"The New Yorker Presents" - Amazons Angriff auf ARD und ZDF

Spielt irgendwie auch mit: The Naked Cowboy. Foto: Amazon

Auch heute macht Netz-TV frei nach großen Vorbildern ein wenig weiter mit dem Clickbaiting. Denn, wie wir es gestern am Beispiel Apple und Netflix gelernt haben: Wenn X etwas macht, was bisher nur von Y kam, dann ist das auf jeden Fall ein Angriff. Also muss Amazons neuestes Original "The New Yorker Presents" ein Angriff auf ARD und ZDF sein.

Denn die "Doku" ist eigentlich eher so etwas wie ein Kulturmagazin. Also Konkurrenz für "Titel, Thesen Temperamente" oder die "Aspekte" vom ZDF. Wobei das nicht so ganz passt. Denn deutsche "Kulturmagazine" im Fernsehen wollen meist "bilden", "Standpunkte vermitteln" oder irgendwelche Bücher vermutlich der Redaktion nahestehender Autor(inn)en verkaufen, die sonst (meist zu Recht) niemand bemerkt hätte.

"The New Yorker" dagegen ist auf Papier das Lieblingskind des gestandenen US-Ostküsten-Intellektuellen und will eigentlich nur eines: Sich den Spaß am immerwährenden Staunen über unsere wundersame Welt und deren erstaunliche Bewohner nicht verderben lassen. Eine Welt, in der es möglich ist, dass Amazon Video mit Hilfe der Zuschauer in einer "Pilot-Season" neue Produktionen sucht und das TV-Projekt "The New Yorker Presents" dann tatsächlich Realität wird.

Obwohl: Abrufzahlen veröffentlicht Amazon natürlich auch nicht für eine "Pilot Season". Es gibt ein Ergebnis und das wird dann mitgeteilt. Vielleicht hatte "The New Yorker" ja noch wichtigere Fürsprecher als nur einfache Zuschauer, Liebhaber bekannter Qualitätszeitungen zum Beispiel.

Egal: "Ob ein ikonoklastischer Küchenchef oder ein mexikanischer Drag-Queen-Wrestler; ob eine außer Kontrolle geratene Polizeibehörde oder ein unmöglich zu fassender Dieb; ob eine engagierte Krankenschwester, die mit armen Familien arbeitet, oder ein kontroverser Prediger, der der evangelikalen Bewegung den Rücken gekehrt hat: The New Yorker Presents taucht tief in jede Geschichte ein und kreiert provokative, unterhaltsame und aufschlussreiche Augenblicke. Essays werden zu Dokumentationen, Kurzgeschichten zu Sketchen, und Cartoons zu Animationsfilmen – anders, aber trotzdem immer nah an der gedruckten Vorlage", so Amazon.

Aha. Für Nicht-Leser des "New Yorker": Ein "Ikonoklast" ist auf deutsch ein "Bilderstürmer". Ab 15. März können sich jedenfalls die Prime-Mitglieder auf zehn Episoden in englischer Originalversion und deutscher Synchronfassung freuen. Für fünf Wochen gibt es je zwei Episoden pro Woche.

"Diese außergewöhnliche Dokumentation bringt eine der renommiertesten amerikanischen Publikationen mit bekannten und preisgekrönten Filmemachern auf Deutschlands beliebtesten Video-Streaming-Dienst zusammen," so Jay Marine, Vice President von Amazon Video Europe. "Mit unserer ersten Amazon Originals Dokumentarserie bieten wir fesselnde Inhalte in Form von künstlerischen und leicht zugänglichen Videosegmenten. Damit sprechen wir sowohl Leser des New Yorkers als auch neue Zuschauer an."

Ob so etwas bei Amazon zum dauerhaften Angebot werden kann? Es wäre tatsächlich so etwas wie ein Angriff auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen- und zwar auf dessen Nischen. Denn nur dort fanden solche Programme bisher ihren Platz. Und eigentlich erwarten viele eher einen Angriff der Streaming-Dienste auf die Quotenbringer des klassischen Fernsehens. Zum Beispiel Sport. Oder Reality-TV.

Bis dahin gibt es für die Zuschauer außerhalb der Nischen aber auch noch etwas zu sehen. Wie versprochen, bekommt Bosch eine zweite Staffel. Und die ist auch so gut wie fertig:

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