Warum Maxdome keine Konkurrenz für Netflix und Amazon ist.

Foto: ProSiebenSat.1
Es läuft bei ProSiebenSat.1. Diese Woche wurde gewinnträchtig Bilanz für 2015 gezogen und die Aktionäre können sich freuen. Das einstige Risiko-Papier wird wohl als erste TV-Aktie in den Dax aufsteigen. Da ist die Frage nicht ganz unberechtigt, die das Medienmacher-Portal DWDL in die Diskussion einbrachte: Warum eigentlich der Münchner Konzern so wenig ambitioniert im SVOD-Bereich erscheint.

Okay, mit 7TV hat man jetzt auch ein Portal für diese merkwürdigen Jugendlichen, die auf Smartphones fernsehen. Aber eigentlich ist ProSiebenSat.1 doch der deutsche SVOD-Pionier- mit Maxdome war man schließlich lange vor Netflix oder Amazon und sogar noch vor Watchever auf dem deutschen Markt. Um dann von den US-Größen nach deren Ankunft ziemlich widerstandslos vom Marktführer auf Platz drei durchgereicht zu werden.

Man habe anscheinend keine Lust mehr auf diesen neuen Markt und verteidige statt dessen lieber die sprudelnden Gewinne im guten alten TV-Geschäft, so glaubt DWDL. Und liegt damit auch sicher nicht ganz falsch. Aber die wirkliche Ursache ist eine ganz andere- als börsennotierter und damit seinen Aktionären verpflichteter regionaler TV-Konzern hat ProSiebenSat.1 wohl gar nicht die Voraussetzungen, um Netflix und Amazon ernsthaft Paroli zu bieten.

Netflix habe Deutschland ohnehin nicht im Sturm erobert, so Konzern-Chef Thomas Ebeling. Und er glaube auf Grund der unterschiedlichen Marktstrukturen auch nicht, dass die beiden in Deutschland ähnliche Marktpositionen wie in den USA erreichen würden. So so. Vielleicht ist das aber die besser klingende Version der eigentlichen Wahrheit- die lautet schlicht und einfach: Zu viel Risiko- und wahrscheinlich rechnet es sich auch nicht.

Denn immer wieder wird übersehen, dass Streaming Video on Demand ein globales Geschäft mit harter Konkurrenz und geringen Margen ist, in dem es für regionale Anbieter wie ProSiebenSat.1 keinen Platz außerhalb der Nische gibt. Denn was müsste Ebeling tun, um Netflix und Amazon mit Maxdome wirklich Konkurrenz zu machen? Nun ja, ein gleichwertiges Angebot bereitstellen.

Das aber kann man nicht mehr wie früher so einfach auf dem Markt einkaufen. Das Gerangel um Rechte für wirkliche Programm-Höhepunkte wird immer härter, die Preise steigen. Eigentlich bleibt nur die eigene Produktion von hochwertigen Serien und Filmen. ProSiebenSat.1 müsste also nur für Maxdome eine Art Münchner Hollywood in Betrieb nehmen, dass auf Augenhöhe zu Netflix oder wenigstens Amazon Inhalte vom Fließband produziert. Das kostet.

Netflix wie Amazon haben dafür Budgets in Milliardenhöhe. ProSiebenSat.1 müsste sämtliche Sparschweine schlachten. Es ist ja nicht so, dass der Konzern das Produzieren nicht könnte. Amazons aus meiner Sicht beste Serie, Bosch, ist sogar eine Produktion der ProSiebenSat.1-Tochter Red Arrow. Aber seinen Aktionären müsste der Konzern erklären, wie die Refinanzierung des Aufwandes funktioniert. Und wo der Profit herkommt. Mit Maxdome? Je länger man darüber nachdenkt, um so besser versteht man Herrn Ebeling.

Netflix refinanziert das Ganze über monatliche Abogebühren von mittlerweile 75 Millionen Abonnenten weltweit. In Deutschland müssten also fast alle ein Maxdome-Abo abschließen, Familien natürlich für jeden Kopf eines extra. Amazon will den Spass über E-Commerce rentabel machen, aber Maxdome? Müsste wohl oder übel auch international um Abonnenten werben.

Das aber wäre ein gewaltiges Risiko-Investment mit ungewissen Aussichten. Maxdome wandert also zwangsläufig wie Watchever in Richtung Nische. Und Netflix und Amazon machen das Geschäft unter sich aus. Bis die Konkurrenz aus Asien kommt. Denn die können auch global. Die können Serien für dreistellige Millionenbeträge produzieren. Maxdome nicht. Serien, wie die da:

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