen konnte, gab es zur Unterhaltung von Microsoft einen schönen Kreisel auf blauem Grund zu bestaunen und dazu den strengen Hinweis "Ihre Updates werden konfiguriert. Bitte schalten Sie den Computer nicht aus." Ich komme dann immer in Versuchung... Wer hat es schon einmal probiert? Was passiert dann? Aber egal. Zurück zum Thema.

Der Grund für den verzögerten Arbeitsbeginn, wir kennen ihn alle: Betriebssysteme wie Windows 10 sind so eine Art Berliner Flughafen. Groß, unüberschaubar und vor allem niemals fertig. Schuld daran ist nicht nur Microsoft. Sowohl die globale Tools-, Apps-, Geräte und sonstwas-Industrie als auch die kreative Gemeinde der Viren und Trojaner-Erfinder schläft nie. Alles muss mit allem zusammen arbeiten können. Das Update ist der wahre Kern unserer gesamten Zivilisation.

Microsoft will ab Juni seine "Skype for TV"-App nicht mehr updaten. Also quasi von der Zivilisation abkoppeln. Oder wie das offiziell heißt "no longer be supported". Die Skype-Nutzer würden, so Microsoft, jetzt ohnehin auch im Wohnzimmer mit dem Smartphone oder Tablet skypen. Mit dem neuen und simultan übersetzten Weltfernsehen wird es allein mit einem Smart-TV also erst einmal nichts.

Die SmartTV-Hersteller mit Skype-Angebot geraten dadurch in eine missliche Lage. Denn ohne Support kann die App zwar auch weiter funktionieren. Aber ohne Gewähr. Und ohne jeden Schutz vor den Ideen der "kreativen Gemeinde".

Die einfachste und sicherste Lösung ist dann natürlich: "Mach das weg". Samsung hat es zuerst verkündet und durfte stellvertretend für Microsoft dann auch die Prügel einstecken. Denn es gibt durchaus Leute, die nicht im Wohnzimmer mit dem Smartphone skypen, sondern sogar noch extra eine Webcam für den Fernseher gekauft haben.

Vielleicht ist die indische Idee mit dem Windows 10 - Fernseher ja größer als gedacht. Als Skype seine TV-App entwickelte, war Skype ja noch Skype und nicht Microsoft. Es gab also ein Interesse daran, auf möglichst vielen Geräten nutzbar zu sein. Microsoft dagegen hat ein Betriebssystem und Interesse daran, dass Skype auf Geräten mit diesem Betriebssystem funktioniert. Die Welt der SmartTV-Betriebssysteme ist aber bunt fragmentiert. Echter App-Support dafür ist aufwendig und teuer. Wer weiter auf dem Fernseher skypen will, der kann ja zum Beispiel auch eine X-Box an den Smart-TV anschließen. Die benutzt den Smart-TV nur als dummes Display.

Nicht wenige halten genau dies für die Zukunft des Fernsehers. Vizio zum Beispiel. Oder auch Xiaomi. Dann könnten sich die Hersteller auf das Display konzentrieren und das "Smart" und damit die Updates denen überlassen, die sich sonst auch mit Software befassen. Also Google, Amazon, Apple oder eben Microsoft. Klingt logisch. Aber Vorsicht: Während zum Beispiel Apple auf Gebirgen von Geld sitzt, laviert der Iphone-Displayhersteller Sharp am Rande der Pleite und muss gerade per Not-Übernahme gerettet werden. Goldminen der Zukunft sind Software, nicht Hardware. Sogar die Auto-Hersteller sollten genau darüber lange nachdenken.

Die Zukunft der TV-Gerätehersteller entscheidet sich mit dem Betriebssystem- und dessen Updates. Vielleicht könnten die Konkurrenten da ja sogar hin und wieder zusammenarbeiten. Zum Beispiel bei der Entwicklung einer Videochat-App für Tizen, WebOS und Co. Denn die Software-Giganten sind längst schon auf dem Weg zu Virtual und Augmented Reality. Und Microsofts Hololens zeigt uns dann große Fernseher auch dort, wo gar keine sind.

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