Kurios: Amazon Video macht Werbung für Netflix-Serie "House of Cards"

Foto: Netflix / David Giesbrecht
Es scheint so eine Art unendliche Geschichte zu werden. Frank Underwood, das "House of Cards" und Deutschland- das ist schon so etwas wie ein eigenes Drama für sich. Nicht nur, weil Netflix mittlerweile sogar eine fünfte Staffel der Serie plant. Sondern auch deshalb, weil wir nicht wissen, wie lange Sky in Deutschland die Emporkömmlinge aus Kalifornien noch mit vor langer Zeit abgeschlossenen Verträgen ärgern kann und will.

Wie allgemein bekannt und üblich, fehlt die brandneue "House of Cards" - Staffel erst einmal im aktuellen deutschen Netflix-Programm. Humor ist aber, wenn man trotzdem lacht:

Und diesen Humor werden die Netflixe wohl weiterhin brauchen. Zwar wird die Zuschauer-Attraktivität des Hochglanz-Politdramas allgemein weit überschätzt. Aber die Serie ist das Aushängeschild, mit dem der phänomenale globale Siegeszug des Streaming-Dienstes einst begann. Und wenn man sich da jetzt noch in Deutschland von der Amazon-Konkurrenz listig vorführen lassen muss, dann ist das sicher besonders schmerzhaft.

Zwar versteht sich Amazon weiterhin vor allem als E-Commerce-Händler, der möglichst alle gefragten Waren dieser Welt schnell zu möglichst allen Kunden dieser Welt bringen will. Sogar Fernsehprogramme. Und natürlich die besten Serien. Man kann das heimliche Kichern vielleicht auch nicht hören, nur spüren, wenn jetzt plötzlich nicht allein und erwartungsgemäß Sky, sondern auch Amazon Video ordentlich Werbung für die neue Staffel der Netflix-Serie macht, die es bei Netflix in Deutschland vorerst nicht gibt. Aber seinen Spaß hatte das Marketing von Amazon bestimmt bei dieser Idee.

Netflix ist schließlich nur ein Abonnement-Service, der die Rechte an einer Serie hat oder eben nicht. Amazon aber hat nicht nur Prime Video, sondern auch Instant Video und bietet da ab sofort nun "House of Cards" als Kauf-Video ziemlich offensiv an.

Amazon Video, so erfahren wir da, erweitere das Angebot seiner Online-Videothek um einen weiteren "Lieblingstitel". Ab 5. März stehe die brandneue vierte Staffel von House of Cards für den Einzelabruf im englischen Original oder in der deutschen Synchronfassung bereit. Die ersten zwei Episoden sind seit 5. März verfügbar - nur einen Tag nach der "lokalen Erstausstrahlung". Damit ist wohl die Sendung bei Sky gemeint.

Alle weiteren Episoden folgen im wöchentlichen Abstand. Zusätzlich ermögliche es "der Staffel-Pass" den Fans von House of Cards, alle Episoden der neuen Staffel zu einem günstigen Vorzugspreis zu bestellen. In den ersten zwei Wochen nach dem Launch auf Amazon Video koste die Staffel so "nur" 25,99 Euro für SD- oder 29,99 Euro für die HD-Qualität. Mit einem Staffel-Pass stünden alle bereits verfügbaren Folgen der Serie sofort über die Video-Bibliothek zum Abruf bereit. Neue Folgen der Serie werden so bald wie möglich zur Verfügung gestellt, üblicherweise am Folgetag der Ausstrahlung.

Jetzt sind 30 Euro kein wirklicher Schnäppchen-Preis und das wird in Deutschland auch kein Millionen-Seller. Aber darum geht es wohl gar nicht. "Erkennen Sie die Ironie?" So würde Präsident Underwood wohl fragen. Und darauf hinweisen, dass "House of Cards" kein scharf und sparsam kalkuliertes Serien-Projekt, sondern vor allem Marketing ist. Und Marketing kann auch Amazon prima. Netflix könnte ja mal eine ähnliche Drama-Serie über das Geschäft mit den Streaming-Rechten drehen. "Men without nerves" wäre vielleicht ein passender Arbeitstitel.

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