Licht aus für Köln.tv - Lokal-TV stirbt leise, meistens (8)




"Die regionalen Werbepartner haben Köln.tv und seine Angebote nicht angenommen", so Johannes Müller, Geschäftsführer von Köln.tv. "Für unser junges Team tut es mir sehr leid, es hat das Programm hervorragend ausgebaut." Nun stellt die Mediengruppe DuMont, die das ehemalige "Center.TV Köln" vor gut einem Jahr noch einmal gerettet hatte, den Betrieb des lokalen TV-Senders zum 31. März 2016 ein.

Als Grund für den Schritt wird "die fehlende wirtschaftliche Perspektive" des Senders angegeben. Zu geringe Erlöse aus dem regionalen Werbemarkt und hohe strukturell bedingte Verbreitungskosten, die durch die Einspeisung in die Kabelnetze entstünden, belasteten das Ergebnis nachhaltig, so der Zeitungskonzern.

Klingt alles logisch. Ist es aber nicht. Denn um die "geringen Erlöse aus dem regionalen Werbemarkt" tobt an anderer Stelle der Streit bis vors Bundesverfassungsgericht. Die Politik lege "die Axt an die wirtschaftlichen Grundlagen der Verlage", wenn sie der ProSiebenSat.1 Media AG die Regionalisierung ihrer TV-Werbung erlaube, so der Hauptgeschäftsführer des BDZV, Dietmar Wolff. Was denn nun, liebe Zeitungsmacher?

In Wahrheit geht es immer um den Versuch, Besitzstände zu wahren. Zum Beispiel die Werbeeinnahmen der notleidenden privaten Radiosender, an denen Verlage beteiligt sind. Regulierung ist das große Spiel in Deutschland um Medien und Werbegelder und es ist in diesem Fall eben "das junge Team" von Köln.tv, das am kürzeren Hebel sitzt und deshalb eben jetzt runterfällt. Oder das von "TV Südbaden" vor einem Jahr.

Köln.tv, so Dumont, lieferte "zudem Beiträge für die Online-Angebote der Medienmarken Express und Kölner Stadt-Anzeiger und hat seine Reichweite durch seine Präsenz im Netz erheblich gesteigert". Auf die Idee, dass die bewegten Bilder die Reichweiten der Zeitungs-"Medienmarken" gesteigert haben könnten, kommt ein Verlag prinzipiell nicht.

Oder doch: "Express und Kölner Stadt-Anzeiger werden auch weiterhin im Digitalbereich den Fokus auf ein mobilausgerichtetes Angebot mit großem Bewegtbild-Anteil richten. Video-Producer beider Titel werden Beiträge der eigenen Journalisten, aber auch relevante Inhalte aus Netzwerken und von Kooperationspartnern professionell auswählen, aufbereiten und in die Kanäle ausspielen."

"Video-Producer"- das klingt toll. So modern. Einfach zukunftsgewandt. Die Realität ist dann ein armes Schwein, dass aus nebenbei gefilmten Wackelbildern ohne verständlichem Ton von Print-Journalisten regionale "Nachrichtenbeiträge" zaubern soll und diese dann in den "Kanälen" mit einem Eimer Billig-Ramsch aus Agentur-Kanälen ("Wal in Neuseeland gestrandet") zum "Bewegtbildangebot" bündelt. Das soll dann so viele der gut bezahlten-WebTV-Spots ausliefern, dass genug Geld hereinkommt, damit die Print-Leute weitermachen können wie bisher.

Tolle Verlagspläne. Tolle Regulierung. Wen interessiert schon, was Werbekunden, Zuschauer oder Leser sich wünschen. Ach ja, vielleicht Facebook. Oder Google. Vielleicht Netflix? Amazon? Vice? Egal- sind ja doch alles Amis. Sollen die doch diese "neuen Medien" liefern, die diese störenden Kunden wollen. Wir sind Deutschland- und machen im Medienbereich lieber die Lichter aus. Auf jeden Fall streng reguliert. Das spart Strom:

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