Ganz schön mysteriös - Deutschland bekommt seine Netflix-Serie

Foto: Netflix
Seit voriger Woche ist die Nachricht als Spekulation auf dem Markt und nun gibt es sie auch aus offizieller Netflix-Quelle: Das lang herbeispekulierte erste echt deutsche "Netflix-Original" kommt. Und es ist mysteriös.

Das fängt schon damit an, dass PR-Verschwörungstheoretiker sicher einen nicht existierenden Zusammenhang mit der Tatsache konstruieren werden, dass es vor gut 14 Tagen diese offizielle Meldung gab. Sollen doch die Aluhüte darüber diskutieren, wer und ob da jemand vorgezogen oder nachgezogen hat. Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen. Aber egal.

Die erste deutsche Netflix-Serie soll also "Dark" heißen. Und sie ist trotzdem kein "Berlin Noir", sondern eine richtige Mystery-Serie. Also eine deutsche "Akte X" ohne UFO's und Außerirdische? Könnte sein. Denn Netflix meldet, dass es um vier Familien in einer typischen deutschen Kleinstadt gehen wird.

Als zwei Kinder auf mysteriöse Weise verschwinden, wird die vermeintlich heile Welt dieser Familien aus den Fugen gerissen und ein Blick hinter die Fassaden offenbart die dunklen Geheimnisse aller Beteiligten. Im Verlauf der zehn einstündigen Folgen bekommt die Tragweite der Ereignisse eine neue Dimension, als die Ermittlungen zurück ins Jahr 1986 führen und die Schicksale der vier Familien auf tragische Weise durch Raum und Zeit verknüpft werden.

Passt. Eine "neue Dimension" und Verknüpfungen "durch Raum und Zeit". Die werden die Produzenten auch brauchen. Denn wer von den Jüngeren kann sich an eine "deutsche Mystery-Serie" erinnern? Möglicherweise war der legendäre "Pumuckel" der letzte ernsthafte Versuch. Mystery ist irgendwie undeutsch. Echt deutsch ist die "Lindenstraße". Oder die lustigere Variante des Pflegeheim-Fernsehens, die "Rosenheim-Cops". Aber mysteriös ist deutsches Fernsehen niemals, nur banal.

Dabei sind mehr oder weniger gewalttätige Fantasy-Welten international das meist gesehene Genre überhaupt. Egal, ob als "Film-Universum" im Kino oder komplexe, mehrdimensional und ja, horizontal erzählte Serie. Aber so etwas macht hier keiner. Das muss eine geheime Regierungs-Verschwörung sein. Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen. Und besteht dann vielleicht nur daraus, dass den Verantwortlichen beim Lesen ihrer Excel-Tabellen die Fantasie ganz einfach verloren gegangen ist.

Alles sehr mysteriös. Wer sollte für Netflix eine deutsche Mystery-Serie drehen? Also wenn, dann doch wohl Tom Tykwer. Der hat den "Cloud-Atlas" gemacht, kennt die Gebrüder Wachowski und hat mit denen schon an einer Mystery-Serie gearbeitet- "Sense8". Für Netflix. Aber wie bei allen Verschwörungen sind die im Dunkeln immer einen Schritt voraus: Geheime Mächte bündelten die gewaltigen finanziellen Kräfte von deutschen Rundfunkgebühren und PayTV-Abonnements und warben Tykwer für einen Krimi aus den goldenen zwanziger Jahren ab. Vermutlich "Berlin Noir". Ist das die dunkle Seite der Macht? Und wer bleibt dann noch übrig für eine deutsche Mystery-Serie?

Ganz einfach: Baran bo Odar. Der, wie man am Namen unschwer erkennen kann, aus Erlangen stammende gebürtige Schweizer hat als letzte Arbeit "Who am I - Kein System ist sicher" mit Tom Schilling und Elyas M’Barek in den Kinos abgeliefert und wurde dafür von Zuschauern und Kritik gefeiert. Der Film startete 2014 auf dem Internationalen Filmfestival in Toronto mit seiner Weltpremiere und wurde dreimal mit dem Deutschen Filmpreis sowie dem Bambi für den besten deutschen Film ausgezeichnet.

Als nächstes Werk darf Odar deshalb "Sleepless Night" mit Oscar-Gewinner Jamie Foxx regieren. Und nun auch noch die mysteriöse Serie. "Wir freuen uns sehr darauf, das erste Netflix Original ‚Made in Germany‘ drehen zu dürfen. In die Familie aufgenommen zu werden, die so großartige Serien wie House of Cards und Bloodline hervorgebracht hat, ist uns eine enorme Ehre", so Odar. "Die Mysteryserie Dark ist eine Gemeinschaftsarbeit und ich bin besonders gespannt darauf, neue deutsche Talente zu entdecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich kann es kaum erwarten loszulegen."

Dass er von "uns" spricht, ist wiederum nicht mysteriös. Denn er arbeitet gern im bekannten Team: "Unglaublich, wie positiv Netflix das Konzept von Dark aufgenommen hat. Wir sind stolz, die Serie in Deutschland zu produzieren und damit Netflix-Abonnenten weltweit zu unterhalten. Es ist besonders erfreulich, dass wir erneut Quirin Berg, Max Wiedemann und Justyna Müsch als Produktionspartner gewinnen konnten. Sie haben bereits mit 'Who Am I - Kein System ist sicher' gezeigt, wie weit sie eine Idee bringen, wie weit sie dafür gehen", so "Dark"-Autorin Jantje Friese.

"Dark erzählt eine unglaubliche deutsche Geschichte, die auch ein weltweites Publikum ansprechen wird", so Erik Barmack, Vice President International Originals bei Netflix. "Bo und Jantje haben ihr kreatives Talent bereits bei Projekten in Berlin und Hollywood unter Beweis gestellt. Wir sind total begeistert, dass wir sie für unser erstes Netflix Original, das komplett in Deutschland geschrieben, gedreht und produziert wird, gewinnen konnten."

2017 werden die Netflix-Abonnenten "Dark" sehen können. Das ist spannend- genauso spannend wie die Tatsache, dass Netflix jetzt sogar einen "Vice President International Originals" hat. So, dieses mysteriöse Problem haben wir nun geklärt. Auf zum nächsten. Die Wahrheit, wie gesagt, liegt irgendwo da draußen. Wieso hat Mulder jetzt eigentlich einen Bauchansatz?

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