Tiger und Drachen bei Netflix - China zieht die Mauer hoch

Foto: Netflix / Rico Torres
Das Schwert des Schicksals kommt am 26. Februar zu Netflix und soll nun "grüne Legende" heißen. Oder so. Nein, es wird jetzt nicht politisch. Jedenfalls nicht provinzpolitisch. "Crouching Tiger, Hidden Dragon: The Green Legend" ist die lang erwartete Fortsetzung von Ang Lees China-Blockbuster "Tiger and Dragon", nur Chow Yun-Fat spielt leider nicht mit. Schließlich ist der große Schwertkämpfer Li Mu Bai im Endkampf mit dem Jadefuchs von der tödlichen Nadel getroffen worden. Wenn noch ein paar Jadefuchs-Nadeln übrig sind, würde ich als Ziel den Netflix-Titel-Ausdenker ins Gespräch bringen wollen.

Egal. 128 Millionen US-Dollar spülte "Tiger and Dragon" allein in die US-Kinokassen und ist damit wohl einer der erfolgreichsten Importe aus dem chinesischen Sprachraum. Die Fortsetzung werden die meisten Chinesen aber nicht so einfach zu sehen bekommen. Denn Netflix ist zwar jetzt global verfügbar, aber die chinesische Mauer steht.

Ab 10. März wird sie nun sogar wieder noch ein Stück höher. Denn die Volksrepublik schottet sich weiter ab- ausländischen Unternehmen und sogar chinesisch-ausländischen Joint-Ventures soll es in Zukunft ohne ausdrückliche chinesische Erlaubnis prinzipiell verboten sein, irgendwelche Inhalte- egal ob Texte, Navigationskarten, Spiele, Musik oder eben bewegte Bilder- auf dem Online-Weg durch das Internet ins Reich der Mitte zu bringen.

China war auch bisher schon für Google, YouTube, Facebook und Co. kein leicht zu erreichendes Land. Wie schon einst bei Marco Polo führten oft nur verschlungene Pfade voller Gefahren zum Ziel. Nun will die kommunistische Partei Chinas das Internet in ihrem Herrschaftsbereich endgültig von den schädlichen Einflüssen des Auslands abkoppeln. Und damit auch den potentiell größten Markt der Welt vor den Giganten aus dem Silicon Valley oder Hollywood abschotten.

Ja, sogar Microsoft weiß derzeit nicht, ob sie ab dem 10. März noch Windows und Office einfach so per Server in der Volksrepublik verteilen können, von Apple und seinen iTunes ganz zu schweigen. Und Netflix, man ahnte es schon zur Ankündigung des globalen Starts im Januar, ja, Netflix kommt wohl auf legalem Weg gar nicht erst rein.

In Zeiten, wo chinesische Internet-Giganten sich Kapital per Börsengang an der Wall Street holen, andere Chinesen große Hollywood-Studios kaufen und es für jede gute Idee aus dem Silicon Valley sofort ein chinesisches Nachahmer-Produkt gibt, eine sehr delikate Situation.

Bisher war man in den USA mit China in Wirtschaftsdingen sehr zurückhaltend und diplomatisch. Denn egal, ob Apple mit seinen Iphones oder welches große Silicon Valley-Ding auch immer- die harte Ware kommt fast immer aus der Volksrepublik. Einen echten Krieg gegen China müsste die US-Army wahrscheinlich ohne Socken und Unterhosen führen. Und die Aussicht auf einen Markt mit mehr als einer Milliarde potentieller Konsumenten verlockte Unternehmen und Politik bisher dazu, einfach alles zu verzeihen.

Möglicherweise wird im weltweiten Internet aber nach dem 10. März das Schwert des Schicksals entscheiden. Bisher hat China immer sehr geschickt mit den Erwartungen und Hoffnungen der US-Multis gespielt. Wenn man dort zu der Erkenntnis kommt, einer Illusion aufgesessen zu sein, wird sich vieles verändern- aber wohl wenig zum Guten.

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